Sportclub Villip verabschiedet sich vom Tennenplatz
„Adieu Asche“ nach 42 Jahren Schlammlandschaft und Staubwüste
Ein neuer Kunstrasenplatz soll in drei Monaten fertiggestellt sein – Förderkreis soll bei der Finanzierung helfen
Villiprott. „Adieu Asche“, hieß es am letzten Samstag beim SC Villip, denn der Verein nahm Abschied von seinem Tennenplatz. Am vergangenen Montag rückten die Bagger an, um mit dem Bau des Kunstrasenplatzes zu beginnen. „Damit sind 42 Jahre Fußball auf Asche Geschichte“, freute sich nicht nur der Vorsitzende Werner Fassbender, sondern insbesondere die Aktiven in den drei Jugendmannschaften, bei der ersten Mannschaft und bei den Altherren. Mehrere Generationen von Fußballern haben die Zeit auf diesem hassgeliebten Spieluntergrund erlebt und verbinden damit viele schöne und weniger schöne Erinnerungen. Nach Regen glich der Platz einer Schlammlandschaft, im Sommer bei Trockenheit einer staubigen Wüste, auf der sich die Spieler unzählige Schürfwunden einfingen.
Wie nach einer Schicht im Bergwerk
Dass es nicht immer ein Vergnügen war, auf diesem harten Geläuf zu kicken, wurde beim stimmungsvollen Fußballfest auf den Sportplatz an Beckers Kreuz einmal mehr deutlich. Beim Schautraining der Jugendmannschaften waren die Bambini-Kicker manchmal in meterhohen Staubwolken kaum zu sehen, und die Spieler der ersten Mannschaft, die ein Freundschaftsspiel gegen den SC Ließem durch ein Tor von Markus Herchel in der 36. Minuten mit 1:0 gewannen, waren Staub bedeckt wie nach einer Achtstundenschicht im Kohlebergwerk. Die Altherren ließen es bei ihrem Freundschaftskick gegen den SV Wachtberg angesichts der tropischen Hitze etwas gemächlicher angehen. Ihnen jubelten unter anderem auch Bürgermeisterin Renate Offergeld und einige Mitglieder des Wachtberg Infrastrukturausschusses zu, der den Beschluss zur Umwandlung in einen Kunstrasenplatz im Mai getroffen hatte.
„Wenn alles gut geht, können wir spätestens im November auf dem neuen Kunstrasenplatz spielen“, freut sich Fassbender. Die Mitglieder des Sportclubs haben bereits einige Vorarbeiten ehrenamtlich geleistet, unter anderem die Platzumrandung und die Barrieren entfernt und die Vorbereitungen getroffen, damit die Pflasterarbeiten rund um den Platz sofort beginnen können, wenn der Kunstrasen verlegt ist. Man rechnet mit drei Monaten Bauzeit, in denen die Mannschaften des SC Villip ihre Trainingseinheiten auf dem Platz in Fritzdorf absolvieren wollen. Die anstehenden Ligaspiele sollen so gelegt werden, dass zunächst nur die Auswärtsspiele ausgetragen werden und danach erst die Heimspiele folgen. Darüber hinaus sei man in Gesprächen mit dem SC Ließem, der in Erwägung zieht, seine Heimspiele künftig ebenfalls auf dem Kunstrasenplatz in Villip zu bestreiten. Doch da sei noch keine Entscheidung gefallen, betont Fassbender.
Mit Leichtathletik-Laufbahn und Bolzplatz
Für den Kunstrasenplatz könne der vorhandene Unterbau des Tennenplatzes genutzt werden, nur die Deckschicht müsse erneuert werden. Das helfe stark dabei, die Kosten zu verringern. Der neue Kunstrasenplatz soll eine Spielfläche von 90 mal 60 Metern aufweisen und komplett eingezäunt werden. An der Westseite soll darüber hinaus eine 100 Meter lange Leichtathletik-Laufbahn mit daran anschließender Sprunggrube errichtet werden. An der Nordseite in Richtung Villiprott soll zudem außerhalb des Zaunes ein öffentlicher Bolzplatz von 43 mal 29 Metern entstehen.
Die Gesamtkosten der Anlage belaufen sich auf etwa 450.000 Euro. Der Verein hat sich dazu verpflichtet, eine jährliche Platzmiete von 8000 Euro an die Gemeinde zu zahlen und sich darüber hinaus um die Pflege von Platz und Gelände zu kümmern. Weil die Finanzierung für den Verein allerdings eine Herausforderung sei, ist man derzeit unter dem Motto „Ein Dorf gibt G(r)as“ dabei, einen Förderkreis zu etablieren. „Mit 50 Förderern, die monatlich 19,24 Euro spenden, sind wir am Ziel“, so Fassbender. Die 19,24 Euro sind natürlich mit Bedacht gewählt, ist das Gründungsjahr des SC Villip doch 1924. Damit könne man einer weiteren Generation eine fußballerische Heimat am Beckers Kreuz sichern und die Vereinsstruktur in Villip, Villiprott und Ließem ebenso wie das Miteinander beleben und stärken.
JOST
Das allerletzte Spiel auf dem Tenneplatz des SC Villip bestritten die Altherren der Gastgeber gegen die Altherren des SV Wachtberg.Fotos: JOST Foto: Photographer: Volker Jost Auf de
Da staubt es! Wenn die Mannschaften auf dem Tennenplatz an Beckers Kreuz auflaufen, ist es eine staubige Angelegenheit. Foto: Photographer: Volker Jost Auf de
