Persönliche Begegnungen und ein gemeinsamer Blick nach vorn
Ministerpräsident Schnieder besucht die Lebenshilfe in Sinzig
aus Bad Breisig
Sinzig. Ministerpräsident Gordon Schnieder hat am 14. Juli 2026 gemeinsam mit Staatssekretärin Kathrin Anklam-Trapp, Staatssekretär Torsten Welling und ADD-Präsident Andreas Kruppert das sanierte Lebenshilfehaus in der Pestalozzistraße in Sinzig besucht. Im Mittelpunkt standen die Begegnungen mit Bewohnerinnen und Bewohnern sowie der Blick auf das, was die Lebenshilfe seit der Flutkatastrophe bewältigt hat und für die Zukunft plant.
Schnieder zeigte sich beim Besuch tief bewegt und würdigte die Arbeit der vergangenen Jahre: „Das Lebenshilfe-Haus in Sinzig steht wie keine andere Einrichtung so sehr für das Unvorstellbare, das sich in der Flutnacht vor fünf Jahren ereignete. Ich bin tief beeindruckt und dankbar dafür, was die Lebenshilfe als Träger und auch die Bewohner in den vergangenen Jahren geleistet haben. Sie haben ihr Haus vom Schlamm und den Wassermassen befreit. Sie haben es wieder nutzbar gemacht, renoviert. Sie haben sich ein neues Konzept überlegt, wie Sie das Haus weiterhin nutzen können. Und das Wichtigste: Jeder Einzelne von Ihnen arbeitet Tag für Tag daran, mit der Situation umzugehen und nach vorne zu blicken. Die Landesregierung steht fest an der Seite der Betroffenen. Wir wollen zuhören, hinschauen und mit Ihnen gemeinsam aufarbeiten, was Sie beschäftigt.“
Der Vorsitzende der Lebenshilfe, Ulrich van Bebber, bezeichnete den Besuch des ersten amtierenden Ministerpräsidenten im Lebenshilfehaus als besondere Wertschätzung. In seinem Grußwort erinnerte er an die Flutnacht: Das Wasser stieg binnen kurzer Zeit bis an die Decke des Erdgeschosses. Zwölf Menschen, die dort lebten und ihr Zuhause hatten, verloren ihr Leben. „Sie gehörten zu unserer Lebenshilfe-Familie. Sie fehlen uns“, sagte van Bebber.
Die vergangenen fünf Jahre seien voller Höhen und Tiefen gewesen. Die Lebenshilfe musste neue Unterkünfte schaffen, Angebote neu organisieren und traumatisierte Menschen auffangen. Eine außergewöhnliche Hilfsbereitschaft und der große Einsatz der Mitarbeitenden hätten ihr dabei immer wieder Kraft gegeben. „Der Besuch zeigt uns, dass unsere Bewohnerinnen und Bewohner, unsere Mitarbeitenden und unsere gemeinsamen Anstrengungen gesehen und anerkannt werden“, betonte van Bebber.
Bei einem Rundgang informierte sich Schnieder über die neue Nutzung des sanierten Hauses für Verwaltung, Kinder- und Jugendhilfe, Tagesförderstätte und Ergotherapie. Außerdem ging es um den geplanten Neubau mitten in Sinzig. Nach vielen Hindernissen und Rückschlägen hat die Lebenshilfe dort ein geeignetes Grundstück gefunden. Spätestens 2029 sollen die Bewohnerinnen und Bewohner zurückkehren können. Das neue Haus soll wieder ein Ort der Freude und des Lebens werden.
Im anschließenden Gespräch berichteten Bewohnerinnen und Bewohner von ihren Erfahrungen und Zukunftswünschen. Andrea Münz machte deutlich, dass Sinzig für sie und die anderen Bewohnerinnen und Bewohner Heimat sei und wieder Heimat werden solle. Bei der Gedenkveranstaltung am Abend bat Schnieder anschließend für das staatliche Versagen in der Flutnacht um Entschuldigung. Van Bebber begrüßte diesen Schritt als wichtige Klarstellung und Entlastung für die Mitarbeitenden, Feuerwehrleute, Rettungskräfte und Helfer am Ende der Rettungsketten: „Nicht diese Menschen haben versagt. Sie mussten das Versagen staatlicher Strukturen auffangen.“
Ministerpräsident Gordon Schnieder (Mitte) nahm sich bei seinem Besuch im Lebenshilfehaus in Sinzig Zeit für das persönliche Gespräch Bewohnerinnen und Bewohnern. Links: Lebenshilfe-Vorsitzender Ulrich van Bebber, 2. v. r.: Andrea Münz Foto: Dennis-A.Hundt
Weitere Themen
Beim Gedenken an die zwölf Bewohnerinnen und Bewohner, die in der Flutnacht 2021 im Lebenshilfehaus in Sinzig ihr Leben verloren (von links): Staatssekretärin Kathrin Anklam-Trapp, Lebenshilfe-Geschäftsführer Frank Scheider, Lebenshilfe-Vorsitzender Ulrich van Bebber, die stellvertretende Vorsitzende Ute Voss, ADD-Präsident Andreas Kruppert und Vorstandsmitglied Martin Schnause. Foto: Dennis-A.Hundt