Benjamin Hassan im Gespräch .
Sein Entschluss, Profi zu werden, fiel bei den ersten Koblenz Open
Koblenz/Neuwied. Er galt schon immer als großes Talent. Unkonventionelle Spielweise, gepaart mit großer Spielintelligenz, aber auch unorganisiert und etwas faul. Das alles gehört zu Benjamin Hassan. Ein 22-jähriger Lehramtsstudent aus Neuwied, der mit einer tennisuntypischen Vita nun versucht, auf der Profitour Fuß zu fassen. Den Entschluss, Profi zu werden. fällte er bei der ersten Austragung der Koblenz Open, als er gegen Teymuraz Gabashvili in drei Sätzen verlor und phasenweise begeisterndes Tennis bot. Wenn er in 2018 erneut antritt, wird er sich um mehr als 650 Plätze in der Weltrangliste verbessert haben und damit noch Außenseiter sein, aber auch ein Kandidat für eine Überraschung bei Deutschlands größten Hallenturnier der Herren , das vom 14. bis 21 Januar stattfindet.“
Turnierdirektor Heiko Hampl sprach mit dem neuen Stern am Profi-Himmel.
Heiko Hampl: Benny, du hast im Januar dein erstes Challenger bei den Koblenz Open gespielt . Wie waren deine Eindrücke?
Benjamin Hassan: Ich habe sehr schöne Erinnerungen an die Koblenz Open. Ich war begeistert von der Unterstützung der Zuschauer. Das hat mich angetrieben und auch zu einer guten Leistung geführt.
Heiko Hampl: Gab das knapp verlorene Match gegen Teymuraz Gabashvili, der zu diesem Zeitpunkt die 168 der Weltrangliste war und ein Jahr zuvor sogar die 43, den Ausschlag den beschwerlichen Weg auf die Profitour nehmen zu wollen?
Benjamin Hassan: Ja, auf jeden Fall. Das Match hat mir nochmal bewiesen, dass ich das Potenzial habe, auch da oben mitzuspielen. Und es hat mir noch einen weiteren Motivationsschub gegeben.
Heiko Hampl: Du hast dann erst noch studiert und bist ab Juli auf der ITF Future Tour unterwegs gewesen und hast zwei Halbfinale und zwei Finale erreicht. Warst du selbst überrascht, dass es doch recht schnell so gute Erfolge zu feiern gab?
Benjamin Hassan: Ja, definitiv, vor allem weil ich bis dahin noch nicht mit einem Training angefangen habe, dass man auf so einem Level eigentlich benötigt. Ich habe nicht damit gerechnet, so gut zu performen, aber auch das gab natürlich Motivation uns Selbstbestätigung.
Heiko Hampl: Wettkampfhärte und Physis können zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht auf einem hohen Level gewesen sein. Was macht denn dich bzw. dein Spiel gefährlich?
Benjamin Hassan: Ich kann sehr variabel spielen und bin sehr gut darin, den Rhythmus des Gegners zu brechen. Damit bin ich sehr gefährlich für Spieler, die Rhythmus brauchen.
Heiko Hampl: Bisher warst du nur in Europa unterwegs, nun fliegst du nach Doha/Qatar. Reizt dich der Gedanke, andere Länder zu bereisen oder ist es das notwendige Übel eines Profis?
Benjamin Hassan: Der Gedanke reizt mich sehr. Also im Moment empfinde ich es noch als angenehm, zu reisen, aber das kann sich ja mit der Zeit auch wieder ändern, was ich nicht hoffe.
Heiko Hampl: Was erwartest du vom Jahr 2018 in sportlicher Hinsicht? Gibt es eine Ranglistenposition, auf die du hinarbeitest oder ist es ein Titel auf der Future Tour?
Benjamin Hassan: Ich konzentriere mich natürlich erst darauf, dass meine Leistung steigt und ich mich spielerisch verbessere. Aber mein Ziel ist es Ende des nächsten Jahres um Position 300 herum im ATP Ranking zu stehen.
Heiko Hampl: Das Jahr wird für dich auf Challenger Ebene in Koblenz beginnen, bei deinem Heimturnier. Was würdest du im Vergleich zum ersten Jahr an deiner Vorbereitung ändern?
Benjamin Hassan: Die Vorbereitungen haben schon längst begonnen. Zuerst konnte ich mir durch die Turniere, die ich gespielt habe, etwas Matcherfahrung und Wettkampfhärte aneignen. Das ist etwas, das ich letztes Jahr nicht hatte. Und natürlich hab ich schon mein Fitnessprogramm bei der Tennis Base von Rodney Rapson in Höhr-Grenzhausen begonnen, um nicht denselben körperlichen Einbruch wie letztes Jahr zu erleben.
Heiko Hampl: Auch wenn du mit 22 Jahren der Jugend entwachsen bist, spielen die Eltern doch bestimmt auch bei dir eine wichtige Rolle in deinem Leben. Waren sie froh über deine Entscheidung oder haben sie dich für verrückt erklärt?
Benjamin Hassan: Ja, meine Familie ist mir sehr wichtig und ich bin auch sehr familiär aufgewachsen. Meine Familie steht hinter allem, was ich mache und sie waren auch froh zu hören, dass ich Tennis endlich ernst nehme und es professionell versuchen will.
Heiko Hampl: Deine Eltern kommen aus dem Libanon. Ein Land, das Interesse an einem Davis-Cup-Engagement von dir zeigt. Der Libanon ist politisch instabil. Verfolgst du die Geschehnisse vor Ort?
Benjamin Hassan: Nein, ich kriege leider sehr wenig mit.
Heiko Hampl:
Welche Schlagzeile möchtest du nach den Koblenz Open gerne lesen?
Benjamin Hassan: Benny Hassan gewinnt erstmals eine Runde bei einem Challenger am Vereinstag des TV Rheinland vor 1500 Zuschauern.
Weitere Infos zur ATP Challenger Koblenz Open - 14. bis 21. Januar 2018 unter www.koblenz-open.de
