Megamarsch von Köln nach Nettersheim
Auf den Spuren der Eifeler Römer
Faszinierende Baukunst und Landschaft
Rheinbach. Vor Kurzem fiel für 1700 Frauen und Männer am Parkplatz Heider Bergsee in Brühl der Startschuss zum „Megamarsch 2018“ von Köln nach Nettersheim. Auf den Spuren der römischen Legionäre ging es durch die dunkle Nacht über den Römerkanal-Wanderweg 100 Kilometer in 24 Stunden per pedes in die Eifel. Die Strecke führt durch das Vorgebirge nach Buschhoven und weiter über Rheinbach, Kreuzweingarten, Maria Rast, Mechernich, Kall, Urft zum Ziel, dem Naturschutzzentrum in Nettersheim. Vier Verpflegungs-, Sanitäts- und Pausenstationen teilten die Route in Abschnitte von jeweils rund 20 Kilometern ein, wobei man jederzeit, je nach Kondition, auch schon nach 40, 60 oder 80 Kilometern aussteigen konnte und eine Urkunde erhielt. In den Beneluxländern finden diese Megamärsche schon seit vielen Jahren statt. Hier sind sie hingegen jedoch noch recht unbekannt. So kam es auch, dass in diesem Jahr unter den Teilnehmern wieder viele Wanderer aus den Niederlanden und Belgien dabei waren. Auch einige Franzosen und Dänen waren mit unterwegs, während die meisten Sportler aus dem Rheinland und dem gesamten Bundesgebiet angereist waren. Zum dritten Mal von Anfang an dabei war auch Reinhard Schweinheim aus Oberdrees, der als 82. den ausgerollten roten Teppich in Nettersheim erreichte, und sich damit in diesem Jahr die Goldmedaille sicherte.
Historisches
Die Trasse dieses einzigartigen Technikdenkmals der Antike, das von den römischen Ingenieuren im Jahr 80/90 n. Chr. errichtet wurde, ist mit 260 Schildern und unzähligen Römerkanal Logos an Bäumen, Zaunpfählen, Mauern und Schildern ausgezeichnet. Jedoch ist die Orientierung in der Nacht nicht immer leicht, und man läuft Gefahr, in den dunklen Wäldern den falschen Abzweig zu erwischen, wodurch sich so ein Marsch dann noch um einige Kilometer verlängern kann. An insgesamt 53 Infotafeln gibt es wissenswerte Erläuterungen über die Wasserversorgung der einstigen Provinzhauptstadt Niedergermanien Colonia Claudia Ara Aprippinensium. Täglich flossen 20 Millionen Liter frisches Eifelquellwasser ohne jegliche Pumpen, nur mit natürlichem Gefälle durch den 95,4 Kilometer langen Steinkanal vom Grünen Pütz bei Nettersheim nach Köln. Pro Kopf und Tag standen jedem Kölner Römer etwa 1200 Liter Wasser zu Verfügung. Im Vergleich zu heute ist das eine unfassbare Menge. Der heutige pro Kopfverbrauch liegt bei rund 150 Liter am Tag. Der Wanderweg wurde bereits im Sommer 1988 eröffnet und nach seiner Neutrassierung und Ausschilderung .2012 neu eingeweiht. Der eigentliche Verlauf des Wanderweges ist jedoch in umgekehrter Richtung als beim „Megamarsch“. Startpunkt ist in Nettersheim. In sieben Etappen kann man die insgesamt 115 Kilometer durch die Eifel und Ville bis nach Köln erwandern, sowie die Schönheit der Landschaft genießen. Der Urvater des Römerkanal-Wanderwegs und Autor zahlreicher Bücher, der Archäologe Prof. Dr. Klaus Grewe, hält im Laufe des Jahres immer wieder interessante Vorträge über diese Meisterleistung antiker Ingenieurskunst. Diese traumhaftschöne Wanderstrecke ist besonders geschichts- und kulturhistorisch interessierten Wanderern zu empfehlen.
Informationen
Wer mehr über dieses Thema wissen möchte, kann sich informieren unter www.freundeskreis-roemerkanal.de und ab Herbst nächsten Jahres steht das in Rheinbach in Bau befindliche Römerkanal Informationszentrum der Öffentlichkeit zur Verfügung.
Die Aquäduktbrücke bei Mechernich-Vussem.
