Sport Geschichte rund um das Deutsche Eck
Trainer Legende feiert runden Geburtstag
Prominente Gäste feierten den Weltenbummler zu seinem neunzigsten Geburtstag im Stadion Oberwerth
Koblenz. Er ist Koblenzer, aber auch Globetrotter und steht als Trainer mit den meisten internationalen Engagements im Guinness-Buch der Rekorde. Rudi Gutendorf feiert am Dienstag seinen 90. Geburtstag und viele waren gekommen um die Trainerlegende zu feiern. Wenn man die sportliche Lebensgeschichte der Rudi Gutendorf betrachtet dann muss man sich schon einen Welt Atlas zur Hand nehmen. 55 Trainerstationen, auf allen Kontinenten. Natürlich in der Bundesliga mit dem MSV Duisburg, dem FC Schalke 04, dem VfB Stuttgart oder Tennis Borussia Berlin. Überall sorgte er für Aufsehen. In Duisburg, wo er zum Beispiel die Deutsche Vizemeisterschaft feierte, In Schalke, wo er die Mannschaft morgens zum Schichtwechsel um die Zechen scheuchte oder bei Tennis Borussia Berlin wo er sein geliebtes Cabrio versteigern ließ damit Geld in die Vereinskasse kam. Als Spieler kickte der bei der TuS am Deutschen Eck. Damals kickte der Club noch unter seinem Geburtsnamen.
Die Neuendorfer schafften, auch dank Rudi Gutendorf, 1948 den Sprung ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Angefangen hat er, wie so viele Sportgrößen in diesen Jahren, auf den Straßen in Lützel und hatte danach als 16-jähriger erstmals einen Einsatz, in der von TuS-Legende Jupp Gauchel trainierten Neuendorfer Elf. Gutendorf kam in einem Freundschaftsspiel in Luxemburg zum Einsatz. Der Durchbruch gelingt erst nach dem Krieg. Im August 1951 wirft ihn eine Tuberkulose Erkrankung aus der Bahn. Er wird Trainer in der Schweiz und das erfolgreich. Schweizer Pokalsieger, Zweitligameister und Aufsteiger in der Schweiz, Deutscher Vizemeister und UEFA-Pokal Halbfinalist. Er trainierte 21 Ländermannschaften und wirkte unter anderem in sieben Verbänden als Ausbilder. In Ruanda erreichte der Weltenbummler mit seiner Mannschaft, die aus den einst verfeindeten Volksgruppen Hutu und Tutsi gebildet wurde, ein sensationelles 2:2 in der WM-Qualifikation gegen die Elfenbeinküste. Der Bürgerkrieg, der fünf Jahre zuvor fast eine Millionen Menschen das Leben gekostet hatte, war für einen Augenblick in Vergessenheit geraten. Der „Kowelenzer Schängel“ hatte so einen tollen Beitrag zur Aussöhnung der Volksgruppen geleistet. 1997 erhielt Rudi Gutendorf das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. In der Begründung heißt es: „Rudi Gutendorf hat in hervorragender Weise als Entwicklungshelfer im sportlichen Bereich das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland im Ausland gefördert.“ Für seinen „wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung“ erhielt er 2011 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Gutendorf wurde außerdem am 5. Mai 2014 vom Auswärtigen Amt und der Initiative Deutscher Fußball Botschafter in Berlin für sein Lebenswerk als deutscher Botschafter des Fußballs ausgezeichnet. Und genau dieser Mann wurde gefeiert. Bereits am Nachmittag startete die Veranstaltung mit einem E-Jugend Turnier auf dem Kunstrasenplatz neben dem Stadion. Der „Rudi Gutendorf Integrationscup“ wurde ausgespielt. „Es gibt Sachen die ändern sich nie“, strahlte der Jubilar bei der Eröffnung. „Die Begeisterung bei Kids ist dieselbe wir vor 80 Jahren bei uns in Lützel“. Gewonnen hat dann am Abend Chile, oder besser gesagt der SV Spay, die sich gegen die JSG Osterspai (Deutschland) im Finale durchsetzen.
Das Finale wurde in der Halbzeitpause der Partie TuS Koblenz gegen Fortuna Köln im Stadion ausgetragen. Kurz nach 18 Uhr war diese Begegnung angepfiffen worden. Auch hier konnte Gutendorf nochmals den Applaus der rund 800 Zuschauer in Empfang nehmen. In einer Talkrunde mit dem Rheinlandpfälzische Sport- und Innenminister Roger Lewentz, TuS-Präsident Dr. Werner Hecker, FVR-Präsident Walter Desch und TuS Geschäftsstellenleiter Markus Breitbach wurden gemeinsam mit dem Geburtstagskind Geschichten und Anekdoten zum Besten gegeben. Bemerkenswert aus auch Lewentz anreiste denn das von ihm mitregierte Bundesland Rheinland-Pfalz feierte an diesem Tag ja ebenfalls Geburtstag. Ach ja und Fußball wurde danach auch noch gespielt. Aber das war an diesem Nachmittag Nebensache. Fortuna Köln siegt mit 1:0. Doch so wirklich interessierte dies am Ende doch niemanden. Die meistern schauten sich immer wie nach Rudi Gutendorf um und manch einer vervollständigte noch schnell seine Autogrammsammlung. Denn bis zum 100. Geburtstag sind es ja noch zehn Jahre. Und dann wird der Bahnhof rund um die Trainerlegende noch größer werden. TH
