Allgemeine Berichte | 15.09.2014, 15:03 Uhr

Schweden staunten über den „heiligen Vogt“

Heimat- und Naturschützer aus dem Norden lernten die Stadt Sinzig und ihren Denkmalverein kennen

Die schwedische Delegation lernte viel bei ihrer Entdeckungsreise. Privat
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Sinzig/Bonn. Lange ist es her: Als im 30-jährigen Krieg 1632 das Heer des schwedischen Generals Baudissin in Sinzig und Umgebung Winterquartier nahm, galt ihm der Schreckensruf „Die Schweden kommen!“. Jüngst aber eroberten schwedische Denkmalschützer das Rathaus im Rahmen eines EU-geförderten Projekts aus dem Programm „Lebenslanges Lernen“ und Bürgermeister Wolfgang Kroeger hieß die Delegation des schwedischen Heimat- und Naturschutzbundes Sveriges Hembygdsförbund herzlich willkommen.

Eingeladen vom Bund Heimat und Umwelt mit Sitz in Bonn (BHU), der deutschen Dachorganisation für Bürger- und Heimatverbände, halten sich die Schweden für einige Wochen in Deutschland auf, um die Aufgaben und Arbeitsweise deutscher Kollegen kennenzulernen. In einem größeren Kontext dient der Austausch dazu, Wissen zu sammeln, wie kulturelle Landschaften zu entwickeln und das Bewusstsein für das kulturelle Erbe zu stärken sind. Für den mit touristischen Zielen verbundenen Arbeitsbesuch bot sich Sinzig als ein Anlaufpunkt an, denn die engagierte Arbeit des Sinziger Vereins zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums ist dem BHU bekannt, die Stadt hat Sehenswertes zu bieten und besitzt ein Heimatmuseum mit beachtlichen Kunstschätzen.

Nach einer Einführung des Vereinsvorsitzenden Karl-Friedrich Amendt in die Geschichte der Stadt und der mittelalterlichen Baudenkmäler besuchten die Schweden das Sinziger Wahrzeichen, die Kirche Sankt Peter. Unter der Ausstattung beeindruckten besonders der Passionsaltar des 15. Jahrhunderts mit der wohl ältesten Darstellung Sinzigs und des Ahrtals sowie die jüngere Kreuzigungsgruppe und die farbig gefassten lebensgroßen Figuren der Grablege Christi. Ungläubig staunte man über die Mumie des „heiligen Vogts“, die als Kriegsbeute der Franzosen zeitweilig im Pariser Louvre ausgestellt war.

Sehenswürdigkeiten und Denkmalpflege

Im Sinziger Schloss und Heimatmuseum ging es wiederum um die Historie, um den Vorgängerbau, die ehemalige Wasserburg und die Familie Bunge-Andreae als Bauherr des heutigen Schlosses, deren Verbindung zur Köln-Koblenzer Eisenbahn und zum Maler Carl Christian Andreae. Am Stadtmodell erläuterte Amendt noch einmal die Besuchsziele Rathaus, Kirche, Pfalz (Zehnthof), Schloss und Stadtmauer im Überblick. Auch er nahm im Museum die Gelegenheit wahr, dem Hauptzweck des Schwedenbesuchs nachzukommen, indem er über die Entstehung, Erfahrungen und die aktuelle Arbeit des Denkmalvereins sprach. Es erwies sich als mühsam die Fachbegriffe der Vereinsarbeit zu übersetzen. Dank der Unterstützung von Reidun Amendt, einer Schwedin aus der Verwandtschaft des Vorsitzenden und der Zuhilfenahme von Englisch, gelang es jedoch recht gut den Weg des Vereins zu schildern. Er hatte als Bürgerinitiative zum Erhalt des Zehnthofes begonnen und seither mit Spenden maßgeblich die Restaurierung von Denkmälern wie Wegkreuzen, der Grablege in Sankt Peter und Ausstellungsobjekte des Museums unterstützt. Dass der Verein zudem mehrfach im Jahr Exkursionen zu Kulturzielen in der Umgebung und „Turmgespräche“ zur Geschichte Sinzigs anbietet, außerdem Tagesfahrten zu Museen in Mainz, Trier oder Mannheim unternimmt, überraschte die Gäste. Beim Stadtrundgang entdeckte „Wegkreuze“ sorgten während Mittagessens für weiteren Gesprächsstoff. Nach dem Besuch des Zehnthofes und einem Blick auf die Stadtmauerreste verabschiedeten sich die Schweden mit einem freundlichen „För att träffas igen och tack till borgmästaren” - Auf Wiedersehn und herzlichen Dank an den Bürgermeister!

Die schwedische Delegation lernte viel bei ihrer Entdeckungsreise. Foto: Privat

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