Allgemeine Berichte | 17.02.2014, 14:05 Uhr

Der vom Sinziger Denkmalverein aufgestellte Bücherschrank platzt manchmal aus allen Nähten

Bitte nicht überfüllen!

Die „Bücherzelle“ kurz nach der Aufstellung im Mai 2013. HG
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Sinzig. Lesen ist etwas Großartiges. Nicht von ungefähr haben sich die Literaten der Welt geradezu gegenseitig überboten mit lobenden Äußerungen. “Worte sind das stärkste Rauschgift, das die Menschheit verwendet”, empfand Rudyard Kipling. “Du öffnest die Bücher und sie öffnen Dich” erkannte Tschingis Aitmatow. Sehr poetisch klingt Lao-Tses Würdigung „Ein schönes Buch ist wie ein Schmetterling. Leicht liegt es in der Hand, entführt uns von einer Blüte zur nächsten und lässt den Himmel ahnen”.

Trotz gesellschaftlicher Veränderungen, technischen Fortschritts, neuer Medien und Kommunikationsformen, der Wert des Lesens hat sich nicht abgenutzt. Immer noch gilt Voltaires Erkenntnis „Beim Lesen guter Bücher wächst die Seele empor.” Der Mensch dehnt sein Vorstellungsvermögen aus, indem er in immer neue andere Gedankenwelten eintaucht. Das befeuert Autoren wie Leser.

Öffentlicher Büchertausch

Als Büchernarr kam daher Gottfried Nonnast die Idee, wie andernorts schon vielfach praktiziert, einen öffentlichen Bücherschrank in Sinzig zu installieren. Es gab schon einen in der Straße Am Teich. Der neue aber sollte mitten im Zentrum, nicht zu übersehen und gut zugänglich situiert sein. Gottfried Nonnast, Kassenwart des Vereins zur Denkmalpflege und des Heimatmuseums in Sinzig, stellte seine Überlegung dem Vorstand vor und erhielt volle Rückendeckung seitens des Vereins. Er suchte nach einer Telefonzelle als Gehäuse und machte schließlich sogar zwei Zellen ausfindig. Eine wurde den Bücherschrankinitiatoren der Lage Am Teich überlassen, die andere nach Einholung entsprechender Genehmigungen und unter dankenswerter Hilfeleistung des Bauhofes auf dem Brunnenplatz aufgestellt.

Zuviel des Guten

Freundlich gelb, aber auch mit farbigen Streifen und als Leseraupe dekoriert, bildet sie dort einen hübschen Blickfang. Dank ihrer inneren Werte, und weil sie 24 Stunden täglich offen steht, wird die „Lesezelle“ gut angenommen von den Bürgern. Seit der öffentlichen Übergabe des Bücherschranks im Mai 2013 können Lesefreunde darin die Lektüre ihrer Wahl entnehmen. Im Gegenzug bestücken sie die Minibibliothek mit Büchern, die sie nicht mehr benötigen. Allerdings ist dieser Austausch seit einiger Zeit aus der Balance geraten. Davon kann Gottfried Nonnast, der kaputte sowie ungeeignete Exemplare aussortiert und dafür sorgt, dass genug ansprechende Bücher vorrätig sind, ein Lied singen. Denn einige Zeitgenossen tun zu viel des Guten. Sie übertreiben es mit dem Befüllen.

Keine Entsorgungsstelle

Da werden Bücher waagerecht über stehenden Exemplaren gestapelt oder gleich reihenweise auf dem Zellenboden abgestellt, was die Nutzung des öffentlichen Bücherschranks behindert. „Keine Bücher-Entsorgungsstelle!!!“ appelliert deshalb seit kurzem ein bebilderter Hinweis an die Einsicht derer, die offenbar zu viele Bücher besitzen.

Es ist eigentlich ganz einfach: Gibt es Lücken in den Regalen des öffentlichen Bücherschranks, können diese aufgefüllt werden. Zeigen sich die Bücherreihen hingegen geschlossen, muss weiterer Lesestoff warten, bis sich Ausdünnung einstellt. Das bedeutet zugleich, dass Leseratten ungeniert großzügiger zugreifen dürfen, wenn die Lesezelle fast am Überquellen ist.

Die „Bücherzelle“ kurz nach der Aufstellung im Mai 2013.Foto: HG

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