SV Rot-Weiß Queckenberg
Von Rot-Weißen Kapellmeistern und Teufelsgeigern
Queckenberg. Immer wenn der SV Rot-Weiß Queckenberg seit der Saison 2011/12 mit dem FC Pech die Messer wetzte, gab es Tore satt zwischen den Kreisligagiganten. Vor dem Spiel bei der zweiten Vertretung des FC gab es in 16 Pflichtspielen inkl. einer Pokalbegegnung sage und schreibe 86 Buden zu bestaunen. So war es nicht verwunderlich, dass die Kunstrasenanlage am Gudenauer Weg bei traum- und frühlingshaften Bedingungen ein gut gefülltes Auditorium darstellte.
Angesichts der Tabellensituation und des eindeutigen 3:0 aus dem Hinspiel wurde die Favoritenrolle grundsätzlich den Döring-Bures-Buben zugeschrieben. Wäre da nicht die angespannte Personalsituation, die die Voreifler derzeit quasi auf dem vorletzten Loch pfeifen lässt. So unterbrach Fußballgott Uygur eigenmächtig seinen Urlaub und tauschte die Grillschürze gegen seine angestammte Nummer 10. Paffenholz blieb unentschuldigt einer wichtigen privaten Angelegenheit fern. Und auf der Bank nahmen unter anderem mit Jentsch und Krieger zwei rot-weiße Recken Platz, die 60 Minuten zuvor noch für die zweite Garde von Hansi Weinand in die Schlacht gezogen waren. Doch auch eine weitere Personalie zauberte dem einen oder anderen Kenner der regionalen Fußballjournaille ein leises Aaahhh, wenn nicht sogar ein etwas lauteres, bewunderndes Ooohhh auf die vom Gerstensaft leicht benetzten Lippen: mit Abdullah Azizoglu schüttelten die Queckies einen absoluten Joker aus dem rot-weißen Hemdsärmel. An dieser Stelle möchten sich die Verantwortlichen des RWQ für die absolut tadellose Zusammenarbeit mit Eugen Adler vom SV Schwarz Weiß Merzbach bedanken. Damit verfügten die Kerle über ein Abwehrbollwerk, ganz nach dem Gusto so manch italienischen Nationaltrainers. Im ersten Durchgang taten sich die Gäste erstaunlich schwer, um Feld- und Chancenvorteile zu erarbeiten, was nicht zuletzt an einer gut aufgelegten Berchem-Truppe lag. Auch wenn die Voreifler über die besseren Möglichkeiten verfügten, hielt auch der Gästemob mehr als nur einmal die Luft an. Doch Claßen war wie immer ein souveräner Rückhalt zwischen den Pfosten. Trotz einiger Aufreger auf beiden Seiten wurden torlos die Seiten gewechselt.
Hatte man im ersten Durchgang ein recht ausgeglichenes und trotzdem chancenreiches Spiel genießen können, lief der zweite Abschnitt unter dem Motto FC von der Au gegen Rot-Weiß Queckenberg. Im Minutentakt walzte sich der RWQ immer wieder in den Sechzehner des an diesem Tage bärenstarken und schier unüberwindlichen FC-Schlussmannes. Bis auf weite Abstöße oder verzweifelte Befreiungsschläge kamen die Pecher nicht mehr über die Mittellinie, geschweige denn in die Nähe des Strafraumes der Gäste. Das lag vor allem daran, dass bis auf Altmeister Azizoglu und RWQ-Urgestein Declair alle rot-weißen Feldspieler eine stürmische Ode an die Fußballfreude komponierten. Als erster Kapellmeister regierte, brillierte und dirigierte Bures wahrlich formidabel. An dessen Seite mutierte Urlauber Uygur zum Teufelsgeiger, der immer wieder mit gefühl- oder auch geräuschvollen Soloeinlagen exzellent aufspielte. Dazu hauten Savas, Klemm, Paffenholz und Gümüs gehörig auf die Pauke. Und vorn drin tanzten sich Schmitz und die Königskobra Martin Ring zu dieser Sinfonie wie von Gottes Gnaden gesandt mehr und mehr in wilder Ekstase durch den Pecher Abwehrstangenwald. Doch was sich die kreativen Offensivartisten auch einfallen ließen, sie scheiterten am Ende immer an irgendeinem Körperteil des Pecher Torwarts. Mehrmals begrub er gar auf der Linie das Spielgerät unter sich und mimte den Spielverderber. Doch Chefdirigent Döring im Orchestergraben wusste, dass es heute eine Art Geduldsspiel für seine Mannen wird. Von draußen beschwor ein ums andere Mal sein Ensemble, um ihnen weiter den Glauben an einen großartigen Schlussakkord einzuimpfen. Nachdem fast die Hälfte aller Queckenberger Akteure trotz bester Einschussmöglichkeiten das Runde nicht im Eckigen unterbringen konnte, zwirbelte Schmitz einen Volleykracher aus halbrechter Position in den linken Gambel. Sein siebter Saisontreffer war einmal mehr eine Augenweide für alle Feingeister und Kunstliebhaber und bedeutete zugleich Erlösung für das bangende rot-weiße Publikum (77.). Auch in den sich daran anschließenden ca. 20 Minuten inklusive einer großzügigen Nachspielzeit berauschten sich die Queckies weiter an ihren Künsten und drängten auf die Vorentscheidung. Da diese den sturmgewaltigen Voreiflern jedoch einfach nicht gelingen wollte, musste urplötzlich aus dem absoluten Nichts noch um die hoch verdienten drei Punkte gezittert werden. Mit einem absolut fragwürdigen Handelfmeter brachte der ansonsten sehr besonnen und umsichtig leitende Referee, die Gastgeber scheinbar zurück ins Spiel. Doch der hypnotische Blick von Iceman Dennis Claßen befahl die Kugel an den rechten Pfosten und von da ins Seitenaus. Mit diesem enormen psychologischen Pluspunkt und deutlichen konditionellen Vorteilen wurden souverän die Minuten von der Uhr genommen. Beinah hätte Uygur seinem grandios-virtuosen Auftritt mit einer direkt verwandelten Ecke noch ein Krönchen aufgesetzt. Doch sein gefühlvoller Chip surrte an die Querlatte.
Aufgrund der absolut einseitigen zweiten Halbzeit steht ein hoch verdienter, wenn auch knapper Auswärtssieg für den RWQ zu Buche. Dabei feierte Claßen in seiner Karriere mittlerweile die elfte Partie ohne Gegentreffer. Die Kerle von der Madbach erobern mit diesem Erfolg Platz drei zurück und wollen diesen am Ostermontag ab 15 Uhr gegen den FC Flerzheim II verteidigen. Mit dieser Truppe hat man eh noch ein nicht gerade kleines Hühnchen zu rupfen, aufgrund der etwas ominösen Begleiterscheinungen aus dem Hinspiel. Leider konnte sich am letzten Sonntag die zweite Garde unter Hansi Weinand trotz eines couragierten Auftritts bei SV Swisttal nicht belohnen. Am Ende hieß es 2:4 aus Sicht der Queckenberger Reserve. Vielleicht kann man ja ebenfalls am Ostermontag bereits ab 12:30 Uhr auf dem heimischen Mount Queck gegen den TuS Odendorf II den ersten Dreier im Jahre 2022 einfahren.
Erste Garde: Claßen – Declair, Uygur, Azizoglu, Savas – Schmitz, Klemm, Paffenholz, Bures, Gümüs – Ring.
Verstärkung: Erol, Jentsch, Krieger Eiserne Reserve: C. Döring, D. Döring.
Für den
SV Rot-Weiß Queckenberg
Daniel Kunze
