-Anzeige- Die Kompetenzagenturen in RLP ziehen positive Bilanz ihrer Arbeit
Engagiert, innovativ und erfolgreich
Mainz. Vor rund 100 Teilnehmern zog das Kompetenznetz Rheinland-Pfalz eine positive Bilanz seiner Arbeit in der sozialen und beruflichen Integration benachteiligter Jugendlicher. Über 70 Prozent der jungen Menschen, die von einer der acht Kompetenzagenturen begleitet wurden, haben das Case Management erfolgreich abgeschlossen. Vertreter von Medien, Wirtschaft, Schulen, Politik und Wissenschaft fordern auf diesem Hintergrund eine Verstetigung der Arbeit der Kompetenzagenturen, denn zum Ende des Jahres läuft die Förderung über den Europäischen Sozialfonds aus. Das wäre dann auch das Aus für diese erfolgreiche Arbeit. „Schon aus demografischen Gründen können wir es uns nicht erlauben auch nur einen Jugendlichen durchs Rost fallen zu lassen“, machte Petra Klein eine der beiden Sprecher des Kompetenznetz Rheinland-Pfalz deutlich. Angesichts der Tatsache, dass deutschlandweit rund drei Millionen junge Menschen keinen Schulabschluss hätten und rund acht Millionen Menschen keinen Berufsabschluss sei der Handlungsbedarf offensichtlich. „Es kann doch nicht sein, dass wir den Jugendlichen in unserem Land das Gefühl geben, nicht gebraucht zu sein und gleichzeitig nach ausländischen Fachkräften rufen“, so Klein. Prominente Unterstützung erhielten die vom Aus bedrohten Kompetenzagenturen vom renommierten Sozialwissenschaftler und Arbeitsmarktexperten Prof. Stefan Sell. Sell bezeichnete das bestehende Übergangssystem von Schule in den Beruf als Labyrinth. Die Förderlandschaft von Maßnahmen sei viel zu komplex, als dass sich ein Jugendlicher ohne Begleitung alleine durch dieses „Dickicht“ schlagen könne. Er forderte eine Struktur, die die passgenaue Vermittlung von Jugendlichen in sinnvolle Angebote sicherstellt. Kommunen, Bundesländer und die Bundesagentur für Arbeit - müssten zu einer strukturierten Zusammenarbeit verpflichtet werden, um den einzelnen Jugendlichen optimal begleiten und fördern zu können. „Ohne eine kontinuierliche individuelle Begleitung und Betreuung der Jugendlichen mit den größten sozialen Integrationsproblemen werden wir das Potenzial unserer Gesellschaft in den nächsten Jahren nicht ausschöpfen. Auch deshalb brauchen wir eine nachhaltige Stabilisierung und Aufwertung der Arbeitsbedingungen der Fachkräfte, die mit diesen Jugendlichen arbeiten.“ Die Projektitis in der Modelprojekte angestoßen werden, um sie nach der Förderperiode wieder zu begraben, müsse ein Ende haben. Fachlich unterstrich Ottmar Oestreich vom sozialpädagogischen Institut Berlin, dass der Ansatz der Kompetenzagenturen, sogenannte benachteiligte Jugendliche im Übergang von Schule ins nächste System passgenau und individuell zu begleiten „höchst sinnvoll“ sei. „So gesehen sind Kompetenzagenturen das richtige Konzept. Das lässt sich anhand der zehn-jährigen Erfolgsgeschichte der Kompetenzagenturen belegen. Die Zielgruppe wurde erreicht und nachweislich erfolgreich unterstützt“, so Oestreich. Aber auch aus den Reihen der Menschen, die direkt von der Arbeit der Kompetenzagenturen profitieren, kam positive Rückmeldung. Die Schüler der Nürburgringschule aus Wimbach, die eigens zu dieser Fachveranstaltung zusammen mit ihrem ehemaligen Schulleiter, Udo Straatmann und ihren Lehrern Bernd Wagner und Dieter Stein angereist waren, machten sehr deutlich, dass für sie die Mitarbeiter der Kompetenzagentur wichtige Partner bei ihrer Lebensplanung sind. „Die Nora von der Kompetenzagentur hat mir geholfen, dass ich jetzt viel stärker bin und ich mich auch traue ein Praktikum zu machen und danach vielleicht sogar ’ne Ausbildung“, antwortete Daniel auf die von Susanne Kros, die als Moderatorin (sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut) durch die Veranstaltung leitete, spontan gestellte Frage. Die in den acht Rheinland-pfälzischen Kompetenzagenturen arbeitenden Fachkräfte befanden aus der täglichen Praxis heraus, den Fortbestand der Projekte als „dringend geboten“. Nicht nachvollziehbar sei es, wenn nachweislich erfolgreiche Modelle wieder eingestampft würden, sobald die europäische Förderperiode ausläuft. Tausende von Jugendlichen, die aus schwierigsten familiären, sozialen oder schulischen Verhältnissen ihren Weg zu einer Kompetenzagentur fanden, konnten in eine Ausbildung, eine schulische Maßnahme oder direkt in den Beruf begleitet werden. „Eine Chance weniger für all jene, die diese Unterstützung brauchen, wenn Länder und Kommunen jetzt nicht bei der Finanzierung einspringen“, machte Christoph Fehr der zweite Sprecher des Kompetenznetz deutlich. Bis zum 31. Dezember ist der Fortgang der Arbeit gesichert - bis dahin haben benachteiligte Jugendliche eine kompetente Anlaufstelle. Jetzt seien die Länder und die Kommunen gefragt, dafür zu sorgen, dass die Erfolgsgeschichte der Kompetenzagenturen fortgeschrieben werden könne. Das Kompetenznetz Rheinland-Pfalz will sich nicht damit abfinden, dass man Tausende von Jugendlichen einfach abschreibt und ohne konkrete Hilfe zurücklässt. „Wir werden Überzeugungsarbeit leisten, wo wir können. Noch ist es erst fünf vor zwölf“, so die Sprecher des Kompetenznetzwerks abschließend.
