Spannende Geschichte(n) der Niederwerther Kirche - Folge 3
Die Ölbergszene in der Niederwerther St. Georgskirche
Niederwerth. Wer die wunderschöne spätgotische Klosterkirche Niederwerth betritt, dem fällt gleich hinter der Marienstatue, dort wo sich der Kirchenraum nach der Empore zur vollen und imposanten Höhe weitet, auf der nördlichen Seitenwand ein Wandgemälde auf, das, obschon es auf dem ersten Blick sehr dunkel erscheint und leider von Kirchenbänken zugestellt ist, einer genaueren Betrachtung wert ist.
Es handelt sich dabei um eine Ölmalerei, die direkt auf den Putz aufgetragen ist und die thematisch Bezug nimmt auf die biblische Szene aus der Passionsgeschichte, in der Jesus kurz vor seiner Festnahme betet und seine Jünger bittet, mit ihm zu wachen und zu beten, was diesen aber aufgrund großer Müdigkeit nicht gelingt. Links unten in der Malerei sind die schlafenden Jünger zu sehen, darüber die römischen Soldaten mit Judas an deren Spitze, während rechts oben der betende Jesus dargestellt ist. Dieser ist als Plastik auf einem Sockel der Malerei vorgestellt.
Die Malerei gehört in Teilen, zumindest was die Köpfe der Apostel und die Schar der Häscher mit Judas angeht, dem 16. Jahrhundert an und stammt somit noch aus der Frühgeschichte des Gebäudes. Starke Zerstörungen, wahrscheinlich durch die vielen Hochwasser und die damit verbundene Feuchtigkeit in den Grundmauern des Kirchengebäudes, führten im 17. Jahrhundert zu einer barocken Übermalung und zum Hinzufügen der Jesusplastik.
Nachdem das Gemälde 1977 wieder in der ursprünglichen Form hergestellt werden konnte, war es Anfang der 2000er Jahre wegen der beiden großen Hochwasser 1993 und 1995 wieder so stark beschädigt, dass es mit Unterstützung der Landesregierung von Rheinland-Pfalz wieder vollkommen renoviert und versiegelt werden musste. Die Initiative für diese großzügige Tat ging seinerzeit vom damaligen Ministerpräsident Kurt Beck aus, der die Malerei und deren schlechten Zustand gesehen und deren kulturellen Wert für die Kirche und die Insel erkannt hatte.
Die schlafenden Jünger.
