Politik | 08.07.2013

Großer Andrang in der Aula der Bad Bodendorfer Grundschule

Ein Ortsname ist mit Heimat verbunden

Landrat Jürgen Pföhler hatte zur ersten Anhörung eingeladen

Fast 200 Bad Bodendorfer Vereinsvertreter waren in die Aula der Grundschule zur ersten Anhörung gekommen.BL

Bad Bodendorf. Das Heilbadprädikat ist zunächst einmal aberkannt: Aber die Bürger des größten Sinziger Stadtteils wollen das Bad in ihrem Ortsnamen auf jeden Fall behalten und sich dafür auch einsetzen. Dies wurde bei der ersten Anhörung, zu der Landrat Jürgen Pföhler eingeladen hatte, überdeutlich. Fast 200 Bad Bodendorfer, meist Vereinsvertreter, waren am Mittwochabend in die Sankt-Sebastianus Grundschule gekommen.

„Dies ist die erste Anhörung im Verlauf eines formellen Verfahrens“, hatte Landrat Jürgen Pföhler zur Einführung erklärt. Und der Kreischef nahm die Sorgen und Nöte der Bad Bodendorf ernst: „Ein Ortsname ist doch stets mit Heimat verbunden und in Bad Bodendorf sind fast 4000 Einwohner betroffen“. Mit am Podium saßen Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger und Barbara Schröder und Erich Seul von der Kreisverwaltung, die das Anhörungsverfahren betreuen werden. Mit der Überreichung der einstimmigen Resolution des Sinziger Rates für den Erhalt des Namens Bad Bodendorf am 24. Juni hatte Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger dieses Verfahren sozusagen losgetreten. Bevor es in die Argumente ging, gab es für den Landrat starke Willensbekundungen der Bad Bodendorfer. So überreichte Helmut Weber jene 1.320 Unterschriften, die in Bad Bodendorf für den Erhalt des Namens gesammelt wurden. Und auch Claudia Mercer, Hauserherrin in der Grundschule hatte eine Resolution von Lehrern und Eltern für den Landrat dabei.

Negative Auswirkungen

Verlust der Identität, Imageverlust im touristischen und wirtschaftlichen Bereich und ein „Herausfallen aus der Historie“ wurden in der Aula angeführt. Aber auch ganz praktische Dinge wie die Änderungen von Briefbögen, Vereinsnamen und Beschilderungen, die für enorme Kosten und organisatorischen Aufwand sorgen würden, wurden ebenso ins Feld geführt. Bad Bodendorfs einstiger Ortsvorsteher Karl-August Seel, hatte zu Beginn die Konsequenzen, die eine Aberkennung für die 14 Ortsvereine und vor allen Dingen die zahlreichen Bad Bodendorfer Fahnen in Privathänden mit sich bringen würde aufgeführt. Überhaupt trieb die Vereinsvertreter die Sorge um, was aus ihren Uniformen, die T-Shirts, Briefbogen oder anderer Vereinsausstattung wird. „Feuerwehrchef“ René Schmitt brachte es auf den Punkt: „Das Geld, was aufgewendet werden müsste, um den Zusatz „Bad“ von unserer Ausrüstung und den Feuerwehrfahrzeugen zu bekommen, können wir sicherlich sinnvoller verwenden“. Bernhard Knorr hatte für den Heimat- und Bürgerverein noch einmal ausgeführt, dass Luft und Wasser in Bad Bodendorf einmalig seien. Einige Sprecher trieb die Sorge um, dass mit dem Verlust des Namenszusatzes „Bad“ auch ein neuer Anlauf auf das Heilbadprädikat für alle Zeiten unmöglich werden. Albert Strohe, Schatzmeister des 300 Mitglieder starken Vereins „Freunde des Thermalbades“, befürchtete Auswirkungen auf die Arbeit seines Vereins.

Die Bad Bodendorfer wollen ihren Bad-Zusatz

Aber auch wirtschaftliche Gründe wurden angeführt. „Die Marke Bad Bodendorf darf nicht untergehen“, so Norbert Rönn vom Bad Bodendorf Unternehmerverein für die fast 100 Betriebe und Handwerker im Ort. Harald Monschau selbst Hotelier und Unternehmer in Bad Bodendorf sah Verluste im Bereich des touristischen Auftritts. Fast alle Vereinsvertreter betonten die Identifikation mit dem Ortsnamen. Dies galt für den TC Bad Bodendorf, die Sankt Sebastianus Bruderschaft, den Spielmannszug Blau-Weiß oder die Junggesellen. Jürgen Werf, Chef der KG Rievkooche, rief noch einmal zur internen Solidarität auf. „Wir müssen parteiübergreifend dafür arbeiten, das Bad bei Bodendorf zu belassen“. Die Bad Bodendorfer wollen sich in jedem Fall mit aller Kraft für ihren Bad-Zusatz einsetzen.

Der Landrat lieferte zumindest einen ersten kleinen Teilerfolg. Denn spätestens am 20. Juli ist das Heilbadprädikat endgültig weg, auch weil der Rat der Stadt Sinzig in seiner jüngsten Sitzung beschlossen hatte, gegen die Aberkennung nicht juristisch vorzugehen. Die Kreisverwaltung hat in seinem Schreiben an die Stadt nun aber verfügt den Namen vorläufig weiterzuführen zu dürfen, bis eine endgültige Entscheidung gefallen ist. Nach der Sommerpause sollen weitere Anhörungen erfolgen und möglicherweise fällt die Entscheidung noch vor dem großen Bad Bodendorf Dorffest, das Ende September über die Bühne gehen wird.

Schulleiterin Claudia Mercer und Bürgermeister Wolfgang Kroeger überreichen eine Petition der Eltern an Landrat Jürgen Pföhler.

Schulleiterin Claudia Mercer und Bürgermeister Wolfgang Kroeger überreichen eine Petition der Eltern an Landrat Jürgen Pföhler.

Ortsvorsteher Alexander Albrecht und Helmut Weber hatten 1320 Unterschriften für den Erhalt des Namenszusatzes gesammelt.

Ortsvorsteher Alexander Albrecht und Helmut Weber hatten 1320 Unterschriften für den Erhalt des Namenszusatzes gesammelt.

Fast 200 Bad Bodendorfer Vereinsvertreter waren in die Aula der Grundschule zur ersten Anhörung gekommen. Fotos: BL

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