AsF-Vallendar: Stadtführung „Frauenblicke“
Andernach von seiner weiblichen Seite entdeckt
Vallendar / Andernach. Am Donnerstag, 8. Juni nahm die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen an einer besonderen Stadtführung unter dem Titel „Frauenblicke“ in Andernach teil. Um 16.30 Uhr wurden die Teilnehmerinnen von der Stadtführerin Ellen Graf mit einem Glas Sekt in der Touristikinformation in Andernach begrüßt. Bei dieser Themenstadtführung lernten die Teilnehmerinnen Andernach von seiner weiblichen Seite kennen. Frau Graf führte die Frauen zuerst zum runden Turm. Das Wahrzeichen der Stadt wurde 1440-1453 erbaut und hat eine Höhe von 56 Metern. In diesem Turm wurde 1523 eine angebliche Hexe Grete Kraft gefangengehalten, verhört und sicherlich auch gefoltert.Sie ist nach 76 Tagen dann verstorben. Weiter geht es zum Mariendom, auch Liebfrauenkirche genannt. Die spätromanische Kirche wurde in den Jahren bis 1220 vom Trierer Erzbischof Johann I. erbaut. Er war damals der geistliche Herr in Andernach, während dem Erzbischof von Köln die weltliche Herrschaft oblag.
Die Gruppe bewunderte unter anderem das Bildnis „Die Krönung Mariens“ über dem Altar, das Ungarnkreuz, gespendet von Pilgern Österreich-Ungarn, den Taufstein, den Alabasteraltar, das sogenannte „Zehresgräbchen“ und den wunderbaren Bronzekronleuchter, gespendet von Nachfahren des japanischen Professors Nagayoshi Nagai und Therese Schumacher zum 100-jährigen Bestehen der Eheschließung. Nagai heiratete die aus einer wohlhabenden Andernacher Familie stammende Therese Schumacher 1886. Sie zog mit ihm nach Japan und erhielt dort an der 1901 von Nagai gegründeten ersten japanischen Frauenuniversität eine Professur für deutsche Sprache.
Außer Therese gab es noch einige Frauen, die im Laufe der Geschichte die Geschicke Andernachs mitbestimmten. Zu nennen sind die Beginen, die sich mit Handarbeiten ihr eigenes Geld verdienten. Das ewige Fräulein Maria Magdalena Henriette Thekla von Düsseldorf, die einen Teil ihres Vermögens nach ihrem Tod 1916 der Stiftung St. Nikolaus-Stiftshospital Andernach vermachte. Im 12. Jahrhundert machte sich die Annuntiaten-Äbtissin Texwindis im Kloster vor den Toren der Stadt dafür stark, dass auch mittellose Frauen Nonne werden durften.
Frau Graf führte nun die Gruppe an den Bäckerjungenbrunnen mit Fränzje und Döres und natürlich durfte die Bäckerjungensage nicht fehlen. Im historischen Rathaus (1561-1574) wurde Gelegenheit gegeben, die unter dem heutigen Sitzungssaal befindliche noch erhaltene mittelalterliche Mikwe, ein jüdisches Kultbad zu besichtigen. Es ist ein rituelles Tauchbad und muss aus lebendigem Wasser bestehen. Der Wasserspiegel steigt und fällt auch heute noch mit dem Rheinpegel. Als die Pest ausbrach, wurden alle Juden vertrieben.
Zum Abschluss durften die Frauen auch noch einen Blick auf und in das älteste Kaufhaus der Stadt werfen.
Nach diesen schönen, interessanten Eindrücken ließen die Teilnehmerinnen den Abend im wunderschönen Garten im Weinhaus Merowinger Hof ausklingen. Nach einem guten Essen bei lebhaften Gesprächen fuhren alle wieder zurück nach Vallendar.
Jutta Hofmann
AsF-Vorsitzende
Fotos: Privat
