Der Torhüter des Fußball-Rheinlandligisten SG Eintracht Mendig/Bell ist zur Stelle, als er gebraucht wird
Jonas Horn sorgt für skurrile Szenen
Kuriose Situationen beim Tor-Abstoß sollen schon bald wieder der Vergangenheit angehören
Mendig. Kodai Stalph, der Spielertrainer des Fußball-Rheinlandligisten SG Eintracht Mendig/Bell, ließ sich im Vorfeld des Derbys gegen den TuS Mayen nicht in die Karten schauen. Besonders die Besetzung der Torhüterposition artete in einer Art Gemeimniskrämerei aus. Vielleicht werde er eine Münze werfen, bluffte der Deutsch-Japaner. Dabei stand seit einiger Zeit fest, dass zwei Optionen wegfallen würden: Robin Rohr, Neuzugang von den Sportfreunden Eisbachtal, weilte in Urlaub. Jan Heinemann, die langjährige Nummer eins, war wegen einer Hochzeitsfeier unabkömmlich.
So stand Jonas Horn, in der Winterpause vom Ligakonkurrenten SG 2000 Mülheim-Kärlich an die Brauerstraße gewechselt, beim 5:0 (0:0) gegen den TuS Mayen zwischen den Pfosten. Für den Notfall hatten die Verantwortlichen mit Moritz Becker kurzfristig einen weiteren Schlussmann verpflichtet. Becker, der mittlerweile in Kruft wohnt und zuletzt für den A-Ligisten SV Roßbach/Verscheid aktiv war, sollte eigentlich erst Ende des Jahres zur Eintracht stoßen.
Wie es sich für einen guten Torwart gehört, war der bis dahin völlig beschäftigungslose Horn genau dann zur Stelle, als er gebraucht wurde: In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit behielt er in einer Eins-gegen-eins-Situation gegen den durchgebrochenen Mayener Stürmer Lukas Mey die Oberhand und bewahrte seine Mannschaft vor einem durchaus möglichen, wenn auch total unverdienten, Pausenrückstand.
Dennoch hatte Horn in den 45 Minuten zuvor einige Male für Aufsehen und dafür gesorgt, dass sich zahlreiche der 500 Besucher auf dem Kunstrasenplatz verwundert die Augen rieben. Horn lupfte beim Tor-Abstoß den Ball zu John Rausch, der sich als Sechser der Mittelfeldraute zurück in den Strafraum geschlichen hatte. Rausch köpfte das Spielgerät zurück in die auffangbereiten Arme des Schlussmanns, der zur besseren Spieleröffnung mit Ball Richtung 16-Meter-Linie lief. Mit dieser kuriosen Variante hatten seit dem 1. Juli zahlreiche Mannschaften, auch der Zweiten und der Dritten Liga, die neue Regel beim Abstoß genutzt, um die Rückpassregel zu umgehen.
Die nach der Regel-Reform zum Teil skurrilen Szenen beim Tor-Abstoß sollen allerdings schon bald wieder der Vergangenheit angehören, die internationalen Regelhüter wollen nachbessern. Das International Football Association Board (IFAB) werde das Thema neu diskutieren, teilte das Gremium am späten Freitagabend mit. Kurz nach dem Schlusspfiff präsentierte die in Mendig anwesende Schiedsrichtergilde um Mike Pickel, Markus Wozlawek und Alex Müller auf ihren Handys die neuesten Informationen. Der Erfolg der Eintracht geriet aber nicht mehr in irgendeine Gefahr.
Bis zu einer endgültigen Entscheidung sollen die Schiedsrichter den Abstoß wiederholen lassen, wenn eine Mannschaft den Trick anwendet, aber vorerst keine Strafen aussprechen. Wenn Horn am Mittwoch, 7. August, um 20 Uhr in der ersten Runde des Rheinlandpokals beim Bezirksliga-Aufsteiger FC Alemannia Plaidt erneut das Tor hüten sollte, muss er sich also wieder umstellen. Genau wie seine Mitspieler, wie einer der beiden Sportlichen Leiter der Eintracht betont. „Im Gegensatz zum Spiel gegen Mayen wird das für uns kein Spaziergang. Es war eine tolle Kulisse, eine schöne Atmosphäre, aber auch für ein 5:0 gibt es nur drei Punkte“, so Frank Schmitz. „Die Plaidter Mannschaft von Trainer Thomas Esch wird uns alles abverlangen. Am Pommerhof herrscht Euphorie pur. Wir sollten gewarnt sein.“
Der Schlussmann sorgte nicht durch seine Strafraumbeherrschung, sondern durch seinen Trick beim Tor-Abstoß für Furore.
