„Das Ganze im Fragment“
Professor P. Dr. Johannes Rütsche SAC feierlich emeritiert
Vallendar. Mit seinen eindrucksvollen autobiographischen Notizen „Mein persönlicher Weg mit der Kirche und der Philosophie“ verabschiedete sich am 18. Januar 2013 der Philosophieprofessor und Pallottiner Johannes Rütsche aus seinem aktiven Lehrdienst an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar.
Dabei habe er nach seinem Abitur und Studium keineswegs direkt die Laufbahn eines typischen Priesteramtskanidaten absolviert, so Rütsche.
1944 in Worb nahe Bern (Schweiz) geboren, wuchs er als viertes Kind engagiert gläubiger Eltern auf.
In dieser Nachkriegszeit konnte er das lebendige Engagement seiner gläubigen Eltern mitverfolgen, die vor Ort eine noch heute lebendige Kirchengemeinde aufgebaut hatten und so ermöglichten, dass in Worb regelmäßig die Sonntagsmesse gefeiert werden konnte.
Nach seiner Grundschulzeit absolvierte er im Internat des Gymnasiums der Bethlehem-Missionare sein Abitur. Anschließend ging er im Herbst 1963 nach Leuven, um dort Philosophie zu studieren. Dort wurde seine Seelenverwandtschaft mit Thomas von Aquin grundgelegt.
Die kommenden Jahre in München forderten ihn in existenzieller und wissenschaftlicher Hinsicht, so Rütsche. Neben seinem Studium arbeitete er als Übersetzer, bis er 1974 an der Universität in St. Gallen eine Assistenzstelle am Lehrstuhl für Philosophie übernahm.
Nach einer Lebenswende, die ihn wieder näher zur Kirche brachte, fasste er 1987 den Entschluss, Priester zu werden und nahm das Theologiestudium in Freiburg auf.
Im Jahre 1992 wurde er zum Priester geweiht. Und fünf Jahre später gelang ihm der Abschluss seiner Doktordissertation über Wilhelm Diltheys Hermeneutik. Und ein weiterer Schritt dieses Lebens mit vielen Stationen war dann, mit 48 Jahren, der Eintritt in die pallottinische Gemeinschaft.
So lehrte er nun seit 2000 an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Philosophiegeschichte, Erkenntnistheorie und Hermeneutik. In dieser Zeit wuchs ihm neben der Forschungs- und Lehrtätigkeit eine weitere Aufgabe zu: die menschliche Betreuung der ausländischen Promoventen, denen er besonders zugetan war.
„Wie das Ganze sich im Fragment spiegelt“, so fasste Dekan Markus Schulze, ein Landsmann von P. Rütsche, den immer wieder neu beginnenden wissenschaftlichen und menschlichen Weg von ihm zusammen. Er verglich Rütsches Gestalt mit der Diltheys. Beide erkannten, dass es zufrieden zu sein gilt, solange man unterwegs bleibt, auch wenn das große Ziel einer Gesamtschau nicht erreicht werden kann. Dass diese Pilgerexistenz ihm auch weiterhin Freude schenke, das wünschten ihm neben Dekan Schulze die Kollegen der Fakultät, viele aus der Schweiz angereiste Gäste, Ordensschwestern aus Koblenz und Eibingen (bei denen er als Seelsorger wirkt) und nicht zuletzt auch der Provinzial der Schweizer Pallottiner-Provinz, P. Adrian Willi SAC, der im Festgottesdienst die Ansprache hielt.
