Führung im DB Museum Koblenz
Exkursion und Führung durch das DB Museum Koblenz mit historischen Lokomotiven
aus Sinzig
Sinzig. Kaum eine Erfindung hat die gesellschaftliche Entwicklung so nachhaltig geprägt wie die Dampfmaschine im Zeitalter der Industrialisierung.
1825 wurde in England die erste Eisenbahnlinie eröffnet. Rund zehn Jahre später folgte Deutschland.
In der Folge setzte ein rasanter Ausbau des Schienennetzes ein, eine völlig neue Mobilität für Reisende und den Handel entwickelte sich. Das Automobil wurde erst rund 50 Jahre später erfunden.
Vor diesem Hintergrund ist es kaum verwunderlich, dass sich mehr als 20 Interessierte zu einer Führung durch das Eisenbahnmuseum in Koblenz-Lützel einfanden. René Ilmert von der Deutschen Bahn Stiftung, selbst Lokführer, hat sein Hobby zum Beruf gemacht und führte mit großer Fachkenntnis und Herzblut durch die mehr als 100 Jahre alte Instandhaltungshalle.
Exponate im Fokus
Zu Beginn stellte er verschiedene Lokomotiven sowie Reise- und Salonwagen vor. Gleich im Eingangsbereich befindet sich die Dampflokomotive der bayerischen Baureihe R 3/3 aus dem Jahr 1921. Nachdem sie 2005 bei einem Depotbrand schwer beschädigt wurde, restaurierte der Museumsverein sie in mehrjähriger ehrenamtlicher Arbeit.
Auf der linken Seite der Halle steht mit der E 16 03 eine Elektrolokomotive aus dem Jahr 1926. Die Elektrifizierung der Bahn steckte damals noch in den Anfängen, war jedoch beispielsweise im Raum München bereits umgesetzt. Diese Lok erreichte Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h.
Besonders beeindruckend waren auch die ausgestellten Salonwagen. Der Salonwagen 10 207 aus dem Jahr 1937 wurde ursprünglich für den NS-Propagandaminister Joseph Goebbels gebaut und war mit außergewöhnlichem Komfort ausgestattet, einschließlich Badewannen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte zunächst die britische Besatzung den Wagen, später diente er verschiedenen Bundesverkehrsministern. Auch Königin Elisabeth II. reiste 1978 in diesem Salonwagen. Ein weiterer Wagen 10 208 wurde von der Bundesregierung als Dienstfahrzeug für die Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt genutzt. Im Jahr 2000 kam er für den Film „Enemy at the Gates“ zum Einsatz und wurde dafür auf den Zustand von 1937 zurückversetzt.
Außenbereich und besondere Exponate
Im Außenbereich des Museums befinden sich zahlreiche weitere Lokomotiven, die jedoch der Witterung ausgesetzt sind. Eine Erweiterung der Hallenkapazitäten ist geplant. Teilweise übernehmen engagierte „Paten“ die Restaurierung einzelner Fahrzeuge.
Ein weiteres Highlight war der Trans-Europ-Express (TEE), ein besonders komfortabler Fernreisezug, dessen Innenräume die Besucher besichtigen konnten.
Viele der ausgestellten Fahrzeuge sind noch funktionsfähig, einige besitzen sogar eine gültige Zulassung und werden zu besonderen Anlässen eingesetzt. Die dafür erforderlichen Prüfungen finden alle acht Jahre statt und verursachen häufig Kosten im fünfstelligen Bereich.
Den gelungenen Abschluss der Exkursion bildete ein Aufenthalt in einem zu einem Café umgebauten Speisewagen.
