Das Orchester der Generationen zu Gast bei der Rheinischen Philharmonie
Erlebnisreicher und einzigartiger Abend
Urbar. Schon seit Wochen gespannt waren die Musiker des Orchesters der Generationen (OdG), denn der Intendant der Rheinischen Philharmonie, Frank Lefers und Konzertpädagogin Lena Voss hatten eingeladen, bei einer Orchesterprobe im Görreshaus teilzunehmen. Nicht etwa bei irgendeiner Probe: Auf dem Programm standen das Konzert für Marimba und Streicher von Emmanuel Séjourné und die Fantasia für Marimba und Streicher „The Sheep and the Werewolf“ von Lindsay Davidson. Nun ist es ja schon selten genug, dass man ein Konzert für Marimbaphon (eine Variante des Xylophons) im Konzertsaal hört. In diesem Falle aber war darüber hinaus Schlagzeuger Michael Zeller der Solist, der vor kurzem die Patenschaft für das Orchester der Generationen übernommen hatte. Der besondere Clou: Die Laienmusiker des OdG durften mitten im Orchester Platz nehmen und konnten ihren Profikollegen praktisch über die Schulter und in die Noten schauen. Näher dran sein konnte man nicht.
Konzentrierte Spannung zunächst bei Dirigent und Orchester, denn das optimale Tempo musste erst noch gefunden und das ganz exakte Zusammenspiel an kritischen Stellen geprobt werden. Aus Sicht der Laien erstaunlich schnell waren diese Klippen jedoch überwunden, so dass Gastdirigent Gudni A. Emilsson zu den vermeintlichen Details übergehen konnte: „Etwas weniger Bogen bitte!“ Die Streicher ließen also die Bögen quasi über die Saiten flitzen, hielten damit die Noten etwas kürzer aus und schon klang alles ganz verändert. Bereits nach wenigen Anläufen hatte man das Gefühl, dass die Profis genau wussten, auf was es ihrem musikalischen Leiter ankam. Das lag sicher auch daran, dass Emilsson, der übrigens gebürtiger Isländer ist, offenbar einen guten Draht zum Orchester hatte. Und nun begann erkennbar auch der Spaß für die Musiker der Rheinischen - hier und da war durchaus ein verschmitztes Lächeln zu sehen, wenn man sich bei der ansteckenden Rhythmik der teilweise sehr folkloristischen Werke so richtig ins Zeug legen durfte.
Der Höhepunkt des Abends jedoch war natürlich der solistische Auftritt von Michael Zeller. In jeder Hand zwei Schlegel fegte er über das Marimbaphon und entfachte ein virtuoses Feuerwerk, dass einem nur so schwindelig werden konnte. Aber nicht nur das: Erstaunliche Klangschattierungen vom leisesten pianissimo bis zum kernigen forte - mal glockenhell, mal eher rauh und holzig waren zu hören und gaben der Musik ihre besondere Stimmung. „Gut, das war´s für heute. Wo steht das Bier?“ rief Dirigent Emilsson nach 2 Stunden Probe bestens gelaunt und augenzwinkernd in die Runde. Die Stommel Stiftung als Trägerin des OdG hatte nämlich als Revanche für die Gastfreundschaft der Philharmoniker einen kleinen Umtrunk im Foyer des Görreshaus organisiert. Hier konnten sich Laien und Profis noch ausgiebig austauschen.
Als man schließlich gegen 23 Uhr auseinander ging, konnten die Laienmusiker die Erinnerung an einen erlebnisreichen und einzigartigen Abend mit nach Hause nehmen.
Die Gastgeber - Frank Lefers und Lena Voss.Foto: privat
Michael Zeller im Proberaum des Görreshauses.
Die Musiker im Gespräch.
Notenarchivar Johannes Schmidt berichtet über Erlebnisse im Alltag der Rheinischen.
