SV Rot Weiß Queckenberg
Ein Märchen ohne Happy End
Nach der 1:4-Auswärtspleite bei TuS Dransdorf ist RWQ nicht mehr zu retten
Bonn. „Lebbe geht weider“ - der kauzige Trainerfuchs Dragoslav Stepanovic hatte schon Ahnung. Mit diesen drei Worten verbinden Fußballfans wohl für immer seinen Namen. Nachdem seine Frankfurter Eintracht im Mai 1992 buchstäblich in letzter Minute ihre zweite deutsche Fußballmeisterschaft in Rostock noch verspielte, blickte der schnauzbärtige Serbe auf der anschließenden Pressekonferenz schon wieder optimistisch in die Zukunft. Obwohl der RWQ keine Meisterschaft verspielt hatte und schon gar nicht die deutsche, passt „Stepis“ Lebensweisheit in diesen Tagen auch zu dem Kultverein aus der Voreifel.
Die Niederlage des Mitabstiegskonkurrenten Germania Hersel II nutzte den Rot-Weißen am vorletzten Spieltag nichts mehr, da das Team selbst seine Auswärtsaufgabe bei TuS Dransdorf mit 1:4 gehörig gegen den Baum gefahren hatte. Somit beträgt der Rückstand auf den rettenden Platz weiterhin vier Punkte. Trotz der frühen Führung durch Mundorf (15.) konnten die Mannen sich nur mühsam von dem Druck, unbedingt gewinnen zu müssen, befreien. So herrschte vielmehr Abstiegskrampf pur an der Mörikestraße in Bonn. Und das Abstiegsgespenst schien zudem einen bösen Fluch über die Queckies ausgesprochen zu haben, der Körper und Geist der Gäste in einen wahren Dämmerzustand versetzte. Erst der Ausgleich (20.) hauchte der Kurek-Truppe wieder Leben ein.
Endlich wurde der Ball in den eigenen Reihen gehalten, fand auch eine gewisse Art von Spielaufbau statt. Zwar hatte der geneigte Fan immer das Gefühl, da schleppt sich eine schwerfällige Dampfwalze über den Tennenplatz. Allerdings nahm sie dann tatsächlich Fahrt auf gen TuS-Kasten, wenn auch meist sehr beschaulich und merklich stotternd. Obwohl RWQ sich dabei sogar ein leichtes Chancenplus herausspielte, ließen die Akteure im letzten, entscheidenden Moment den absoluten Torhunger vermissen. So durfte sich niemand über das 1:1 zur Halbzeit beschweren.
Kurzes Aufbäumen nach der Halbzeitpause
Kureks ermutigender Appell in der Pause schien zunächst zu fruchten. Denn der Wiederanpfiff hallte einem jeden noch in den Ohren, da tauchte urplötzlich Geimer wie der Phönix aus der Dransdorfer Asche vor dem gegnerischen Gehäuse auf. Doch das Leder klatschte zum Entsetzen der RWQ-Fanfamilie nur an den Außenpfosten. Damit begnügten sich die Gäste und stellten recht früh den Spielbetrieb beinahe komplett ein. Dransdorf, eigentlich schon im ersten Durchgang gedanklich mehr in der Sommerpause, fühlte sich nun doch genötigt, den seinen etwas Fußballkost zu bieten und bestrafte die Queckenberger Lethargie dreimal (63./64./77.), ohne dabei auch nur ansatzweise das Tempo erhöhen zu müssen.
Was seit Wochen befürchtet wurde, ist also seit diesem Tag Gewissheit: Das Rot-Weiße Fußballmärchen ist vorerst beendet.
Doch die Verantwortlichen basteln bereits emsig an einem zweiten - erfolgreichen - Teil. Allen Unkenrufen zum Trotz bleibt das Gros der Mannschaft zusammen. Bereits jetzt konnten einige Spieler aus dem Großraum Rheinbach davon überzeugt werden, nächstes Jahr Manuelas Wäscheservice und das RWQ-Wappen auf der Brust zu tragen. Nach dem letzten Spiel am 1. Juni daheim gegen Germania Impekoven verabschiedet sich die Mannschaft in die Ferien. Und spätestens dann gibt es noch einmal positive Schlagzeilen vom Mount Queck.
Zusammen mit vielen Freunden, treuen Wegbegleitern, Ehemaligen, Zukünftigen und natürlich allen Familienangehörigen werden die Queckies ihren tadellosen Ruf als Feierbiester untermauern. Denn trotz einer sportlich weniger erfreulichen Saison lässt man es sich auf dem verrücktesten Fußballberg im Kreis Bonn nicht nehmen, zumindest die dritte Halbzeit erfolgreich zu bestreiten. Denn wie sagte schon Stepi: „Lebbe geht weider.“
Es spielten: Weinand - Haas, Abeling, Klemm, Becker - Pesch, Declair - Mundorf, Uygur, Geimer - Raffino.
