Rad und Run am Ring
Wind wirbelte den Zeitplan kräftig durcheinander
Nürburgring. Welcher Motorsportfan kennt sie nicht, die legendäre Nordschleife und die zurzeit wohl populärste Motorsportveranstaltung auf dem Kurs durch die Eifelwälder, das 24-Stunden-Rennen für Tourenwagen. Mitte Mai hatten wieder zehntausende Fans, begleitet vom Dröhnen der PS-Boliden, die Nacht zum Tage gemacht. Auch am vergangenen Wochenende wurde am Ring erneut die Nacht zum Tag, dabei verzauberte aber nicht das Röhren der Motoren die Fans, sondern das leise Surren der Fahrradketten der Teilnehmer des 24h-Rennens von „Rad und Run am Ring“.
„Run am Ring“ hieß der erste Programmpunkt am Samstagmorgen, bei dem über die drei Streckenvarianten von fünf, zehn und 24,4 Kilometern insgesamt 1481 Läufer das Ziel erreichten. Mit Phillip Reid gab es auf der 24,4-Kilometerdistanz erstmals in der 35-jährigen Geschichte des Nürburgringlaufes einen US-amerikanischen Sieger. Der 30-jährige US-Boy blieb mit einer Zeit von 1:29:57 Stunden als Einziger unter 90 Minuten. Rang 2 und 3 belegten mit Torben Kirchner und Martin Skalsky zwei deutsche Athleten, die 17 beziehungsweise 77 Sekunden später das Ziel erreichten. Bei den Frauen sicherte sich Nicole Möbus aus Remseck mit einer Zeit von 1:41:23 Stunden den Sieg. Lokalmatadorin Nicole Krämer aus Kelberg verpasste als Vierte mit 2:02:36 Stunden nur knapp das Podium.
Der Nürburgringlauf, der als ehemaliges Aushängeschild der sportlichen Veranstaltungen abseits des Renngeschehens in den Neunzigerjahren mehrere tausend Athleten in die Eifel lockte, wurde jedoch von den Radsportlern zahlenmäßig weit überflügelt. Über 10.000 Radsport begeisterte Teilnehmer erwartet der Veranstalter auch in diesem Jahr wieder zu den Raddisziplinen. Doch das schlechte Wetter machte am vergangenen Wochenende auch vor der Eifel nicht halt. Während die Laufwettbewerbe am Samstagmorgen trotz widriger Bedingungen mit Wind und Regen noch durchgeführt werden konnten, war an einen Start der Radrennen zu dem geplanten Zeitpunkt am Mittag nicht zu denken. Aufgrund der starken Windböen wurde der Start zunächst auf 16 Uhr verschoben. Um 15 Uhr dann die enttäuschende Entscheidung für tausende der angereisten Radsportler: „Die aktuelle Wetter-Prognose zwingt uns, die Jedermann-Rennen über 25 km, 75 km und 150 km ersatzlos abzusagen. Der Start der 24h-Rennen wird nochmals verschoben. Startaufstellung ist ab 19.15 Uhr, Start 24h-eBike um 19.45 Uhr, Start 24h-Rad um 20 Uhr und Start 24h-MTB um 20.05 Uhr,“ so das Kommuniqué des Veranstalters. Der neue Zeitplan konnte eingehalten werden und so blieb den Fahrern und Fans die Top-Disziplin von „Rad am Ring“, wenn auch auf 17 Stunden verkürzt, doch noch erhalten. Für die Mountainbiker war natürlich das 24h-MTB-Rennen das Spannendste, was die Veranstaltung zu bieten hatte. Auf die Fahrer wartete ein circa acht Kilometer langer Rundkurs, der mit rasanten Abfahrten, engen Kurven und steilen Anstiegen ihrer Körperbeherrschung und Kondition alles abverlangte. 36 Mal rundete der Tscheche Thomas Kozak die Kraft raubende Strecke und verwies damit die Moselaner Hermann Richard (Zell) mit 35 Runden und Michael Burkowski (Bullay) mit 34 Runden auf die Plätze 2 und 3. Die Königsdisziplin von „Rad am Ring“ war und blieb aber das 24-Stunden-Rennen durch die „Grüne Hölle“. Über 4400 Radsportler stellten sich sowohl als Einzelkämpfer als auch im Team der Herausforderung des Rennens. Nach 19 Runden mit 25 Kilometern und 580 Höhenmetern je Runde setze sich bei den Einzelfahren Michael Bitter in 16:43:54 Stunden durch. Das Einzel-Klassement der Frauen gewann Heike Priess mit 14 Runden.
Unter die vielen tausend Breitensportler hat sich am Nürburgring auch einiges an Prominenz gemischt. Der Sieger der diesjährigen Österreich-Rundfahrt Victor de la Parte, der mit seinem 4er-Team aus Vorarlberg Platz 1 in der 4er-Wertung belegte. Bereits am Freitag hatte der Österreicher das Zeitfahren über 22 Kilometer in 00:31:11 für sich entschieden. Radprofi Christian Knees war beim Team „de Ledschends -1.1“ mit am Start und wurde mit diesem Zweiter. Der olympische Silbermedaillen-Gewinner Roger Kluge belegte mit seinem den 5. Platz. Weitere prominente Teilnehmer waren unter anderem Biathlon-Olympiasiegerin Petra Behle und Bob-Olympiasieger Christophe Langen im Team „Tour der Hoffnung“ sowie DTM-Legende Manuel Reuter, der in einem 8er-Team der Post Speed Academy startete.
