Gutes Niveau bei den Rheinlandmeisterschaften der Altersklassen
Viele enge Endspiele
94 Meldungen und nur ein Damen-Finale
Andernach. Finaltag in Andernach, zum Abschluss der Rheinland-Tennismeisterschaften waren die Titel der Altersklassen Herren 30 und 40 hart umkämpft. „Diese anspruchsvollen Meisterschaften haben uns alle sehr gefordert, aber wir haben es ja nicht anders gewollt“, meinte Stephan Becker vom Bendorfer TV, unterlegener Finalist in der bestbesetzten Klasse M40.
Spannende Matches mit hohem körperlichen Einsatz
Während im Gästeraum des Tennis-Treffs Mittelrhein auf dem TV-Bildschirm der Australian Open-Gewinner bewies, wozu Spieler im Alter von Mitte 30 in der Lage sind, wurde ihm auf den fünf Hallenplätzen bei deutlich niedrigerem Niveau, aber mit vergleichbarem körperlichen Einsatz nachgeeifert. Zum Beispiel Stephan Becker. Im Halbfinale am Vormittag hatte er den Bad Neuenahrer Ralf Klotzbach im Champions-Tiebreak mit 10:7 niedergekämpft, nach angemessener Pause musste er im Endspiel gegen Marcus Raible vom Sportpark Windhagen wieder in den ungeliebten verkürzten Entscheidungssatz. „Da hatte mein Gegner einen Tick mehr Energie“, kommentierte er die entscheidende Phase von 3:3-Gleichstand auf 3:8-Rückstand.
Der ungesetzte neue Rheinlandmeister Herren 40 hatte schon in seinem zweiten Spiel mit einem glatten 6:2, 6:2 gegen den top-gesetzten Koblenzer Matthew Feeney aufhorchen lassen und versprach: „Nach einigen Jahren Pause greife ich jetzt wieder an.“
Ähnlich verlief das Endspiel der Jungsenioren Herren 30, in dem die beiden gesetzten Favoriten Julian Mädrich vom TC BW Bad Ems und Christian Zacharias vom VfL Kirchen aufeinandertrafen. Zacharias, der im 6:3, 7:6-Halbfinale am Vormittag vom Bad Emser Robert Guzik ziemlich gefordert worden war, gewann den ersten Satz mit 6:4. „Aber dann schwanden die Kräfte“, stellte er fest. Nach einem 2:6 ging´s in den Champions-Tiebreak, Mädrichs 7:0-Führung war da schon eine Vorentscheidung. „Kräftemäßig hatte ich Vorteile“, so Mädrich, der kampflos ins Finale eingezogen war und mit jedem Ballwechsel stärker wurde. „Es war mein erstes Spiel in dieser Halle, ich musste mich erst mal finden und mich auf den Boden einstellen.“
Kurz vor der Entscheidung in diesen beiden Herren-Altersklassen hatte sich im einzigen Damen-Endspiel die Routine der Andernacherin Lori Murtaugh - Jahrgang 1968 - gegen das angriffslustigere Spiel von Sara Kathke - Jahrgang 1976 - vom TVGG Igel durchgesetzt. „Ich habe mein Spiel langsam gemacht und sie dadurch aus dem Rhythmus gebracht“, meinte Murtaugh, die ihren vierten Matchball zum 6:4, 6:3 nutzte und später ihrer Gegnerin zugestand: „Sie hat die schöneren Punkte gemacht.“ Was für Kathke, Halbfinal-Siegerin gegen die an Position 1 gesetzte Neuwiederin Christine Hölzke, allerdings nicht reichte. „Mir fehlte die Geduld, zudem kam mein erster Aufschlag heute überhaupt nicht“, stellte sie fest und lobte Murtaughs Taktik: „Das war effektiv.“
Hohe Qualität der Spielerinnen und Spieler
Es hätte noch eine weitere Damenklasse gespielt werden können, bei fünf Meldungen W50 und zwei Anmeldungen W60, „aber das wollten die Damen nicht“, wie TVR-Sportwart Hans Molitor feststellte. Mit insgesamt 94 Spielerinnen und Spielern war das Turnierfeld übersichtlicher als im Vorjahr. „Wir waren vom Meldeergebnis etwas enttäuscht und hätten uns über mehr Teilnehmer gefreut“, so Molitor. „Der Qualität tat das aber keinen Abbruch.“
Die Serie der engen Herren-Endspiele setzte sich in der Klasse M50 fort. Der Trierer Thomas Fusenig gewann gegen Reiner Henze vom TC Burgschwalbach, an eins gesetzt, nach verlorenem ersten Satz den Champions-Tiebreak mit 10:8 und profitierte dabei von einer Oberschenkelzerrung seines Gegner. „In so einem Spiel, das man angesichts der Verletzung des Gegners gewinnen sollte, kann man alt aussehen“, gab der Sieger zu bedenken. Auch bei den Herren 60 fiel die Entscheidung im dritten Satz. Toni Schweitzer vom TC Rh.-W. Neuwied verteidigte seinen Hallentitel, den er im Vorjahr bei den 55ern gewonnen hatte, durch einen 10:5-Tiebreak gegen seinen Neuwieder Vereinskameraden („Wir sind befreundet“) Ulrich Gonsberg, dem noch das schwere Halbfinale gegen den Bad Emser Addi Isanovic „in den Knochen steckte“. Was aber „keine Entschuldigung sein soll“, wie er hinzufügte. „Hauptsache, der Titel bleibt in Neuwied“, meinte Schweitzer, der wegen einer Erkältung „am Donnerstag noch nicht wusste, ob ich überhaupt antreten kann.“
Schweitzers Nachfolger bei den Herren 55 wurde Axel Hüttner vom TC Idar-Oberstein, bei dem gegen Stefan Otten aus Trier nach einem 7:5 im ersten Satz beim folgenden 6:0 „alles ging und bei meinem Gegner nichts“. Otten beklagte die vergebene Breakchance zum 6:6. „Danach war ich ziemlich enttäuscht“, Hüttner freute sich: „In dieser Halle habe ich vier Endspiele bestritten und alle gewonnen.“
Glatte Ergebnisse in den Finalen der ältesten Teilnehmer
Glatt verliefen die Final-Begegnungen bei den ältesten Spielern. Herren 70-Titelverteidiger Dietmar Stern vom TC Siershahn setzte sich gegen Peter Buhr vom TC BW Herschbach mit 6:2, und 6:1 durch und gab anschließend zu: „Bei drei entscheidenden Netzrollern war das Glück auf meiner Seite.“ Und auch Horst Kelling, in der Andernacher Halle noch ungeschlagen, holte sich wie im Vorjahr den Titel bei den 65ern. „Es war mein erstes Turnier nach langer Krankheit, ich bin sehr zufrieden“, meinte der unterlegene Finalist Peter Gilberg - beide TC BW Bad Ems - nach dem 4:6, 1:6. „Peter hat mir keinen Ball geschenkt.“ Kelling, gleichzeitig Turnierleiter bei diesem TVR-Turnier, lobte seinen Kontrahenten: „Er hat richtig stark gespielt.“
Die Andernacherin Lori Murtaugh konnte das einzige Damen-Finale für sich entscheiden.
Toni Schweitzer konnte seinen Hallentitel aus dem Vorjahr verteidigen.
