Bad-Titel für Bad Bodendorf
Der Erfolg hat viele Väter – der Misserfolg ist ein Waisenkind
Nicht mehr unterhaltsam ist es, die Lobhudelei einiger Politiker des Stadtrates Sinzig zu lesen. Wo waren die in den ersten Stunden nach der Pressekonferenz der Wirtschaftsministerin in Sinzig, als sie bekannt gab, das Aberkennungsverfahren des Heilbäderstatus für Bad Bodendorf sei eingeleitet und der Bad-Titel würde aberkannt? Plötzlich macht man Eveline Lemke als Wirtschaftsministerin und Bad Bodendorferin den Vorwurf, dass sie die für die Stadt unangenehme Nachricht selbst überbracht hätte. Wäre diese Nachricht von Staatssekretärs Uwe Hüser oder einem Mitarbeiter der ADD Trier überbracht worden, was hätte das für ein Gezedere gegeben und alle hätten ihr Feigheit vorgeworfen. Frau Lemke hat diesen schweren Gang gewagt. Basta! Der Stadtchef hat zu diesem Vorgang schon am 15. April das Schreiben des Ministeriums vorliegen gehabt. Den Stadtrat hat er nicht informiert, obwohl er nach §33 der Gemeindeordnung dazu verpflichtet ist „Der Gemeinderat ist vom Bürgermeister über alle wichtigen Angelegenheiten der Gemeinde, insbesondere über Ergebnisse der überörtlichen Prüfungen zu unterrichten.“ Dies versäumte er willentlich und hat den Stadtrat auf der Sitzung am 25. April nicht informiert. Auf Nachfrage während der Stadtratssitzung am 23. Mai, hier hat der Stadtrat übrigens erstmals das Schreiben zu Gesicht bekommen, kam die Antwort, dass es so Wunsch der Ministerin gewesen sei. Wenn dem Stadtrat diese prekäre Information vorenthalten wurde, dürfte die Frage erlaubt sein, was dem Stadtrat noch alles verschwiegen wird. Nun wollen sich einige in den Aktivitäten weniger Bad Bodendorfer Bürger sonnen und den zu erwartenden Erfolg für sich reklamieren. Das Engagement einiger Bad Bodendorfer Bürger, die sich verantwortlich zeigen für ihren Ort, ist es doch letztendlich, die positive Zukunftsaussicht für den Bad-Titel zu verdanken. Auch dieses Engagement war anfangs von Verantwortlichen nicht gewünscht. Das zeigen auch die fehlenden Unterschriften vieler Entscheidungsträgern auf der dem Innenminister am 29. Mai übergebenen Unterschriftenliste. Übersehen und totgeschwiegen wird gerne auch, bereits seit 2003 ist der Stadt durch Schreiben der ADD Trier bekannt, dass die Aberkennung des Heilbäderstatus und Bad-Titel droht. Der Bürgermeister und die Verwaltung waren somit informiert. Den Handlungsbedarf sah man nicht oder die deutlichen Zeichen wurden durch Liegenlassen und Abwarten auf die lange Bank geschoben, sonst wären für die Bad-Weiterentwicklung in den folgenden Haushaltsberatungen, finanzielle Mittel bereitgestellt worden. Das eingeleitete Aberkennungsverfahren ist nach den zahlreichen Hinweisen nun die logische Schlussfolgerung. Die „ungeliebte“ Lenkungsgruppe, aus engagierten Bürgern, die vom Bürgermeister anlässlich des Bäderwettbewerbes mitgegründet wurde, ist neben Heimat- und Bürgerverein Bad Bodendorf e.V., KG Rievkooche, Dorfgemeinschaft Zukunft Bad Bodendorf und dem Unternehmerverein zurzeit eine sehr aktive Gruppe in Bad Bodendorf, die die aktive Weiterentwicklung im Ort vorantreiben. Ob Rundweg der Düfte, Pflege der städtischen Anlagen oder jetzt die Übernahme der Pflege des (noch) Kurparks sind hierfür berede Beweise. Für den nicht benötigten Friedhof in Bad Bodendorf, den Kauf des Helenensaals in Sinzig, der übrigens im Nachhinein teuerer wurde als ursprünglich dem Stadtrat mitgeteilt, das Sponsoring einer Gaststätte in Koisdorf, der mit dem Geld den Saal für die Vereine herrichten und bereitstellen sollte, der übereilte Abriss der MPGHallen in Bad Bodendorf und der Ruinenkauf in der Gutestraße samt Abriss, für beide wurden nicht mal Landesmittel zur Beseitigung eines städtebaulichen Missstandes beantragt, wurde der städtische Haushalt beansprucht. Vorhaben, die den städtischen Haushalt entlastet hätten, wie zentrale Energieversorgung der Schulen in Sinzig und die Wärmerückgewinnung im Thermalschwimmbad in Bad Bodendorf, waren unspektakulär und deshalb nicht interessant, um sich beliebt zu machen.
Josef Erhardt,
Bad Bodendorf Stadtrat
