Allgemeine Berichte | 10.08.2015, 11:14 Uhr

FrauenForum Kreis Ahrweiler e.V.

Schattenseiten der Pränatalen Diagnostik

Kreis Ahrweiler. Im Verlauf der letzten 20 Jahre ist die Entwicklung in der Pränatalen Diagnostik weit vorangeschritten. Sie ist mittlerweile Standart bei jeder Schwangerschaftsvorsorge mit dem Ziel, frühzeitig Krankheiten beim ungeborenen Kind festzustellen und damit die Chance auf eine rechtzeitige Therapie zu ermöglichen.

Die Erkennung von Behinderungen ergibt die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs. Auf den ersten Blick scheint es eine große Hilfestellung für werdende Eltern. Mitglieder des Frauenforums Kreis Ahrweiler haben sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Bei der Recherche wurde ihnen erst bewusst, wie vielschichtig und brisant dieses Thema ist. Politische, gesellschaftliche, medizinisch-wissenschaftliche und ethische Aspekte kommen zum Tragen und sind zum Teil eng miteinander verwoben. Aber was hat das Thema mit dem Frauenforum zu tun, hat es auch einen frauenspezifischen Aspekt? Ja, den hat es, einen sehr wichtigen. Es sind die Frauen, die schwanger sind und dadurch eine körperliche und schon sehr früh ganz besonders emotionale Bindung mit dem werdenden Kind haben. Sie entscheiden letztendlich, ob das Kind ausgetragen oder die Schwangerschaft abgebrochen wird. Die Entscheidung betrifft sie psychisch und physisch. Sie tragen letztendlich die Verantwortung und wollen sie sich auch zu Recht nicht nehmen lassen. Aber weil die Verantwortung so schwer ist und, egal wie sie sich entscheiden, sie ein Leben lang begleitet, sollte dieser frauenspezifische Aspekt in der Diskussion berücksichtigt werden, was bislang kaum geschehen ist.

Im Juli 2015 hatte das Frauenforum Kreis Ahrweiler daher zu einer Diskussionsrunde zu diesem Thema eingeladen.

Der Diskussion vorausgehend wurden Zitate aus dem 2012 erschienen autobiographischen Bericht „Mein gläserner Bauch“ von Monika Hey und dem ZEIT ONLINE Bericht „Wer darf leben“ von 2015 vorgetragen, die die Hilflosigkeit, die Ambivalenz und die Verzweiflung der Frauen widerspiegeln. Es wurde deutlich, wie groß der Druck von ärztlicher und gesellschaftlicher Seite sein kann. Wie können Frauen das nötige Selbstbewusstsein entwickeln, diesem Druck standzuhalten und eine Entscheidung zu fällen, mit der sie leben können. Der Gesetzgeber hat seine Hausaufgaben mit dem Schwangerschaftskonfliktgesetz gemacht. Es beinhaltet u.a. die Informationspflicht zu den einzelnen Bausteinen der Pränatalen Diagnostik, die Beratung und das Recht auf „Nicht Wissen“, den bewussten Verzicht auf die Pränatale Diagnostik. Letzteres Recht kann aber nur ausgeübt werden, wenn im Vorfeld - vor der ersten Untersuchung - eine ausreichende Aufklärung stattgefunden hat. Die Bundesagentur für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) hat Broschüren zur Pränataldiagnostik herausgegeben, die jeder Interessierte, Arztpraxen etc. kostenfrei anfordern oder im Internet downloaden können (www. BZGA.de). Neben einer Beschreibung der Module der Pränataldiagnostik findet man dort auch Kontaktdaten zu Beratungsstellen, Verbänden und Selbsthilfegruppen. In der Diskussion wurde auch deutlich, dass der familiäre Rückhalt für die Frauen sehr wichtig ist. Ein Umfeld, das die Entscheidung der Frau nicht manipuliert, sondern mitträgt. Abschließend waren sich alle Diskussionsteilnehmerinnen einig, dass die Pränataldiagnostik noch großer Aufmerksamkeit bedarf. Sie muss viel intensiver als bis diskutiert werden, damit nicht wissenschaftlich-medizinischer Ehrgeiz und wirtschaftliche Ziele auf dem Rücken der Frauen ausgetragen werden. Infos zu weiteren Veranstaltungen des Frauenforum Kreis Ahrweiler unter www.frauenforum-aw.de

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