Allgemeine Berichte | 25.11.2013, 15:14 Uhr

Sinziger Mundartkreis

„Sankt Martin als Vorbild für Nächstenliebe“

Das traditionelle Döppches-Koche-Essen war auch in diesem Jahr wieder gut besucht. privat
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Sinzig. „Ein volles Haus“ konnte Gerd Schultes, der Leiter des Mundartkreises, wieder zum traditionellen Döppches-Koche-Essen im Haus St. Peter begrüßen. Zur Einstimmung auf das gemeinsame Essen ging Gerd Schultes zunächst auf das Leben des Heiligen Martin ein, der aus Ungarn stammte, römischer Soldat und später Bischof von Tours war und seit Jahrhunderten wegen seiner Barmherzigkeit und Nächstenliebe hoch verehrt wird. Die Teilung seines Mantels noch als römischer Soldat mit einem armen Bettler zu dessen Schutz vor Kälte sei nur ein Beispiel für das soziale Wirken von Martin. Der Heilige Martin sei auch die erste Person gewesen, die in der lateinischen Kirche ihre Heiligkeit nicht durch den Tod als Märtyrer, sondern lediglich durch ihr heldenhaft geführtes Leben verliehen bekam.

Es sei daher nicht verwunderlich, dass die Verehrung von Martin über Jahrhunderte ungebrochen sei.

Gerd Schultes wandte sich auch scharf gegen die in diesem Jahr festzustellenden Bestrebungen, das Sankt-Martin-Fest in ein konfessionsloses „Sonne-Mond-und Sterne-Fest“ umzuwandeln, wie dies leider schon in Einzelfällen geschehen sei. Hier müsse mehr als bisher die Person, das Wirken und die Taten von Sankt Martin, das heißt seine guten Werke, sein Beistand bei Kranken und Notleidenden, seine Hilfsbereitschaft und seine Bescheidenheit wieder deutlicher in den Mittelpunkt des Festes gestellt werden. Das Fest des Namenstages von Martin sei kein Folklorefest, das beliebig in ein anderes Fest umgedeutet werden könne.

Nicht unerwähnt blieb aber auch die Bedeutung des Martinstages für die bäuerliche Gesellschaft. In früheren Zeiten war dieser Tag auch der Tag des Abschlusses des bäuerlichen Wirtschaftsjahres und ein wichtiger Rechtstermin. Zu diesem Termin erfolgten Lohnzahlungen an das Gesinde, Pachtzahlungen und die Ablieferung des Kirchenzehnten. Für die Jecken im Rheinland und in anderen Karnevalsregionen ist der 11. November der Beginn der närrischen Zeit. Traditionell hat aber der St.-Martins-Tag eine ganz andere Bedeutung.

Früher begann an diesem Datum die 40-tägige Adventsfastenzeit. Und deshalb wurde auch an diesem Tag noch einmal richtig gut gegessen, getrunken und gefeiert, bevor das Fasten begann ähnlich wie in den Tagen vor Aschermittwoch.

Schmecken ließen sich dann alle den leckeren Döppcheskoche, ohne an ein Fasten zu denken.

Für die Freunde der heimischen Mundart war es auch selbstverständlich, dass das alte, heute kaum noch bekannte Sinziger Dotzlied zu Sankt Martin gesungen wurde, mit dem bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts Brandmaterial für das Feuer und als Dank für die größeren Kinder und Jugendlichen für ihre Bemühungen um das Feuer Trink- und Essbares oder auch Geld gesammelt wurden.

Das traditionelle Döppches-Koche-Essen war auch in diesem Jahr wieder gut besucht. Foto: privat

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