„Schlag die Möhre“:
Sicherheitsbedenken aus dem Möhrenbergwerk
Westum. Auf Hochtouren laufen die Vorbereitungen für den karnevalistischen Wettstreit „Schlag‘ die Möhre“, der am Samstag, 15. Februar, um 14.11 Uhr im Festzelt in der Galters beginnt. Einlass ist ab 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Mittlerweile hat sich auch ein Team aus Bad Bodendorf angemeldet, in Franken wird noch überlegt, ob man teilnimmt. Allerdings sahen sich die Verantwortlichen Jecken im Murreland zu einer Sondermeldung veranlasst.
Denn die Sinziger Ortsvorsteherin Silvia Mühl informierte über ein besorgniserregendes Schreiben, dass sie kürzlich erhalten hat. Absender ist der Bergwerksdirektor der MÖHREN AG & Co. KG, Jack Gemein. Der Chef des Möhrenbergwerks in Westum ist ein weltweit geschätzter Experte und Gemein gilt auch als anerkannter Möhrenhistoriker und sein Wort wiegt schwer.
Für den geneigten Leser nun der „Brandbrief“ im Wortlaut:
„Sehr geehrte Frau Mühl,
wie ich aus einer Pressemitteilung erfahren habe, beteiligen Sie sich maßgeblich an dem barbarischen Wettspiel „Schlag die Möhre“. Gerade von Ihnen als Ortsvorsteherin der Stadt Sinzig hätte ich mehr Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein erwartet. Ihnen und Ihren Mitstreitern scheint nicht bewusst zu sein, dass eine Möhre sehr empfindsam, schreckbar und verletzlich ist.
Darum schlage ich Ihnen folgende Änderung Ihres Konzepts vor:
Anstatt „Schlag die Möhre“ das Spiel „Streichel die Möhre“ zu nennen. Erfahrungsgemäß freut sich eine Möhre, wenn sie gestreichelt wird, wächst, gedeiht und wird stark. Schlägt man sie jedoch, bleibt sie klein, saft- und kraftlos und ist von Druckstellen überhäuft. Die wird dann zu keinem Wachstum mehr bereit sein.
Deshalb meine Bitte an Sie: denken Sie und Ihre Mitstreiter noch einmal darüber nach, ob Sie die Möhre am 15. Februar in Westum wirklich schlagen oder streicheln wollen.
Bei meinem letzten Rundgang im Möhrenbergwerk am Samstag, den 1. Februar 2014 habe ich an den Möhren starke Veränderungen wahrgenommen. Das betrifft vornehmlich die Stollensektionen 4 A Sternstraße, In der Galters. Hier sind vornehmend junge und pubertierende Möhren im Wachstum.
Vermutlich durch Möhrenhörnchen, die über der Erde alles wahrnehmen, ist man unter der Erde informiert und rüstet zum Kampf. Das bereitet mir große Sorgen. Aber um das zu verstehen, müsste Ihnen die Entstehung des Möhrenbergwerks bekannt sein. Da es aber zu lange dauern würde, nenne ich aus der Geschichte nur ein Beispiel:
Schon im Jahre 1111 versuchte die Stadt Sinzig, sich der Möhre zu bemächtigen, mit der Käselegion aus Koisdorf und der Ochsenkavallerie aus Löhndorf als Verbündete. Im Morgengrauen des 11.11.1111 griffen die Barbaren an, um die Möhren zu rauben und zu schänden. Die stolzen Möhrianer (Westumer) wehrten sich tapfer und erfolgreich und standen (so ist es überliefert) die Hände zum Himmel gestreckt, die Möhre in der Hand und feierten ihren Sieg. In den Geschichtsbüchern wurde dies als Erster Möhrenkrieg vermerkt. Es sollten noch zwei weitere folgen, mit katastrophalen Konsequenzen.
Liebe Frau Mühl, soll sich das Ganze in einem spielerischen Moment wiederholen? Aus Spaß kann sehr schnell Ernst werden. Wie bereits erwähnt, mache ich mir besonders große Sorgen um den Stollen 4A. In der Wachstumsphase der jungen, pubertierenden Möhren ist ein Schwingungsgrad von 1-4 MÖHR normal. Doch ich habe bereits 10 und mehr gemessen. Tendenz steigend. Das macht mir Angst.
Sollte sich dieses Schwingungsverhalten auf andere Sektionen übertragen, besteht die Gefahr eines Möhrenbebens. Das letzte bekannte Möhrenbeben ereignete sich am 16. August 1764. Wodurch es ausgelöst wurde, ist bis heute nicht bekannt. Nur wenige Insider wissen, dass auch zwischen September 1968 und Ende März 1969 starke Möhrenschwingungen gemessen wurden. Das war während der heißen Phase der Zwangseingemeindung des Ortes Westum nach Sinzig.
Ich bitte Sie, Frau Mühl, zu überdenken, ob Sie und Ihre Mitstreiter und alle anderen Teams - um einem Inferno zu entgehen - die Möhre lieber streicheln als schlagen. Sollten Sie alle zu keiner Einsicht kommen, sehe ich mich gezwungen, beim Amtsgericht Sinzig eine einstweilige Verfügung einzureichen, um dieses unmögliche, grausame Event zu stoppen.
Mit freundlichen Grüßen
Jack Gemein, Bergwerksdirektor der MÖHREN AG & Co. KG“
Für den karnevalistischen Wettstreit am Samstag könnten sich also ganz neue Spannungsmomente entwickeln.
