Tischtennis zwischen Corona und Flutkatastrophe
Der schwierigste Start in eine Tischtennissaison den es je gab
Die Zelluloidartisten stehen zwischen Corona-Pandemie und Flutkatastrophe
Kreis Ahrweiler. Steigende Fallzahlen in der Corona-Pandemie und die verheerende Flutkatastrophe an der Ahr: Gefangen zwischen diesen beiden Extremen traf sich der Vorstand der Tischtennisregion Ahrweiler/Mayen-Cochem/Zell jüngst in Kottenheim. um die Vorbereitungen für die neue Tischtennissaison zu treffen und die Ausnahmesituationen organisatorisch in den Griff zu bekommen. Viele aus dem Vorstand waren selbst von der Flut betroffen: Regions-Vorsitzender Ingo Terschanski ist in Sinzig abgesoffen Sportwart Wolfgang „Wopo“ Poppelreuter ist in Ahrweiler gleich mehrfach Flutopfer und zumindest hat man mit Erwin Kunkel (Ahrweiler) einen bekannten und beliebten Sportkameraden an die Flutkatastrophe an der Ahr verloren. In einem Rundschreiben per Mail faste Terschanski die Situation wie folgt zusammen: „Darüber hinaus hat die Flutkatastrophe ungeheuerliches Leid über die Bewohnerinnen und Bewohner des Ahrkreises gebracht. Sicherlich sich auch Tischtennisfreunde unserer Vereine hiervon betroffen. Ihnen und ihren Angehörigen gilt an dieser Stelle unser herzliches Mitgefühl. Die Infrastruktur ist massiv zerstört und wird sehr lange dauern, bis man wieder zum normalen Alltag zurückkehren kann.“
Ein wenig kam den Tischtennisspielern allerdings zugute, dass die Saisonvorbereitung ja seit vielen Jahren vor allen Dingen per Computer läuft und viele Arbeiten bereits erledigt waren, als die Flut kam. Die Terminpläne stehen also bereits die Klassen sind eingeteilt und im Prinzip kann es losgehen.
An Spielleiter Andreas Überbach war es dann einen kleinen Überblick darüber zu geben, welche Vereine direkt vom Starkregen und der Flut betroffen waren. Die Oberahrtaler Sportfreunde haben einen immensen Schaden an ihrer Stammhalle, nicht durch das Hochwasser, sondern den vorangegangenen Starkregen. Bei der TTG Kalenborn/Altenahr ist die Heimatsporthalle am Schulzentrum in Altenburg zerstört. Fast die gesamte Vereinsausstattung ist weg. Abteilungsleiter Manfred Latz spricht da von einem Schaden von über 20.000 Euro. Dennoch wollen die Kombinierten die Saison in der kleinen Ausweichalle in Kalenborn über die Bühne bringen. Den Tischtennissport des TTC Dernau hat es komplett samt Halle, Ausrüstung und Vereinsinfrastruktur erwischt. Der Verein hat alle Mannschaften aus dem Spielgeschehen zurückgezogen. So richtig hart getroffen hat es auch die SG TuS/PSV Bad Neuenahr-Ahrweiler. Sportwart Wopo Poppelreuter berichtete, dass im Kerngebiet der Kreisstadt wohl alle elf Sporthallen stark geschädigt sind und teilweise auch abgerissen werden müssen. Und Poppelreuter hat auch eine fast schon kaffkaeske Geschichte zum Besten zu geben. Recht schnell nach dem Rückgang des Wassers war in der Stammhalle seiner Tischtennisspieler und erlebte Erstaunliches. „Unser Geräteraum sah aus wie sauber geputzt nur leider gab es keine Geräte mehr, keine Tische, keine Netze keine Banden, keine Materialschränke einfach nichts mehr. Ich weiß beim besten Willen nicht, wohin die Ahr das ganze Zeug verteilt hat. Auch die SG TuS/PSV hat alle Mannschaften aus dem Spielbetrieb zurückgezogen. Wird aber wohl zwei Jugendteams melden. „Damit die Kids sehen, dass es tatsächlich in der näheren Umgebung noch Gebiete und Hallen gibt, die nicht zerstört sind“, beschreibt Wopo ein Stück Traumatherapie für den Nachwuchs. Poppelreuter ist aber nicht nur Sportwart in der Tischtennisregion, sondern auch Schatzmeister beim großen TuS Ahrweiler. Und als Finanzminister des Traditionsvereins aus der Kreisstadt nannte er erschreckende Zahlen. Beim TuS wurden wohl Materialwerte in Höhe von fast 250.000 Euro vernichtet. Die Hobbyspieler des TV 08 Heppingen sind allesamt sehr stark persönlich getroffen und haben ihr Teams ebenfalls aus dem Spielbetrieb zurückgezogen.
Glück im Unglück hatte der größte Verein der Region. Zwar hat die SG Sinzig/Ehlingen die große Rudi-Altig-Halle in Sinzig samt 18 Tischen und viel Material verloren. Aber die traditionsreiche Sinziger Jahnhalle und auch die Sporthalle im Vehnerweg in Ehlingen sind intakt und mit Material bestückt. Der Verein wird die Saison also fast wie geplant angehen können.
Andreas Ueberbach verhandelt zur Zeit mit dem Verband mit zwei Zielsetzungen. Erstens, dass den Vereinen die aufgrund der Flut ihre Mannschaften zurückgezogen haben keine sportlichen Strafen und Restriktionen drohen und zweitens, dass Vereine die einen Notspielbetrieb versuchen auch die Freiheit haben die Vorrunde nicht penibel einhalten zu müssen und auch noch Spieler im neuen Jahr nachholen können. Bei beiden Dingen ist Überbach optimistisch, dass der Verband die entsprechenden Entscheidungen treffen wird.
Einstimmig kann man über aber über ein die Regionsmeisterschaften in diesem Jahr nun doch nicht durchzuführen. Die sollten eigentlich Anfang November von der TTG Kalenborn/Altenahr in der Altenburger Sporthalle durchgeführt werden. Dies ist einfach nicht mehr möglich. Ein anderer Ausrichter ließ sich trotz intensiver Bemühungen bisher nicht finden. Überhaupt steht die Region für die Ausrichtung ihrer Großveranstaltungen vor einem Scherbenhaufen. Denn die Sporthalle in Altenburg, die große Sporthalle der berufsbildenden Schulen in Ahrweiler und eben die Rudi-Altig-Halle in Sinzig waren in den vergangenen Jahren mit den dort beheimateten Vereinen TTG Kalenborn/ Altenahr SG TuS/PSV Bad Neuenahr-Ahrweiler und SG Sinzig/Ehlingen das Rückgrat für Veranstaltungen aller Art. Händeringend gesucht wird allerdings noch ein Ausrichter für die Ranglisten des Nachwuchses, die im Mai eigentlich in Sinzig in der Rudi-Altig-Halle stattfinden sollten. „Wir setzen da auf die Solidarität der anderen Vereine“, fasste Ingo Terschanski zusammen.
In der Region wird man einiges improvisieren müssen und vor allen Dingen Andreas Ueberbach wird in den nächsten Tagen und Wochen zahlreiche Info-Mails versenden, um die Details genau abzuklären. In Sachen Corona hatte er einige Grundinfos dabei. So wird in der neuen Saison wieder Doppel gespielt und man kehrt wohl zu den alten Spielsystemen zurück. Für die Spiele und Zuschauer gelten aber die 3G Regeln. In Sachen Pandemie gab es im Vorstand eine gewisse Skepsis, denn in den vergangenen beiden Jahren hat man ja erlebt, dass die Spielzeiten eben nicht zu Ende geführt werden konnten. Trotz aller Widrigkeiten und Unwägbarkeiten will man in der Tischtennisregion aber die neue Saison angehen. Innerhalb der Tischtennisszene hilft man sich übrigens zur Zeit so gut, wie es geht. Die Flutopfer werden unterstützt teils mit Material, teils mit Trainingszeiten teils mit Hilfestellungen aller Art. Wann man zwischen Corona und Flutkatastrophe und deren Folgen wirklich zu einem ganz normalen Spielbetrieb zurückkehren kann, steht allerdings für die Verantwortlichen noch tief in den Sternen. BL
