Allgemeine Berichte | 06.12.2012

Ein Herz für Kunst und Kunsthandwerk

Der weihnachtliche Markt von Bad Bodendorf lockte auch im Jubiläumsjahr die Besucherscharen

Ein Herz für Kunst und Kunsthandwerk

Bad Bodendorf. Die Mischung macht’s: In Bad Bodendorf zog auch der zehnte Kunst- und Weihnachtsmarkt wieder durch sein unverwechselbares Gepräge die Aufmerksamkeit auf sich: Während draußen im winterlich kalten Kurpark Dorfgemeinschaft, Vereine und Gewerbe die Besucher mit deftigen Genüssen und heißen Getränken verwöhnten, boten der Kunstkreis „Bad Bodendorf kreativ“ und seine Gastaussteller drinnen im angenehm temperierten ehemaligen Kurmittelhaus Kunst und Kunsthandwerk. Dabei scheuten sie weder Zeit noch Mühe, vergessen zu lassen, dass die einstige Servicestation für Kuranwendungen ein marodes Gebäude ist. Fürs erste Adventswochenende wurden Badewannen getarnt, verschwanden rissige Wände hinter schönen Stoffen und erhielten glaslose Fenster Ersatz aus Kunststofffolie. Die Kreativen machten sauber und peppten das ganze Ambiente mit Nadelgrün und Lichtern auf.

30 Kreative eroberten die Räume

Kunst und Kunsthandwerk behaupteten sich im unverkrampften Nebeneinander. „Wir wollen da nicht streng unterscheiden, so Kunstkreis-„Kammerverteilerin“ Birgit Braun-Buchwaldt. Eine Bedingung gab es trotz weitem Herz für alle Sparten: „Es muss alles selbstgemacht sein.“ Daran hielten sich die kreativen Marktbeschicker. Rund 30 eroberten mit ihren Arbeiten den langen Gang und die zahlreichen Räume. Den Anfang machte Helga Hoffmann, die im Glasgehäuse der ehemaligen Rezeption überwiegend Acrylbilder zeigte, deren auf Seide gemalte Riesenkerze aber am weitesten leuchtete. Gegenüber geriet Braun-Buchwaldts Raum zum Gesamtkunstwerk, denn zwischen Lianen, Schwemmholz und Birkenstämmchen spiegelten auch Acrylgemälde, Strukturbilder, Stelen und steinern anmutende Beton-Schalen von Rudolf Buchwaldt die Natur wider.

Schönes und Nützliches

Speziell Weihnachtliches gehörte ebenso zum Angebot des Marktes wie Nützliches und Schönes gegen die Kälte und fürs ganze Jahr. Es lockten Hans Schleichs zauberhafte Schwippbögen, die so gemacht im Erzgebirge das Dreifache kosten. Einen harmonischen Gesamteindruck gewann man bei Renate Nauheim, die Terrakotta-Kugeln, -Engel und -Windlichter buchstäblich Ton in Ton arrangierte. Engelpuppen, aber auch Dinkelkissen im Zwergendekor und Fußwärmer hatte Anja Weißenfels dabei. Karten und Kerzen gab es bei Karin Riebe. Besonders erfreute die Marktbesucher die Teilnahme junger Menschen. So hatte die zehnjährige Julia Peters mit der Nähmaschine fleißig hübschen Christbaumschmuck genäht. Die St. Sebastianus-Grundschüler stellten ihre Weihnachtsbilder aus und verkauften Karten mit den Siegermotiven des Malwettbewerbs. Reizvoll auch die Intarsienbilder von Schreinermeister Karl Schröder, welche durch die Maserung unterschiedlicher Hölzer, interessante Muster und präzise Fertigung bestechen. Wunderschönen Perlenschmuck gab es bei Margret Becher sowie Beate Strohe und Brigitta Berendt. Olivia Kunz lieferte neben Schmuck auch Getöpfertes, darunter einen tollen Hahn. Gebackenes steuerte Doris Schmickler bei, Handarbeiten Familie Griesenbach, herrlich Gefilztes Monika Münch und Kräutersalz Dorothee Albrecht. Diverse handwerklich gefertigte Artikel waren im Angebot von Hanne Schneider zu finden: Der Erlös ging an ein Frauenhilfsprojekt Namibia.

Künstlerisch Keramik und Malerei

Mit anspruchsvoller Keramik glänzte Bernadett Heeb-Klöckner. Dass sie sich nach einem Kunst- und Werkerziehungsstudium stetig im Bereich Keramik und Bildhauerei weiterbildete, kam ihrem Schaffen augenscheinlich zugute. So entstanden Schalen und Leuchtköper von erlesener Farb- und Formgebung, die in der Tradition asiatischer Keramik stehen und zugleich modernes Formdenken transportieren. Gisela Reiter zeigte eine Auswahl feiner ambitionierter Porzellanmalerei und Susanne Brüning-Schmitz farbig gefasste Gipsfigurenreliefs. Außerdem hatte die Grafikerin und Geologin ihren Thriller „Unter Spannung – Der Geocode“ mitgebracht.

Auch Malerei pur war präsent: durch stimmungsvolle Ortsansichten von der Ahr (Bernhard Knorr), Fotorealistisches von Petra Hörsch, farbkräftige naive Portraits (Harald Sommer) und Illustrationen von Cornelia Fuhs. Seltsame Wesen spuken durch die originellen leuchtenden Bilder von Neuling Nikola Kremser. Ebenfalls sehenswert ihre kreisförmig übersetzten Sternzeichen, genannt „Kosmogramme“. Nicht minder farbfreudig gestalten sich die von Göttern und Tänzern bevölkerten Ölbilder, welche Allroundkünstler Günther Lawrenz erstmals ausstellte, der zwischendurch Märchenstunde mit Hund „Flocki“ hielt. Bis zum Ende des Ausstellungshauses blieb es spannend, gab es doch in der letzten Kunstkammer erstaunliche Ölgemälde von Leoden Boulahya zu entdecken. In seinen surrealistischen, symbolisch aufgeladenen Bilderwelten übt er Zeitkritik und führt Orient und Okzident zusammen. Viel Bewunderung rief Reinhold Steinborn als Könner von Landschaften und Portraits hervor. Insbesondere seine Menschenbilder in Kohle bannten die Betrachter. Und als es draußen dunkel wurde, bezirzten im Park große Lichtskulpturen des Künstlers, unter anderem als leuchtende Spirale, Kranz und Strahlenkreis.

HG

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