Allgemeine Berichte | 26.05.2014

„Zuflucht“ e.V. Förderverein für das St. Joseph’s Hospiz in Südindien

Das Leben vor Ort – Bericht eines Besuchers –

Eindrücke von August Schmidt in den Hospizen von Father Thomas in Indien

Das zur Hälfte schon belegte neue Hospiz in Kancheepuram.

Sinzig. Im Juni 2013 berichtete der indische Priester Father Thomas Rathappillil in der Kirche St. Sebastianus Bodendorf über seine beiden Hospize in Dindigul, in der Nähe von Madurai, und in Kancheepuram, ca. 80 km von Chennai entfernt. Sechs Monate später folgte ich der persönlichen Einladung: „Wenn Sie helfen wollen, kommen Sie!“ Am 23. Januar flog ich zusammen mit Dr. Cordula Dietrich und Lydia Röder aus Berlin nach Chennai, wo uns Father Thomas bereits am Flughafen erwartete. Gleich am nächsten Morgen führte er uns durch das Hospiz, das noch zur Hälfte im Bau ist, und stellte uns allen Mitarbeitern des Hauses vor. Danach gingen wir mit ihm durch die langen Flure zu den einzelnen Sälen, in denen jeweils zwischen 15 und 40 Patienten liegen. Am Anfang ist man geschockt, wenn man einen dieser Säle betritt, da einem dort alles Elend dieser Gesellschaft auf engstem Raum begegnet. Menschen mit verschiedenen schweren Erkrankungen, Knochenbrüchen, Lähmungen, offenen Wunden, oft unterernährt. Und mitten unter ihnen einsam Sterbende.

Viele von ihnen werden von der Straße aufgelesen, sie leben dort alleine, in unbeschreiblichen Verhältnissen, ohne Familie, oder sie wurden von ihreren Familien ausgestoßen. Diese insgesamt etwa 200 Personen in Kancheepuram (bei Chennai) werden von gerade einmal drei jungen Schwestern gepflegt, in Dindigul von fünf jungen Frauen im Alter von 20 bis 24 Jahren. Jede dieser Schwestern ist für 50 bis 60 Patienten zuständig. Die Arbeit der Schwestern - mit Mundschutz und Handschuhen zum eigenen Schutz - beschränkt sich deshalb auf das Wesentliche: Waschen und Wunden reinigen. Jede Woche kommen neue Patienten, und doch verrichten die Schwestern ihre Arbeit mit einer bewundernswerten Hingabe. Sie beginnen ihren Dienst um 7.30 Uhr am Morgen und beenden ihren Tag um 21 Uhr, und man sieht fast immer nur in lächelnde Gesichter. Gefragt, warum er nicht mehr Personal einstelle, antwortete Father Thomas: „Kaum jemand ist bereit, diese Arbeit zu verrichten, selbst bei bester Bezahlung.“ Täglich ist man in diesen Hospizen mit Leid, Krankheit und Tod konfrontiert. Aber täglich sieht man auch, wie dankbar diese Menschen sind, wenn sich jemand Zeit für sie nimmt.

Eines Tages begleitete ich Father Thomas mit zwei weiteren Mitarbeitern des Hauses beim Abholen von vier neuen Patienten in Chennai. Sie lagen in zwei staatlichen Krankenhäusern für die Ärmsten der Stadt. Im ersten Krankenhaus wurden wir in einen Saal mit 50 Betten geführt. Da alle Betten in diesem Raum belegt waren, lag unsere erste Patientin zusammengekauert zwischen zwei Betten auf dem Boden. Entsetzt wurde mir die Lebenswirklichkeit dieser „Ärmsten der Armen“ vor Augen geführt. Wir hoben sie auf und fuhren sie auf einer Liege in den Krankenwagen. Die zweite Patientin hatte man bereits wenige Stunden zuvor entlassen. Man sagte uns, dass wir sie noch irgendwo auf dem Gelände des Krankenhauses finden würden. Nach kurzer Suche fanden wir sie dann auch schwach und hilflos in der Nähe des Haupeingangs auf dem Boden liegen. In diesen staatlichen Krankenhäusern der Stadt erhalten Obdachlose nur eine medizinische Erstversorgung und werden schon nach wenigen Tagen wieder entlassen, da sie weder den Aufenthalt noch eine intensivere medizinische Behandlung bezahlen können. Im zweiten Krankenhaus dieselbe Situation: große, überfüllte Säle mit Patienten, an deren Betten ihre Angehörigen saßen, um sie mit dem Nötigsten zu versorgen. Die beiden männlichen Personen, die wir hier mitnehmen sollten, waren noch in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand, klagten über Schmerzen und mussten ebenfalls von uns auf einer Liege zum Krankenwagen gefahren werden. Nach einer dreistündigen Fahrt durch Chennai erreichten wir gegen Mitternacht das Hospiz, wo diese Patienten sofort von den Schwestern versorgt wurden. Die Finanzierung der beiden Hospize läuft vollständig über Spendengelder. Von staatlicher Seite bekommt Father Thomas keine Unterstützung. Ein drittes Hospiz für ca. 20 Personen - in Chennai selbst - ist gerade im Bau und soll als erste Anlaufstation für die Obdachlosen und Sterbenden dienen, bevor sie dann nach Kancheepuram verlegt werden. Ich habe in diesen vier Wochen viele Gespräche mit Father Thomas geführt und habe ihn als einen Menschen mit sehr hohem Verantwortungsbewusstsein kennengelernt. Er achtet sehr genau darauf, dass alle Gelder dort Verwendung finden, wo sie am nötigsten gebraucht werden. Immer wieder hörte ich aus seinem Mund: „Das brauchen wir nicht, das ist verschwendetes Geld!“ Die Hospize und ihre Bewohner sind sein ganzer Lebensinhalt. Ihn zu unterstützen, kommt vollständig denen zugute, die sozial und wirtschaftlich ausgegrenzt am Rande der indischen Gesellschaft leben. Wenn jemand spenden möchte: Zuflucht e.V. IBAN: DE70 5775 1310 0000 1899 77.

Das zur Hälfte schon belegte neue Hospiz in Kancheepuram.
Das Leben vor Ort – Bericht eines Besuchers –
Das Bild dieser Frau auf dem Ruhelager im Garten hat sich fast zu einem Vereinslogo entwickelt.

Das zur Hälfte schon belegte neue Hospiz in Kancheepuram.

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