Kirmes in Sinzig
"Flash" sorgte für Kopfstand vor der Westfassade von Sankt Peter
Klaffen, Bierchen trinken und Familienausflug - Kirmestraditionen gehen bis ins Jahr 1241 zurück
Sinzig. Kopfstand vor der Westfassade von Sankt Peter. Diesen Nervenkitzel als Kirmesvergnügen bot das Hightech-Fahrgeschäft „Flash“ in diesem Jahr wagemutigen Kirmesbesuchern.
Das Wahrzeichen der Stadt, die Pfarrkirche Sankt Peter und die Sinziger Kirmes als eines der ältesten Volksfeste der Region sind unmittelbar miteinander verbunden. Denn auf die Weihe „des kleinen rheinischen Doms“ am 15. August 1241 geht die Sinziger Kirmes ja zurück. Ansonsten lassen es die Sinziger bei ihrer Kirmes aber gemächlicher angehen. Schwätzchen halten beim kühlen Blonden oder entspannter Familienbummel sind an den vier hohen Festtagen bis zum 18. August angesagt.
Offiziell wurde es am Samstagnachmittag auf dem Kirmesplatz. Bürgermeister Wolfgang Kroeger und Ortsvorsteher Gunter Windheuser eröffneten das Volksfest. Zu Blasmusik der Rhein-Ahr-Spatzen und mit zahlreichen Ehrengästen. „Feiert schön“, waren sich Kroeger und Windheuser einig und kredenzten ausgiebig Freibier, während die Fahrgeschäfte eine Viertelstunde lang für lau genutzt werden konnten. Hilfe beim Fassanstich hatte es durch die Schützenmajestäten der Jusseps-Jonge, König Helmut Werner und Königin Judith Nechterschen gegeben.
Doppelte Eröffnung
„Wir eröffnen die Kirmes noch doppelt“, hatte Kroeger selbst einen kritischen Punkt angesprochen. Denn neben der offiziellen Eröffnung um 14 Uhr gab es am Abend um 19.30 noch die traditionelle Eröffnung mit dem Festzug der Jusseps-Jonge. In der Verwaltung, bei der katholischen Kirche aber auch im Ortsbeirat gab es in diesem Jahr übrigens Bestrebungen den Kirmesbeginn zu reformieren. Die Lösung könnte eine Ausweitung auf den Freitag mit dann gemeinsamer Eröffnung sein. Für den traditionellen Schausteller-Gottesdienst am Freitag scheint eine andere Lösung möglich. Für die Kirmes 2015 kamen die Überlegungen aber zu spät, weil die Verträge eben gemacht waren. 2016 könnte dann eine Reform geben. Erstmals in der Geschichte des Traditionsvolksfestes dann möglicherweise bereits mit einem Kirmesfreitag und sich drehenden Fahrgeschäften.
Die Kirmestraditionen pflegte die Sankt-Josef-Gesellschaft: Fassanstich und Böller hieß es vor der Gaststätte Eifeler Hof in der Ausdorferstraße bei der traditionellen Kirmeseröffnung am Samstagabend. Der Präses des ältesten Sinziger Vereins, Pastor Achim Thieser und Jonge-Vorsitzender Alfons Busch sorgten für den zweiten Fassanstich bei drei Mal drei Böllern. Anschließend formierte sich der Festzug der vaterstädtischen Vereine.
Nervenkitzel vor St. Peter
Bewegung hatte es bei den Fahrgeschäften gegeben. „Flash“ mit Nervenkitzel vor Sankt Peter, der Ring-Renner als kleine Achterbahn für die Pänz auf dem Markt und Hawaii Swing in der Gudestraße gaben ihren Einstand. „Wilde Spekulationen“ tobten in den sozialen Netzwerken über den Kirmes-Methusalem schlechthin. Die Sinziger lieben ihre Schmetterlingsbahn. Zur Faktenlage: Das Fahrgeschäft ist verkauft und wurde aufwendig restauriert. Seit rund acht Wochen ist die Schmetterlingsbahn nach Informationen des Ordnungsamts wieder auf Volksfesten im Einsatz. Nur entgegen anderslautender Gerüchte hatte der neue Besitzer für die Sinziger Kirmes noch keine Bewerbung abgegeben. Dies könnte im nächsten Jahr anders werden und eigentlich spricht nichts gegen eine Rückkehr der nostalgischen Schmetterlingsbahn, wenn denn alles glatt läuft.
Grünes Parteibuch in schwarzem Brunnen
Geredet und getrunken wurde an Theken in Biergärten und natürlich an den Bierständen der Parteien und der Kirche. Bekannte und Freunde treffen, zwischen schwarzem, rotem und heiligem Bier eben. Beim roten Bier geht der Erlös wie üblich an die Stadtranderholung der Arbeiter-Wohlfahrt. Bei der CDU, deren Bierstanderlös an die Jugend des THW und das Bürgerforum gespendet wird, gab es ob der Parteizugehörigkeit schon Mal Verwirrung. Hintergrund: Mitglieder des Bürgerforums wirken als „Erfrischungsgehilfen mit“. Und da gab es dann auch schon mal ein grünes Parteibuch hinter schwarzem Tresen. Beim Bierstand der Kirche wird der Erlös in diesem in die Flüchtlingshilfe gehen. Zur Hälfte in die regionale Arbeit von Caritas und Diakonie und zur anderen ganz konkret an Flüchtlinge in Sinzig.
Bleibt noch über das Wetter zu reden. Während es am Kirmessamstag mit viel Betrieb entgegen der Prognosen trocken blieb. Nieselte es in den Sonntag so richtig herein. Kirmesrundgang mit Familie oder Bummel mit der buckeligen Verwandtschaft war da eher nicht angesagt. Bei Schaustellern, Gastronomen und an den Bierständen gab es da ein resignierendes Schulterzucken.
Besonderheit in diesem Jahr
Am Montag ab 17.45 Uhr machte die Vortour der Hoffnung auf dem Markt Station bei der Sinziger Kirmes. Zum Abschluss gab es am Dienstag in Sinzig gegen 22 Uhr mit dem Höhenfeuerwerk dann noch einmal einen großen Massenandrang.
Der Autoskooter auf dem Kirchplatz ist und bleibt der klassische Treffpunkt für die jugendlichen Kirmesbesucher.
In der Ausdorferstraße wurde die Kirmes mit dem Abschreiten der Ehreformation, mit musikalischer Untermalung des Spielmannszuges "Freiweg", der Jusseps-Jonge begonnen.
Der traditionelle Festzug der Jusseps-Jonge startete in der Ausdorferstraße und endete auf dem Kirchplatz.
