Politik | 08.06.2015

Zum Kita-Streik

Durchhaltevermögen und Mut sind gefragt

Als ehemals berufstätige Mutter und mittlerweile frisch gebackene Oma beobachte ich mit großem Interesse die Diskussionen aller Beteiligten. Gerade in diesen Tagen, wo Kindertageseinrichtungen nicht wie gewohnt funktionieren, erkenne ich die gesellschaftliche Bedeutung und Notwendigkeit der außerhäuslichen Kinderbetreuung. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass Erzieher und Erzieherinnen sich mit großem Engagement ihren Aufgaben stellen. Im Laufe der Jahre haben sie immer mehr familienergänzende Aufgaben klaglos übernommen. Während früher die Betreuung im Vordergrund stand, sind heute Bildung und Erziehung im Vorschulalter ein von allen gewollter Anspruch, der aber nicht mit einer Aufwertung der erzieherischen Tätigkeit einhergeht. Zunehmend jüngere Kinder werden immer länger betreut, damit Eltern früher ins Berufsleben zurückkehren können. Dies ist richtig und notwendig, fast alle sind irgendwann einmal Eltern und darauf angewiesen. Es kommt jedoch als weitere Selbstverständlichkeit hinzu, ohne dass an höherer Stelle überhaupt über den Status und eine angemessene Entlohnung der qualifizierten und anspruchsvollen Tätigkeit nachgedacht wurde. Umgekehrt müsste es sein: Der Staat hätte im Vorfeld, wie schon lange gefordert, eine entsprechende Anhebung vornehmen müssen, dann bräuchten die Erzieherinnen und Erzieher nicht auf die Straße gehen. Bundesweit streiken sie nun für die Aufwertung ihres Berufsbildes - sozusagen von der „Basteltante“ zur pädagogischen Fachkraft - verbunden mit einer gerechten Bezahlung. Ich finde es sehr mutig, dass sich eine Kita aus unserem Landkreis diesem Streik als legitimes Druckmittel im Tarifstreit anschließt, obwohl die Beteiligten riskieren, starken und unsachlichen Anfeindungen ausgesetzt zu sein. Doch die Kritik sollte an anderer Stelle stattfinden. Man sollte sich direkt ans Rathaus wenden. Wie wäre das? Eltern, Omas, Opas , Tanten und Onkel spielen und lernen mit den Kindern im Rathaus. Man kann sich zum Wohl aller betroffenen Kinder, Eltern und Erzieher wünschen, dass schnell eine zufriedenstellende Lösung gefunden wird.

Karin Keelan

Remagen

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