Turmgespräch: Wie ein als Künstler und Pädagoge beliebter Sinziger mit Pinsel und Palette Ahr- und Eifellandschaft einfing
„Welturaufführung“: Malerische Erinnerung an Franz Steinborn
Nächstes Turmgespräch am 19. Februar
Sinzig. Zu seinem ersten diesjährigen Turmgespräch im Schloss konnte der Verein zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums zahlreiche Gäste willkommen heißen.
Ein Füllhorn von Bildern
Ein komplett gefüllter Kultursaal machte deutlich, dass der beliebte Lehrer und Maler Franz Steinborn in Sinzig auch mehr als 50 Jahre nach seinem Tod 1961 unvergessen ist. Mit einem Füllhorn von Bildern beglückte der in Leverkusen lebende Sohn Werner Steinborn, dem das Museum eine großzügige Schenkung von Zeichnungen und Informationsmaterialien verdankt, die Gäste. Da er die Arbeiten des im Jahr 1900 in Bad Neuenahr geborenen Vaters seinerzeit akribisch fotografiert und Presseartikel archiviert hatte, konnte er im Schloss aus dem Vollen schöpfen. Werner Steinborn hatte den Vortrag ausgearbeitet und sein Sohn Michael aus Köln assistierte als Kommentator der „Welturaufführung“.
Domäne Aquarell
Schon der 15-jährige Franz Steinborn stellte im Bad Neuenahrer Möbelgeschäft seines Vaters ein Ölgemälde, die Kopie einer Waldlandschaft, aus. Auch fertigte er früh Portraits in Bleistift, Pastell und Tusche sowie Scherenschnitte. Aber zur eigentlichen Domäne des herangereiften autodidaktischen Malers, der auch hervorragend zu zeichnen verstand, wurde das Aquarell. Motive boten neben Sinzig und den Nachbarorten die abwechslungsreiche Ahr- und Eifellandschaft, wie eine wahre Bilderflut illustrierte. Immer wieder variierte Ansichten des Flusses, oft mit der Landskrone im Hintergrund, verzauberten das Malerherz zu allen Jahreszeiten. Der Funke springt auf den Betrachter über, denn Steinborn blieb nicht am Äußeren haften. Sein Verständnis vom Wachsen und Werden der teils lieblichen, teils herben Landschaft floss mit ein, wenn er die einfachen Fachwerkhäuser, die Gehöfte und Kirchlein festhielt, Nebel, der über die Hochebene kriecht, Ginstergold, die Maare, eine Waldlichtung in diffusen Tönen, erstes Gelb-Grün der Wiesen, einen einsamen Bildstock oder die Nürburg in wechselnder Wetterlage.
Stadt, Land, Fluss
Mit Pinsel, Palette – „und seinem Moped“, so erinnerte sich Tochter Irene Steinborn im Publikum – eroberte der ungemein produktive Maler das gesamte Ahrtal. Werner Steinborn ließ aus diesem mehr als 100 Bildern umfassenden Gemäldezyklus einige der Orte Revue passieren, etwa eine lauschige Blankenheimer Ecke, Treppen und Sonnenblumen in Reimerzhoven, Walporzheim im Schnee. Pflanzen fing der Kreative ebenso gerne ein, ließ auf dem Papier Fingerhut, Rittersporn, Zinnien, Tulpen und Gladiolen noch einmal erblühen. Sein Respekt vor der Natur schloss auch das Kleine, oft Übersehene nicht aus, wie Skizzenblätter, übersät von Käfern und weiteren Insekten, zeigen. Als Maler befand er sich wie ein Jäger auf der Pirsch. „Der Notizblock war bei Spaziergängen fast immer dabei, um Motive und Gelegenheiten zur späteren Verwendung zu nutzen“, hieß es im Vortrag. Vielseitig engagiert, war er Mitglied der Are-Gilde und zweiter Dirigent im MGV Cäcilia. Er entwarf Wagen für den Karneval, für die Dahlienzüge in Bad Neuenahr und schuf auch das Stadtmodell von Sinzig um 1650 im Museum. Werner Steinborn präsentierte den Gästen im Schloss auch reizvolle Gemeinschaftsarbeiten, die in Schulen unter der pädagogischer Regie seines Vaters entstanden waren. Zu Recht kritisierte er: „dass der Maler Franz Steinborn in dem 1999 erschienenen Buch ‚Landschaftsmaler der Eifel im 20. Jahrhundert‘ von Konrad Peter Joist nicht bedacht wurde. Dabei dürfte es wohl kaum einen Maler gegeben haben, der die Ahr- und Eifelgebiete in dieser Intensität und Vielfalt gesehen und gemalt hat.“ Wo immer er sich bewegte, so auch beim Urlaub im Allgäu und in den Alpen, hielt er in Skizzen und Aquarellen fest, was ihm bemerkenswert erschien. Das waren Impressionen der Gegend um Oberstdorf, Bergseen, den Tegernsee, Südtirol und Bodensee. Zauberhaft gelang ihm eine bizarre weiße Berg-Schneewelt, in deren Mitte sich auf einem einzigen freigeschmolzenen braunen Fleck ein paar Gämsen versammelt haben.
Ernste Töne
„Als trauriges Kapitel für ihn und seine Familie“, bezeichnete Werner Steinborn die 18-monatige Lagerzeit des Vaters von 1945 bis 1947 und erklärte: „Neid und Missgunst waren die Basis für seine Inhaftierung.“ Danach nahm er seinen Dienst an der Sinziger Volksschule wieder auf und machte seine Kreativität vielseitig nutzbar. Als er starb, stand noch ein unvollendetes Ölgemälde vom Sinziger Markt auf der Staffelei. 1991 würdigte eine Gedächtnisausstellung den Maler in Sinzig. Wegen der Internierung lehnte es der Stadtrat später ab, eine Straße nach ihm zu benennen, ein Unrecht, so Werner Steinborn, da der Vater damals vom Bürgermeister genötigt wurde in die NSDAP einzutreten. Zuletzt mischten sich also sehr ernste Töne in das durchweg malerisch gefärbte Turmgespräch. Das Publikum spendete großen Beifall und der Vorsitzende Karl-Friedrich Amendt dankte Werner und Michael Steinborn für die anregende Darstellung. Beim nächsten Turmgespräch am 19. Februar, 19 Uhr, spricht Amendt in seinen Vortag über „Rheinische Wegkreuze - Teil 2“ über Ausführungen, Material, Symbole.
Karl-Friedrich Amendt dankte Werner Steinborn (l.) und Michael Steinborn (r.) für den anregenden Bildervortrag mit einem Weinpräsent.
