Allgemeine Berichte | 14.11.2014

Von Köln nach Santiago de Compostela zu Fuß in sechs Jahren

Endlich am Ziel!

Das lang ersehnte Ziel ist erreich: Die Kathedrale von Santiago de Compostela. privat

Region. Eine 14-köpfige Wandergruppe aus der Region Weibern, dem Brohltal und dem Ahrtal machten sich im September 2008 zu Fuß auf den Jakobsweg zum Apostelgrab in Santiago de Compostela. Nach einem Gottesdienst im Kölner Dom starteten sie die 2.650 Kilometer in sechs Jahren, mit insgesamt neun Etappen und schlossen sie Ende September diesen Jahres ab.

Kilometer für Kilometer zu Fuß

Nach 2.650 Kilometer durch die Eifel, über Trier, das Saarland und durch Frankreich, sowie Nordspanien standen nun noch vier Pilger der einst so großen Gruppe vor dem lang ersehnten Ziel – der Kathedrale von Santiago de Compostela. In den ersten drei Jahren liefen sie jeweils eine Woche und in den restlichen Jahren jeweils elf bis fünfzehn Tage zweimal im Jahr. Kilometer für Kilometer ging es zu Fuß von Köln bis Trier, wo die erste Etappe mit einem Gottesdienst im Trierer Dom endete und man nach einem Stadtrundgang durch die wunderschöne Stadt die Heimreise antrat.

Aus weiter Ferne

In dem folgenden Jahr freute man sich schon auf neue Eindrücke im Saarland und Frankreich. Aus weiter Ferne erblickte man schon schnell den Stephansdom von Metz, doch der Weg dorthin wollte kein Ende nehmen und führte letztendlich noch rund zehn Kilometer entlang einer sehr stark befahrenen Schnellstraße zum Stadtkern. Alle fühlten sich total erschöpft und waren froh, heil die Stadt Metz erreicht zu haben. Wie in vielen vorherigen Städten mit ihren großen Kirchen, in denen man den Stempel für den Pilgerpass abholte, so führte auch hier der Weg als erstes gleich zur Kathedrale. Die Gruppe hatte immer genügend Gesprächsstoff, aber auch Zeit für Ruhe und etwas Besinnlichkeit, denn so manches kleine Kirchlein und kleine Kapelle auf den langen Etappen lud zum Verweilen ein. Oft wurde ein Marienlied oder Jakobuslied gesungen.

Der lange Weg durch Frankreich

Auf dem langen Weg durch Frankreich zeigte sich die Landschaft sehr abwechslungsreich. Mal säumten die Wege endlos große Sonnenblumen- oder Getreidefelder und in Burgund wanderte man tagelang durch Weinberge und so naschte man auch mal eine Traube. Es ging weiter Richtung Dijon und Beaune, die Stadt mit ihren wunderschönen bunten Dächern und dem mittelalterlichen Hospiz (dem Armenspital). Es folgte dann ein ganz besonderes Erlebnis, die Pilgergruppe durfte in Taizé, dem Ort, an dem sich die Jugend der Welt trifft, übernachten und am Gottesdienst teilnehmen. Von hier aus war es nicht mehr weit bis Cluny, die Stadt mit ihrer berühmten Benediktinerabtei, ein Meisterwerk der Romanik – sie war einst die größte Kirche der Christenheit und eines der wichtigsten geistlichen Zentren. Über Rouann und Montbrison führte der Weg immer tiefer hinein ins Zentralmassiv bis Le-Puy-en-Velay. Atemberaubend war für jeden einzelnen Wanderer die Aussicht von der Höhe kommend auf die Stadt Le-Puy mit ihren schroffen Erhebungen aus der Vulkanzeit, mit der Kathedrale Notre-Dame und der romanischen Chapelle Saint-Michel-d´Aiguilhe auf einem Vulkanschlot, zu der es viele Stufen aufzusteigen galt und als Krönung sang in der kleinen Chapelle ein Chor ein „Ave Maria“. Das war Gänsehautfeeling pur! Von Le-Puy aus traf man vereinzelt schon auf andere Pilger. Da die Übernachtung für eine so große Gruppe nicht leicht war, schliefen sie manchmal auf Bauernhöfen – und dort saß man dann mit anderen Pilgern an einem großen langen Tisch beim Abendessen, wo wiederum angeregte Unterhaltung in verschiedenen Sprachen angesagt war.

Abenteuerlich und lustig

Teils übernachtete man gemeinsam im Schlafsaal eines Klosters oder in kleineren Pensionen oder Hotels, oftmals war es sehr abenteuerlich, aber auch sehr lustig. Weiter ging es über die Hochebene von Aubrac, die den Wanderern nach der Schneeschmelze im Frühjahr so einiges abverlangte. Westlicher führte sie der Weg dann weiter über Moissac in Richtung Pyrenäen nach St.-Jean-Pied-de-Port, dem wohl größten zentralen Punkt auf dem Pilgerweg. Nun ging es weiter ständig bergauf, über den 1.400 Meter hohen Ibanetapass, über Roncesvalles Richtung Pamplona.

Die Gruppe wird kleiner

Inzwischen hatte sich leider die große Gruppe im Laufe der Jahre sehr verkleinert, sodass 2014 im Frühjahr nur noch das Ehepaar Irene und Berthold Carnott aus Altenahr, Hugo Bermel aus Burgbrohl-Weiler und Wolfgang Ackermann aus Troisdorf sich auf den Weg machten, gemeinsam zum Ziel nach Santiago de Compostela zu kommen. Sie folgten der Route Jakobsweg Camino Francés mit beeindruckenden Landschaften und interessanten Städten wie Puenta la Reina, Estella, Santo Domingo de la Calzada, Burgos mit der imposanten Kathedrale, León, Astorga und ebenso über die Passhöhe auf 1.517 Metern und dem berühmten Pilgerkreuz Cruz de Hierro. Auch auf diesem Teil des Jakobsweges waren es wieder viele unvergessliche Begegnungen mit anderen Pilgern verschiedenster Nationalitäten. Mit dem ein oder anderen Pilger hatte man schon „kleine Freundschaften“ geschlossen – so beispielsweise mit Alexandra aus Australien, der man immer wieder begegnete und ihr mit Desinfektionsspray half, als ihre Blasen zu groß und zu schmerzhaft wurden. Ob Alex ihr Ziel erreicht hat, konnten die vier nicht in Erfahrung bringen.

Ein Traktor aus Bitburg

Kurz vor dem kleinen Ort Granón wurden die vier Pilger von einem Traktor mit Bitburger Kennzeichen überholt. Als die vier Pilger den Traktorfahrer später im Ort wiedersahen, erzählte er, dass er nun nach dreimaligen Jakobswegerfahrungen für immer in dem kleinen Ort Granón bleiben werde. Er hatte ein altes Haus gekauft und führte eine Herberge.

Das ersehnte Ziel erreicht

Im September erreichten die vier Pilger Santiago de Compostela, die Kathedrale mit dem Apostelgrab. Beim Eintreten in die Kathedrale stellte sich bei allen eine gewisse Rührung ein. Sehr beeindruckend war dann anschließend die Pilgermesse mit dem Bischof, wobei das berühmte Weihrauchfass, der Botafumeiro, quer durch die Kathedrale geschwungen wurde. Als Überraschung wurden sie vor der Kathedrale von zwei Angehörigen: Daniela Claesgens und Marlies Bermel in Empfang genommen. Sie freuten sich, dass die vier Pilger den langen Weg unbeschadet überstanden hatten. Es war eine Zeit mit vielen unvergesslichen Momenten, mit vielen Begegnungen und tollen Gesprächen mit anderen Pilgern. Besonders gilt hervorzuheben die Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die allerorts anzutreffen war.

Von Anfang an dabei

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass der älteste Teilnehmer der Pilgergruppe, Hugo Bermel aus Weiler/Burgbrohl von Anfang an dabei war und im stattlichen Alter von 83 Jahren das lang ersehnte Ziel erreichte.

Das lang ersehnte Ziel ist erreich: Die Kathedrale von Santiago de Compostela. Foto: privat

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