Beobachtungen bei der Kirmes
Zwischen schwarzem, rotem und heiligem Bier
Sinzig. „Der Sinziger als solcher“ bummelt natürlich gerne durch das große Volksfest. Dabei sind die Bierstände der Parteien und der Kirche fixe Anlaufpunkte. Bekannte und Freunde treffen, zwischen schwarzem, rotem und heiligem Bier eben. Beim roten Bier geht der Erlös an die Stadtranderholung der Arbeiter-Wohlfahrt. Für den Montagabend haben sich bei den Genossen dort als prominente „Erfrischungsgehilfen“ hinter dem Tresen SPD-Generalsekretärin Andreas Nahles und Franz-Walter Steinmeier angesagt. Auch die CDU, deren Bierstanderlös für die Jugendarbeit des Spielmannszuges Freiweg gespendet wird, erhält am Montag Verstärkung. MdB Mechthild Heil, MdL Guido Ernst und Bürgermeister Wolfgang Kroeger sind dort im Einsatz.
Das heilige Bier
Beim heiligen Bier, also beim Bierstand der Kirche, wird der Erlös in diesem Jahr für die Beschaffung von Schulbüchern in Lima und für neue Gesangbücher im Gotteshaus selbst verwendet.
Vom Tresen des heiligen Biers aus hatte man je nach Standort auch Blick auf eine Kunstausstellung mit Sinziger Bezug. Denn in den Räumen vom ehemaligen Marxe Leni hatte Foto-Flück eine Ausstellung mit Werken des Sinziger Malers Franz-Peter Zimmermann aufgebaut. Mit Sinziger Motiven versteht sich. Da lohnt ein Blick in die Schaufenster des Anwesens, das Aktiv-Chef Andreas Schwerter gekauft und komplett saniert hat.
Leute treffen und klaffen - und dabei mit ruhigem sozialen Gewissen ein Bierchen genießen - ist das „Geheimnis der Bierstände. Da wird berichtet, dass die Freundin zur Kirmes mit angeschlossenem Klassentreffen just extra aus Barcelona angereist ist. Und eine solche „Weither-Geschichte“ wissen viel zu erzählen. Denn die Kirmes ist der Termin, an dem die Sinziger, die es in die weite Welt verschlagen hat, zu Besuch in ihrer Heimatstadt weilen.
Wandel beim großen Volksfest
Die Bierstände von Parteien und Kirche spiegeln übrigens auch recht gut den Wandel und die Veränderungen bei einem der größten Volksfeste der Region wieder. Denn hinter der Pionieridee der Jungen Union stand schlicht und ergreifend die Vorstellung, sein Bierchen in den noch lauen Augusttagen und Nächten einfach im Freien zu trinken. Denn in der noch nicht sanierten Sinziger Innenstadt war Außengastronomie noch eher ein Fremdwort. Der Betrieb eines Bierstandes war für die seinerzeitigen Gastronomen mit ihren brechend vollen Gasstätten während der Kirmestage ebenso wie für die Schausteller eine exotische Idee. Doch die Junge Union hatte Erfolg. Und von Anfang an einen Maßstab gesetzt. Und der hieß „Trinken für den guten Zweck“. Die Jusos und die Kirche zogen in den Folgejahren nach. Am Samstag erinnerte sich der seinerzeitige Juso-Chef Dr. Jürgen Fleischmann an die Premiere. „Wir haben mal Bier bestellt und abgewartet, was auf uns zukommt“, verwies er auf einige an Improvisation. Und schon hatte das große Sinziger Volksfest mit seinem schwarzem, roten und heiligen Bier seine ganz besondere Eigenheit. Die Bierstände wurden zu Kommunikationszentren mit Massenandrang.
Entwicklungen in der Innenstadt
Aber auch diese Einrichtung unterlag wiederum dem Wandel. Denn wer heute den Betrieb bei der Sinziger Kirmes nur am Andrang an den Bierständen misst, verkennt einige Entwicklungen in der Innenstadt. Denn mit der Stadtsanierung gewann Sinzig nicht nur an Profil, sondern bekam auch eine deutlich gestärkte Außengastronomie samt Biergärten. Gerade an den Kirmestagen stockten die Gastronomen ihr Platzangebot deutlich auf. Und vielen Besuchern ist es halt einfach lieber, die „kühlen Blonden“ gemütlich am Tisch zu trinken, als am Bierstand zu stehen und etwas zu drängeln. In den vergangenen Jahren hat man bei den Bierständen ebenfalls aufgerüstet und auch dort gibt es jetzt Biertische und Bänke.
SPD-Generalsekretärin Andreas Nahles, Franz-Walter Steinmeier und Ingo Terschanski gönnten sich eine kühle Erfrischung.
