Deutscher Hausfrauen-Bund OV Vallendar e.V.
Auf Goethes Spuren in Weimar und Umgebung
Vallendar. Nach dem letztjährigen Besuch von Wetzlar begaben wir uns erneut auf Goethes Spuren. Die auch diesmal von Herrn Meyer-Sommer, der sich schon seit seiner Schulzeit mit Goethe beschäftigt, geleitete Reise führte uns diesmal an historische Plätze in Weimar und Umgebung. Dank der exzellenten Vorbereitung bereits auf der Anreise und der Aushändigung vieler Texte und Bilder an die Teilnehmer waren alle für die Besuche der historischen Orte bestens gerüstet. Von Apolda aus, wo wir unser „Quartier aufgeschlagen hatten“, besuchten wir die Gedenkstätte von Christoph Martin Wieland. Dort, in Oßmannstedt, übersetzte er antike Schriften, verfasste Novellen und Romane, gab Zeitschriften heraus und empfing zahlreiche Gäste. Zu Wielands Besuchern gehörten unter anderem auch Johann Wolfgang Goethe, das Ehepaar Herder, Herzogin Anna Amalia, seine Jugendliebe Sophie La Roche, Sophie Brentano, deren Bruder Clemens Brentano, Jean Paul und Heinrich von Kleist. Von Wieland begleitet, verfassten sie hier eigene Werke. Als Christoph Martin Wieland am 18. Februar 1813 starb, hielt Goethe die Trauerrede auf seinen Dichterkollegen. Die beiden hat viel mehr verbunden als nur die Literatur. Seinem Wunsch gemäß fand Wieland 1813 seine letzte Ruhestätte an der Seite seiner Frau und Sophie Brentanos im Oßmannstedter Gutspark. Das Grab befindet sich unter einem dreiseitigen Obelisken in einer Schleife der Ilm. Nach einem anschließenden Bummel durch die Altstadt von Apolda fanden wir uns zum gemeinsamen Abendessen im Hotel ein. Der Weg durch Weimar begann am nächsten Morgen auf dem Historischen Friedhof am Poseck´schen Garten, auf dem außer Goethe und Schiller viele weitere Persönlichkeiten aus dem Umfeld Goethes ihre letzte Ruhestätte fanden. Der parkähnliche Friedhof wurde 1818 angelegt. Goethes und Schillers Särge sind hier in der Fürstengruft zu besichtigen. Auf dem Historischen Friedhof erheben sich die vergoldeten Zwiebeltürme der russisch-orthodoxen Grabkapelle der russischen Großfürstin Maria Pawlowna, die Großherzog Carl Friedrich, Sohn von Carl August, geheiratet hat. Die Grabkapelle wurde von 1860 bis 1862 für die russische Zarentochter hier gebaut. Für Ihre letzte Ruhestätte wurde eigens Erde aus Russland herbeigeschafft. Die Russisch-Orthodoxe Kirche kann besichtigt werden und ab und zu finden dort auch Gottesdienste statt. Über das Universitätsgelände und durch die Parkanlagen vorbei an Goethes Gartenhaus gelangten wir zurück in das „Klassische Viertel“ von Weimar. Glücklicherweise erhielten wir an diesem Tag die Gelegenheit zum Besuch der nach dem Brand renovierten Anna-Amalia-Bibliothek. Gut vorbereitet von Herrn Meyer-Sommer und ausgestattet mit einem Audio-Guide konnten wir die wunderschön ausgestalteten Räume bestaunen und auf uns wirken lassen. Aber auch Kultur macht hungrig.
Der Empfehlung unseres Reiseleiters folgend trafen wir uns alle auf dem „Frauenplan“, wo es die beste Thüringische Bratwurst geben soll. Gestärkt setzten wir unseren Stadtrundgang durch das Herder- und Jakobsviertel fort. Herr Meyer-Sommer eröffnete uns den Blick auf die Stadt Weimar zu Goethes Lebzeiten. Er berichtete über Zeitgenossen, Mitbürger, Herrschende, Literaten, Philosophen und das Alltagsleben. Dabei zeichnete er ein sehr menschliches Porträt mit vielen Stärken und auch vielen Schwächen von Johann Wolfgang von Goethe. Die letzte Station dieser Spurensuche war der Besuch der Jakobskirche und des Jakobsfriedhofes. Hier befindet sich das Grab von Goethes Frau Christiane Vulpius.
Die Ruinen der romanischen Säulenbasilika des Klosters Paulinzella, ein beeindruckendes Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert, war das erste Ziel am Folgetag. Im Jahre 1817 besuchte Goethe diesen Platz, nach seinen Angaben zum ersten Mal, aus Anlass seines 68. Geburtstages. Später entdeckte man in seinen Aufzeichnungen einen Hinweis auf einen Besuch bereits 20 Jahre zuvor. Hier zeigen sich Dichtung und Wahrheit…. Weiter ging die Fahrt zum Kickelhahn, einem 861 Meter hohen Berg in der Nähe von Ilmenau. Goethe, der insgesamt 28-mal in Ilmenau zu Besuch war, wanderte zwischen 1780 und 1831 mehrmals zum Kickelhahn. Wenige Minuten vom Gipfel entfernt steht das „Goethehäuschen“, das von Herzog Carl August im Sommer 1783 als Jagdunterkunft unterhalb des Gipfels errichtet wurde. Goethe schrieb in der Nacht vom 6. auf den 7. September 1783 sein Gedicht „Wandrers Nachtlied - Ein Gleiches“ („Über allen Gipfeln ist Ruh…“) auf die Bretter über einem Fenster. Ganz im Sinne von Johann Wolfgang von Goethe „Nur, wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“, lädt ein 20 km langer „Goethewanderweg“ zwischen Ilmenau und Stützerbach ein. Nur einem kleinen Teil dieses Weges folgten wir an diesem Tag. Ein zünftiges Mittagessen in der Berggaststätte Kickelhahn rundete diese Reise auf den Spuren Goethes ab, bevor wir uns mit dem Bus auf den Heimweg begaben.
Reisevorbereitung im Hotel AvH.
Christoph Martin Wielands Grabstätte.
