Lokalsport | 25.07.2025

Finals Damen 85 und Herren 90

Bad Neuenahr. Von müden, alten oder gar uralten Semestern, die auf roter Asche im Kaiser-Wilhelm- und im Lenné-Park in Bad Neuenahr gleich reihenweise schlapp machen oder magere Tenniskost servieren, war an den ersten Turniertagen bei der 70. deutschen Tennis-Seniorenmeisterschaft (DSM) in Bad Neuenahr keine Spur. Im Gegenteil: Das meist von Raffinesse bestimmte Spiel auf qualitativ hohem Niveau, wenn auch nicht immer im Höchsttempo vorgetragen, bekamen bereits mehrere Tausend Zuschauer geboten. „Die Qualität der Matches ist durchweg gut. Beeindruckend ist, dass die älteren Semester vom Start weg alles geben, viel Kampfgeist zeigen sie sowieso. Spannende Matches sind beim HTC den ganzen Tag garantiert“, war der einhellige Tenor des Publikums. Gut lachen hatte auch die Weltmeister im Seniorentennis. Denn Dramatik in den Matches gab allerdings wenig zu sehen, und sportlich hob sich der Auftakt der „Deutschen“ mit Favoritensiegen dann auch nicht von den Vorgängermodellen ab. Wobei sich am Ende dann die Topfavoriten nicht aufzuhalten waren. Für Irmgard Gerlatzka (Tennis-Club Schiefbahn), die Weltmeisterin von 2024, reichte es in ihren Spielen ungeschlagen und ohne Satzverlust zum Titelgewinn (Frauen 85) in zwei Sätzen. Der Reihe nach: Im Finale ließ die Weltmeisterin ihrer Konkurrentin Elisabeth van Bömmel (MTV Jever) nur zu selten eine richtige Chance. Souverän ließ Gerlatzka van Bömmel laufen und beeindruckte mit starken Volleys und Returns. Es war ein spezielles Szenario schon nach dem ersten Satz: Die Nummer drei der Weltrangliste, Gerlatzka, gab sich entspannt nach einem deutlichen 6:2-Satzgewinn – warum auch nicht? Elisabeth van Bömmel dagegen schritten zur Pause und versuchte sich, mental zu sammeln und natürlich zu finden. Etliche Zuschauer klatschten in Richtung beider Spielerinnen. Vom Zuschauerdamm aus gaben sie der deutlich unterlegenen van Bömmel moralische Unterstützung. Das Spiel im zweiten Satz von Elisabeth van Bömmel blieb jedoch unerklärlich kribbelig und extrem fehlerbehaftet. Gerlatzka dagegen schien beim Stand von 5:0 schon auf Siegkurs – dann wurd‘s bei Aufschlag van Bömmel auf einmal eng für die Konkurrentin. van Bömmel zauberte: Ein nahezu unglaublicher Stoppball landete auf Gerlatzkas Seite unerreichbar zum 1:5. van Bömmel gelang’s, im siebten Spiel bei Aufschlag Gerlatzka einen vermeintlichen Wirkungstreffer zu erzielen. Den Schuss ins Schwarze zum 2:5 steckte Gerlatzka aber gut weg – zu gut für van Bömmel. Nach 71 Minuten Spieldauer war das ganze Feld für Gerlatzka offen – und in dieser Szene passte der Matchball dann auch haargenau zum 6:2-Endstand. Irmgard Gerlatzka hat sich damit bei der 70. Deutschen Meisterschaft die Krone aufgesetzt.

Keinerlei Probleme bei seinem Auftritt bei der 70. DSM hatte der mehrfache Deutsche Meister und vielfache Welt-, Europameister, Herbert Althaus. Nervenkitzel ist für ihn ein Fremdwort, Lehrstunden erteilen trifft da den Kern schon eher. Seine Erfolgsbilanz in den Gruppenspielen ist beeindruckend und zeigt deutlich, wie dominant Althaus in diesem Jahr auf der Asche von Bad Neuenahr auftrat: 3:0 Matches, 6:0 Sätze und 36:9 Spiele. Zur klaren Angelegenheit entwickelten sich schon sein Einstieg ins Turnier gegen Franz Schlüter (SV Lüttringen). Mit 6:2 und 6:3 fegte Althaus seinen Konkurrenten innerhalb von nur 68 Minuten vom Feld. Werner Marx (2:6, 1:6) vom ASV Dachau erging’s nicht viel besser. „Er ist mein Freund, wir kennen uns sehr gut und spielen zusammen in der Nationalmannschaft. Es ist immer eine Freude, gegen ihn, spielen zu dürfen. Leider ist hat er ein Handicap, aber er ist ein sehr guter Spieler, und ich freue immer, wenn er den weiten Weg von München hierher findet, um das 90er-Team überhaupt gangbar zu machen“, wertschätzt Althaus den Käpt’n der Seniorennationalmannschaften. Im Eiltempo fertigte Althaus auch den ältesten Turnierteilnehmer Hermann Kötting (vereinslos, Jahrgang 1931) ab. Lehrstunde erteilt ist dabei nur die halbe Wahrheit: Beim 6:0, 6:1 für den Weltmeister Herbert Althaus, stand Köttig stand absolut auf verlorenem Posten.

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