Lokalsport | 02.07.2025

Ein Pilotprojekt für mehr Verantwortung auf dem Platz

Vertrauen statt Zuruf – Fußballprojekt miteinander! zeigt Wirkung

Das miteinander!-Turnier war mehr als nur ein sportlicher Höhepunkt – es war ein Signal für eine neue Kultur auf dem Platz.Fotos: Ralf Klohr

Kreis Westerwald/Neuwied. Was passiert, wenn Kinder im Fußball mehr selbst entscheiden dürfen? Wenn der Ruf nach dem Schiedsrichter leiser wird – und das Zuhören lauter? Beim miteinander!-Turnier, das kürzlich in Windhagen stattfand, wurde genau das sichtbar.

Die teilnehmenden Teams hatten in den vergangenen sechs Monaten im Fußballkreis Westerwald/Wied in einer Pilotstaffel nach dem miteinander! Modell gespielt. Der Grundgedanke: Die Kinder entscheiden bei Einwurf, Abstoß und Eckstoß selbst – durch Beobachtung, gegenseitige Rückmeldung und faire Absprache. Sie schlüpfen in die Rolle des Linienrichters. Die Schiedsrichter:innen greifen nur ein, wenn Uneinigkeit herrscht oder Unterstützung gewünscht wird. Fouls, Abseits und unsportliches Verhalten, Rückpass und Tor bleiben selbstverständlich in ihrer Verantwortung.

„Die Kinder haben gezeigt, dass sie Verantwortung tragen können – und dass daraus richtig guter Fußball entsteht“, fasste Dominic Pauls, Jugendleiter des SV Windhagen, nach dem Turnier zusammen. Auch Eltern und Zuschauer:innen bemerkten die veränderte Atmosphäre: mehr Spielfluss, weniger Zurufe, mehr Miteinander.

Ein Lernfeld für alle Beteiligten

Doch nicht nur die Kinder profitieren von diesem Ansatz. Auch die jungen Schiedsrichter:innen erleben das Spiel aus einer neuen Perspektive. Sie agieren nicht primär als Autoritäten, sondern als Begleiter:innen eines sozialen Prozesses. Diese Form der Spielleitung fördert nicht nur Regelverständnis, sondern auch Empathie, Kommunikation und Konfliktlösungskompetenz.

Lars Busch, Sportstudent und Ausbilder, untersuchte im Rahmen seiner Masterarbeit die Auswirkungen des Projekts auf die Ausbildung junger Schiedsrichter:innen. Seine Beobachtung: „Wenn Kinder lernen, ihre Meinungsverschiedenheiten eigenständig zu klären, entsteht ein Raum, in dem Fairness nicht verordnet, sondern gelebt wird.“

Schiedsrichter-Veteran Peter Ganzer, mit über 35 Jahren Erfahrung, betont: „Weniger Einfluss von außen hat einen enormen Effekt – die Kinder wachsen sichtbar an ihren Rollen.“

Von der Vision zur Bewegung

Eine tragende Rolle spielte Gerlinde „Gerry“ Weidenfeller, die mit großem Engagement die Pilotstaffel organisiert hatte. Vor zwei Jahren war sie mit dem Wunsch an Projektinitiator Ralf Klohr herangetreten, „etwas für mehr Respekt und Wertebildung im Jugendfußball zu tun“.

„Gerry hat nicht nur organisiert, sondern mit Herz und Weitsicht Räume geschaffen“, sagt Klohr. „Sie hat damit die Grundlage für mittlerweile zwei wissenschaftliche Arbeiten zu miteinander! gelegt.“

Ein Impuls für den Fußball von morgen

Das miteinander!-Turnier war mehr als nur ein sportlicher Höhepunkt – es war ein Signal für eine neue Kultur auf dem Platz. Eine Kultur, in der Vertrauen zählt, in der Fehler erlaubt sind und in der Kinder lernen, Verantwortung gemeinsam zu tragen.

„Was wir hier erleben, ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine Einladung, Fußball neu zu denken – kindgerechter, respektvoller, wertorientierter“, betont Ralf Klohr. Auch Gerry Weidenfeller ist überzeugt: „Wenn Kinder erleben, dass ihnen zugetraut wird, wachsen sie über sich hinaus – nicht nur als Spieler:innen, sondern als Menschen.“

Das miteinander! Modell zeigt: Entwicklung beginnt nicht mit Kontrolle, sondern mit Zutrauen. Und vielleicht liegt genau darin der Schlüssel für den Fußball der Zukunft.

Was ist das „miteinander!“-Modell?

• Kinder entscheiden bestimmte Spielsituationen (Einwurf, Abstoß, Ecke) selbst. Sie übernehmen die Rolle des Linienrichters.

• Schiedsrichter:innen greifen nur ein, wenn Uneinigkeit herrscht. Ansonsten entscheiden sie wie gewohnt über Abseits, Foul, unfaires Spiel, Rückpass und Tore.

• Ziel: Förderung von Fairness, Selbstverantwortung und Miteinander.

• Wissenschaftlich begleitetes Pilotprojekt im Fußballkreis Westerwald/Wied

V.l.n.r.: Gerry Weiderfeller - Organisatorin des Pilotprojektes mit viel Herzblut, Dominic Pauls - Jugendleiter SV Windhagen - verantwortlich für den Ablauf des Tages, Lars Busch - schreibt auf Grundlage dieser Pilotstaffelm seine Masterarbeit, Ralf Klohr - Initiator der Spielform miteinander.

V.l.n.r.: Gerry Weiderfeller - Organisatorin des Pilotprojektes mit viel Herzblut, Dominic Pauls - Jugendleiter SV Windhagen - verantwortlich für den Ablauf des Tages, Lars Busch - schreibt auf Grundlage dieser Pilotstaffelm seine Masterarbeit, Ralf Klohr - Initiator der Spielform miteinander.

Das miteinander!-Turnier war mehr als nur ein sportlicher Höhepunkt – es war ein Signal für eine neue Kultur auf dem Platz. Fotos: Ralf Klohr

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