Veilchendienstagszug lockte die Jecken aus dem gesamten Kreis
Schaulaufen der Narrenschiffe
Triumphzug für die Tollitäten Adriano I. und Fernanda I. bei rheinischer und portugiesischer Stimmung
Sinzig. Der Veilchendienstagszug in Sinzig bleibt Höhepunkt und krönender Abschluss des Straßenkarnevals in der Region. Tausende kostümierte Jecke, Kamelle und Schokolädchen, reichlich große Narrenschiffe, bunte Ideen und beste Stimmung. Für die Sinziger Tollitäten Prinz Adriano I. und Sentiaca Fernanda I. (Ehepaar, da Cunha) ging bei ihrer Triumphfahrt ein großer Lebenstraum in Erfüllung. Und das Wetter passte. Dat Sönnchen schien und lieferte portugiesischen Frühling im Rheinland. In der Stadt sorgten dabei viele portugiesische Gäste aus nah und fern für ganz ausgelassene Feierlichkeiten. Mittlerweile hat sich in ganz Deutschland und auch im fernen Portugal herumgesprochen, das die Sinziger Narrenherrscher portugiesische Wurzeln haben. Und der Zuch in Sinzig lockte noch einmal Tausende, meist kostümierte Jecken. Mit genauen Zahlen oder besser Schätzungen hält man sich vonseiten aller Verantwortlichen zurück. Angesicht des bunten Gewusels in den Sinziger Straßen und Gassen scheint eine Zahl irgendwo zwischen 10.0000 und 20.000 realistisch. Und der große Lindwurm in Sinzig hat einen neuen Chef. Zugleiter Michael Kappl hätte ja eigentlich bereits im Vorjahr die Nachfolge von Wolfgang Kruppa antreten sollen. Aber Michael II. hatte im Vorjahr die einzig akzeptable Ausrede diesen Job zu „schwänzen“. Er regierte als längster Prinz aller Zeiten die Sinziger Jecken. Ansonsten gab es bei den Närrischen Buben, die einen großen närrischen Lindwurm mit insgesamt 50 Zugnummern und weit über 1.000 Teilnehmern auf die Reise schickten, zufriedene Gesichter. Die großen Prunkwagen - längst eines der Kennzeichen des Umzuges in Sinzig - von denen es heftig Süßigkeiten regnete- erforderten viele Sicherungskräfte. Über 100 Helfer von THW, Feuerwehr und DRK und zudem viele Freiwillige waren beim Zuch im Einsatz. Fest verankert sind die Sinziger Vereine. Allen voran der TV 08, der sein Kinderprinzenpaar Julian II. (Sauer) und Anna I. (Insel) auf die Reise schickte. TV-Chefin Waltraut Thormann zeigte sich auf dem Wagen einmal mehr bestens gelaunt. Zum Hintergrund: Der größte Sinziger Verein stellt „Schon immer“ das Kinderprinzenpaar. Und selbst als der Sinziger Straßenkarneval an seinen Tiefpunkt Mitte der sechziger Jahre nur aus einer Horde Pänz, die mit Freiweg und Strohbär durch die Straßen zogen, bestand, lieferte der TV die kleinen Tollitäten.
Narrenschiffe kamen aus allen Richtungen
Die THW-Jugendgruppe präsentierte „Helden im THW“. Groß war das Aufgebot des Sinziger HoT, das mit Wagen und Fußgruppe unter dem Titel „Safe. Future. Youth“ auf die eigene umfangreiche Arbeit mit durchaus europäischen Dimensionen anspielte. Und dabei auch eine kleine Demo für die Fördermittel des HoT lieferte. „Mir han de Faxe dick- me john in de Politik“, hieß es da keck. Richtig groß macht den Sinziger Zuch aber auch die Unterstützung aus den „Vororten“. Mit großem Narrenschiff unterwegs natürlich die KG Westum, die ihren Zuch ja nur alle fünf Jahre an den Start bringt. Zudem wurde ein Mottowagen an den Start gebracht auf dem für Stimmung „Rudi &Tünn“ sorgten. Einen eigenen Zugteil stellen mittlerweile die Bad Bodendorfer Jecken auf die Beine. Die neue KG Rievkooche samt den Showtanzgruppen der blau-weißen Spielleute „Blue Velvet“ und „Blue Stars“ bildeten da farbenprächtig und bester Laune einem Block. Ein wenig Salz in die farbenfrohe närrische Suppe streuten natürlich auch die Einzeljecken und Nachbarschaftsgruppen. Der Einzeljeck schlechthin natürlich Heinz Degen. Der Mann ist mit seiner 64. Zugteilnahme mehr als nur Sinziger Urgestein. Und Degen ließ die Sinziger Jecken doppelt sehen. Denn er hatte diesmal Verstärkung dabei. „Hück dabei wie in jedem Johr, kommen wir diesmal als alternatives Prinzenpaar“ so Degen und seine alternative Sentiaca Elke Hippchen. Ebenfalls seit Jahren dabei die „Strengelander“ aus dem Neubaugebiet zwischen Sinzig und Westum. „Unsere Stadt soll schöner werden“, hatten sie karnevalistisch die Figur des Stadtmauredresse im Harbachkreisel aufs Korn genommen. „Im Gegensatz zur billigen Kopie im Kreisel ist unser Stadtmauredresse drehbar und kann rundum die schönsten Seiten der Stadt zeigen“, hieß es bei den Strengelanern. Und die Närrischen Buben in Sinzig hatten erneut ein glückliches Händchen. Gleich 15 Prunkwagen, teilweise richtig riesige Narrenschiffe bereicherten den Zuch. Und die Musikkapellen und Spielmannzüge begeistern mit nicht nur mit „Dicker-Backen-Musik“. Gleich acht Musikkapellen spielten live. Vom Spielmannszug Bad Neuenahr bis hin zum Freiweg. Für die Sinziger Spielleute gibt es beim Zugkommentar für die Anzahl der Teilnahmen eine eigene Rubrik. Und die heißt „Schon immer“. Auch diese Tradition beim Sinziger Zuch: Die Freiwegler marschieren immer musikalisch vor dem Prinzenwagen her. Für Farbtupfer sorgten erneut viele „Freie Narrengruppen“, die sich im Freundeskreis in der Familie oder einfach in der Nachbarschaft zusammenfinden. Die Nachbarschaft „Knatsch Jeck“ schlumpfte „völlig blau“ durch die mit Jecken bestens gefüllte Innenstadt. „Schlumpfhausen war uns viel zu winzig, drum jon me up der Zuch in Sinzich.“ Ganz bunt und jeck die große Fußgruppe und der Wagen des Maranatha. „40 Johr is dat wohr?“, verwies das Seniorenzentrum auf sein Jubiläum, das im Sommer groß gefeiert wird. Einen großen Kamellenregen gab es nicht nur vom großen Narrenliner der Närrischen Buben, der „Sentiacum“. Als Verstärkung beim Kamellenregen war unter anderem auch Pastor Achim Thieser, dessen Narrenmesse ja noch am Sonntag für Furore gesorgt hatte, dabei. Und auch Wirtschaftsministerin Eveline Lemke brachte als direkt wirkendes Förderprogramm „Schokolädchen“ unters jecke Volk. Bestens bewährt: Durch die umgekehrte Startaufstellung bekommen die Jecken Gruppen und Wagen auch ihren eigenen Zuch in ganzer Pracht mit.
„Portugal olé“
Voller Stolz und Stimmung natürlich die Jungs und Mädchen der portugiesischen Gemeinde, die natürlich mit einer großen und farbenfrohen Truppe dabei waren. „Portugal olé“ hieß da das Motto. Dass die portugiesischen Nationalfarben, auch als Kostüme was her machen, stellten sie eindrucksvoll unter Beweis. Und am Kreisel war getreu den närrischen Paragrafen ordentlich beflaggt. Die schwarz-rot-goldene Stadtfahne, das blaugelbe Banner der Buben und die Flagge Portugals wehten in trauter Eintracht in der Frühlingssonne. Auch Symbol für das diesjährige Karnevals-Motto: „Mir all senn Senzech dat es doch klor, für os Stadt et janze Johr“. Allenthalben waren portugiesische Fähnchen zu sehen und durch den Besuch einer 80 Personen starken Delegation aus der Partnerstadt Hettange-Grande wurde es beim Straßenkarneval in Sinzig richtig europäisch. Nach dem Zuch wurde in Sinzig auf den Straßen und in den Kneipen feste weitergefeiert.
