Zaki und Benjamin Hassan bei den Tennis-Rheinlandmeisterschaften nicht zu schlagen
Wieder zwei Titel an Vater und Sohn
Auch Fabienne Schmidt erneut erfolgreich – Trotz der Kälte gut besuchtes Turnier
Koblenz. Zum dritten Mal Vater und Sohn: Nach 2013 und 2014 waren Zaki und Benjamin Hassan (TC Neuwied) erneut erfolgreich bei den Tennis-Rheinlandmeisterschaften. In einer Wiederholung des Vorjahres-Finales gewann Benjamin den Titel in der Herren-Sonderklasse durch ein diesmal mühsam erkämpftes 6:3, 2:6, 10:4 gegen den Bad Emser Florian Broska, Vater Zaki war bei den Herren 55 nicht zu schlagen. Auch in der Damen-Sonderklasse triumphierte die Titelverteidigerin, Fabienne Schmidt (TC Höhr-Grenzhausen) schlug Jelena Vucic vom HTC Bad Neuenahr mit 6:3, 6:4.
„Ich hatte gedacht, es würde so weitergehen wie im letzten Jahr“, meinte der jetzt viermalige Rheinlandmeister Benjamin Hassan in Erinnerung an seinen glatten Erfolg 2015. Aber diesmal machte es Broska dem Quadrupel-Champion deutlich schwerer. „Nach hektischem Beginn war ich im zweiten Satz lockerer und habe nicht mehr so verkrampft gespielt“, erklärte Broska, „leider hat sich das im Matchtiebreak nicht fortgesetzt.“ Mit zwei Doppelfehlern „habe ich Punkte unnötig verschenkt“, bei 4:8-Rückstand „war die Sache entschieden, dafür schlägt mein Gegner zu gut auf.“ Seriensieger Benjamin Hassan profitierte in dieser Phase des Finales, das mit fortlaufender Spielzeit an Qualität gewann, von seiner Stärke: „Ich kann mich in engen Situationen gut konzentrieren.“ Als Ulrich Klaus, Präsident des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) wie des Tennisverbandes Rheinland (TVR), den Siegerpokal überreichte, kam zum Abschluss dieser vier gelungenen Meisterschaftstage, an denen Spieler, Helfer und Zuschauer tapfer den Eisheiligen trotzten, sogar die Sonne raus. „Das Finale hatte Höhen und Tiefen, wie das Wetter“, so Klaus.
Gut gefüllte Zuschauer-Tribüne trotz Kälte
Erster Höhepunkt des Finaltages auf der Koblenzer Anlage der VfR Karthause war das Damen-Endspiel auf Platz eins vor gut gefüllter Zuschauer-Tribüne gewesen. „Unglaublich, wie viele Besucher trotz der Kälte gekommen sind“, staunte Präsident Klaus und fand in der durchschnittlichen Teilnehmerzahl (210 Meldungen gegen 245 im Vorjahr) sogar noch einen positiven Aspekt: „Dadurch konnten wir den wetterbedingten verspäteten Turnierbeginn am ersten Tag leichter auffangen.“
Zudem half die gute organisatorische Arbeit des VfR Karthause; der Verein wird auch die diesjährigen Rheinland-Jugendmeisterschaften vom 8. bis 10. Juli ausrichten.
Als Fabienne Schmidt und Jelena Vucic ihr Finale bestritten, blies ein kalter Nordwestern, der die Regen-/Hagelwolken vertrieb. So wie der Himmel allmählich aufklarte, gewann diese Begegnung an Spannung. Bei 6:3 und 5:2-Führung kassierte die Titelverteidigerin ein Break („Da habe ich mir zwei Doppelfehler geleistet, das darf man in so einer Phase des Spiels nicht machen“) und wurde nervös. „Jetzt bloß keinen Doppelfehler mehr“, verriet sie ihre Gedanken in dieser Phase der Begegnung, „ich habe mich überhaupt nicht sicher gefühlt.“ Das gute Gefühl kehrte erst zurück, als der zweite Matchball verwandelt war und sie sich der nächsten Herausforderung zuwandte: „Ich war noch nie Rheinland-Pfalz-Meisterin.“
Jelena Vucic, die vor zwei Jahren als 14-jährige bereits nach dem Titel gegriffen hatte, war in diesem Finale etwas zu spät in Schwung gekommen. „Fabienne hat konsequenter gespielt“, stellte sie fest und verwies auf gesundheitliche Probleme: „Ich habe Schmerzen im Arm, und nachdem ich bei den Medenspielen vor einer Woche kollabierte, musste ich sogar ins Krankenhaus.“
Einen Platz in der Damen-Sonderklasse strebt Stephanie Schmitt (TC BW Horchheim) an, die das Finale der A-Klasse gegen die Koblenzerin Ioana Porcos (TC Oberwerth) mit 6:2, 6:2 gewann. „Nächstes Jahr um den Rheinlandtitel zu spielen, das wäre eine Herausforderung“, meinte sie.
In der A-Klasse der Herren setzte sich Jonas Zabel (TC Oberwerth) nach hartem Kampf mit 6:4, 4:6, 10:5 gegen den Bad Neuenahrer Gerrit Frisch durch. „Mein Gegner hat mir alles abverlangt, zum Ende hin habe ich aggressiver gespielt und besser aufgeschlagen“, urteilte der Sieger, der noch anfügte: „Ich bestreite lieber in der A-Klasse zwei, drei enge Spiele, als in der Sonderklasse früh auszuscheiden.“
Bei den Finalspielen der Altersklassen machte der Bad Emser Seriensieger Horst Kelling, TVR-Referent Regelkunde und Schiedsrichterwesen, am frühen Vormittag (Kelling: In der ersten halben Stunde habe ich an Handschuhe gedacht) den Anfang. Bei seinem 7:6 (7:1)-Aufgabesieg gegen seinen Dauerkonkurrenten Hans-Willi Koch vom Post-SV Koblenz musste er acht Satzbälle abwehren.
Finale Herren 60 wurde zu einer glatten Sache
Eine glatte Sache war das Finale Herren 60, das Ulrich Gonsberg („Ich habe heute jeden Ball getroffen“) vom TC Rh.-W. Neuwied gegen Josef Kubis (SG DJK Andernach) in beiden Sätzen zu null gewann. Zaki Hassan, letztes Jahr wegen Knieproblemen nicht mit von der Partie, verriet nach seinem 6:1, 6:0 gegen Christoph Hilpisch (TC Rh.-W. Neuwied): „Ich sammle Titel von der Sonderklasse bis zu den Herren 75.“ Kontrahent Hilpisch anerkennend. „Er ist ein Ausnahmespieler.“
Das Linkshänder-Finale der Herren 50 entschied Guido Peckedrath (TC Oberwerth), erstmals in dieser Altersklasse, gegen Christof Einig (TC Am Kleeblatt Mayen), letztmals in dieser Altersklasse, mit 6:0, 6:1 für sich. „Als Herren 40-Regionalligaspieler darf man sich keine Blöße geben“, so Peckedrath. Für Roman Garzorz (HTC Bad Neuenahr) wurde das 6:4, 6:4-Finale der Herren 40 gegen Ales Friedl (Sportpark TC Simmern) „durch die Kondition entschieden.“ Sein Gegenüber stimmte zu: „Ich bin platt.“ Auch bei den Herren 30 gab es einen Favoritensieg: Der Bad Neuenahrer Philipp Gödtel hatte beim 6:2, 6:0 gegen Julian Mädrich (TC BW Bad Ems) „nur am Anfang Schwierigkeiten“ und gewann dann neun Spiele in Serie.
Die einzige Damen-Altersklasse beschloss fast gleichzeitig mit dem Herren-Sonderklassenfinale diese 67. TVR-Titelkämpfe.
Sabine Wächter (TC Metternich) gewann bei ihrem ersten Meisterschaftsauftritt gleich den Titel bei den Damen 40 mit 6:1, 2:6, 10:7 gegen Christine Hölzke (TC RL Lahnstein) und meinte. „Jeder hätte gewinnen können, es ging hoch und runter.“ Nach ihrem letzten Ballwechsel auf Platz vier wendeten sich die beiden Frauen dem Geschehen zwei Plätze entfernt zu, wo Benjamin Hassan gerade seine vierte Meisterschaft unter Dach und Fach brachte. Ob er diesen Titel verteidigen wird, ist ungewiss, es winkt ein College-Aufenthalt in den USA. „Eine Chance, die ein junger Mensch nutzen sollte“, befand TVR-Präsident Klaus. Entscheidungshilfe kann ein Blick in die Turnierchronik leisten: 2012, ein Jahr vor dem Beginn von Hassans Siegeszug, standen sich zwei US-Collegeboys während ihrer Semesterferien im Rheinland-Finale gegenüber.
Thomas Wächtler
Zum vierten Mal in Folge wurde Benjamin Hassan (TC Neuwied) Rheinlandmeister auf dem Freiplatz. Foto: Wolfgang Heil
