Bolivianer besuchten Haus der offenen Tür Sinzig im Dekanat Remagen-Brohltal
„Zeig mir deine Welt“
Sinzig. Neugierig schauen sich Pater Alfredo Tellez und Omar Vargas in den Räumen des Hauses der offenen Tür (HoT) Sinzig um: Wie sieht in Deutschland ein Jugendtreff aus? Wie ist die Arbeit organisiert? Welche Ideen können sie mit in ihr Heimatland nehmen? Anfang Oktober haben die beiden Bolivianer beim gemeinsamen Essen mit Kindern, Jugendlichen und Mitarbeiterinnen das HoT kennengelernt. Die beiden Bolivianer waren im Rahmen der Bolivien-Partnerschaftswoche im Bistum Trier unterwegs.
Unter dem Motto „Zeig mir deine Welt“ richtet die Bolivien-Partnerschaftswoche in diesem Jahr den Blick besonders auf Kinder und Jugendliche, erklärt Pastoralreferent Christoph Hof, der die beiden begleitet. Nach den Einführungstagen in Trier und der Begegnung mit Bischof Stephan Ackermann können die Gäste während der „Erfahrungswoche“ im Dekanat Remagen-Brohltal das Gemeindeleben hautnah kennenlernen: Sie wohnen bei Familien und besuchen verschiedene Einrichtungen wie etwa die Realschule plus in Remagen, die Realschule Calvarienberg oder den Kindergarten St. Viktor in Oberbreisig.
Wie auch die 24 anderen bolivianischen Gäste gehören Tellez (46) und Vargas (35) zu den Projektpartnern der Bolivien-Partnerschaft vor Ort. So ist Tellez als Diözesanpriester in seinem Erzbistum Sucre für die Partnerschaft mit Trier verantwortlich. Er ist Pfarrer von Sopachuy, einer Pfarrei auf dem Land, 200 Kilometer von der großen Stadt Sucre entfernt. „Wir haben beispielsweise einen Mittagstisch für rund 100 Kinder aus armen Familien“, berichtet er, daneben trage das Bistum mehrere Internate.
Auf dem Land sei es häufig nicht üblich, dass die Eltern ihre Kinder zur Schule geschweige denn in einen Kindergarten schickten. „Dabei ist Bildung das Wichtigste, damit diese Kinder eine gute Zukunft haben und lernen, verantwortlich mit ihrer Umwelt umzugehen“, sagt Tellez. In Deutschland sei ihm positiv aufgefallen, wie schon die kleinsten Kinder im Kindergarten ein Bewusstsein dafür hätten, keinen Müll auf den Boden zu werfen. „In Bolivien ist das normal, weil die Menschen es nicht besser wissen und mit ihren Ressourcen schlecht umgehen.“ Auch Vargas, Caritas-Geschäftsführer in Cobija-Pando nahe der brasilianischen Grenze, möchte den Kindern und Jugendlichen durch seine Projekte „Respekt vor der Natur und allen Kreaturen“ beibringen. In der Region nahe des Amazonas sei es neben Malariaprogrammen und einer frühen Sexualaufklärung sein Anliegen, Kinder und Jugendliche zu umweltbewusstem Handeln zu animieren. Im HoT Sinzig erfahren die beiden von Leiterin Petra Klein, dass sich Stadt und Kirchengemeinde gemeinsam am Kinder- und Jugendtreff beteiligen, dass eine Freiwillige ihren BFD hier absolviert, dass das HoT etwa auch bei der Gruppenleiter-Schulung mit Schulen kooperiert und welche Projekte es sonst noch gibt. Die Bolivien-Partnerschaft bedeute nicht nur konkrete ökonomische Hilfe für die Projekte vor Ort, sondern „vor allem die Solidarität miteinander, das aneinander Denken und das miteinander Beten“, betont Tellez. Vor seinem ersten Besuch habe er geglaubt, die Deutschen seien eher kühl und wenig offen. „Aber das stimmt überhaupt nicht. Ich bin zum zweiten Mal hier, und wir sind hier herzlich aufgenommen worden, haben Freundschaften geschlossen.“
