Männergesangverein Diana 1878 Vallendar e.V.
Industriekultur im Saarland und Geschichte in Frankreich
Sangesfreunde begaben sich auf ihre traditionelle Herrentour
Vallendar. In diesem Jahr führte die traditionelle Herrentour den MGV Diana vom 23. bis 25. Juni in das Saarland nach Saarlouis.
Im Belginum Archäologiepark bei Morbach machten die Sangesfreunde einen ersten Halt und verschafften sich einen kurzen Einblick in das Leben in keltischer und römischer Zeit.
Die Fahrt ging weiter nach Düppenweiler mit seinem historischen Kupferbergwerk.
Die Kupfermine wurde, nachdem ein Landwirt 1723 kupferhaltiges Gestein entdeckt hatte, über 250 Jahre mit unterschiedlichem Erfolg ausgebeutet. Letzter Betreiber war die Dillinger Hütte, die das Bergwerk 1916 endgültig stillgelegt hat. Ab 1992 wurde die Anlage durch einen Förderverein als Besucherbergwerk hergerichtet und kann seit 1995 besichtigt werden.
Die Sangesfreunde erhielten eine interessante Führung unter und über Tage.
Unter Tage erfuhr man viel über die Bedingungen, unter denen früher die Erze abgebaut wurden und mit welchen Widrigkeiten die Bergleute zu kämpfen hatten. Über Tage wurde die nach historischem Vorbild errichtete Kupferhütte mit Pochwerk, Schmelzhütte und den Maschinenanlagen im Betrieb gezeigt.
Bestens informiert ging es weiter zum Reiseziel Saarlouis. In einem netten Hotel in der Innenstadt wurden die Zimmer bezogen und ein erster Erkundungsgang gemacht. Bald war ein passendes Lokal gefunden, wo man den Tag gemütlich bei Speis und Trank ausklingen ließ.
Besuch im Weltkulturerbe Völklinger Hütte
Am nächsten Tag nach dem Frühstück machte sich die Reisegruppe auf den Weg zum Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Dort war wieder eine Führung vorgesehen.
Die Völklinger Hütte ist ein 1873 gegründetes ehemaliges Eisenwerk in der saarländischen Stadt Völklingen. Es wurde 1986 stillgelegt. 1994 erhob die UNESCO die Roheisenerzeugung der Völklinger Hütte als Industriedenkmal in den Rang eines Weltkulturerbes der Menschheit. 2007 wurde sie für die Auszeichnung als historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland nominiert. Sie ist ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention. Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist heute ein wichtiger Standort der Industriekultur in Europa. Es wird jährlich von mehreren 100.000 Besuchern aufgesucht.
Spannende Werksführung
Die spannende Führung durch einen früheren Werksangehörigen vermittelte einen eindrucksvollen Einblick in die Stahlerzeugung und die Arbeitsbedingungen in der Völklinger Hütte. Der Vortrag wurde mit vielen Anekdoten und Geschichten gewürzt.
Nach dieser großartigen Werksführung ging es zurück nach Saarlouis, wo bereits eine Stadtführerin auf die Reisegruppe wartete. Saarlouis wurde 1689 vom „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. gegründet und zur Festung ausgebaut. Die Festung galt zur Erbauungszeit als uneinnehmbar, weil sie im Verteidigungsfall überschwemmt werden konnte. 1887 wurde sie geschleift. Die Festungsanlagen prägen aber mit ihren charakteristischen Anlagen bis heute das Stadtbild, zum Beispiel die sechseckige Sternform, die auf dem ehemaligen Stadtgraben verlaufenden Ringstraßen oder vom Zentrum ausgehende rechtwinkelige Straßenzüge.
Seit 2006 ist Saarlouis „Europastadt“, und seit 2011 darf es sich „Fair Trade“-Stadt nennen. So viel Kultur macht müde, und alle waren froh, einige Zeit abschalten zu können. Abends war die Mannschaft aber wieder fit. Man traf sich in einem Altstadtlokal und ließ sich ein gutes Abendessen und das leckere Saarländer Bier schmecken.
Ein Abstecher nach Frankreich
Der letzte Tag dieser ereignisreichen Herrentour stand ganz im Zeichen der Geschichte. Es wurde ein Abstecher nach Frankreich gemacht zur Besichtigung der Ouvrage (Festung) Hackenberg bei Veckring in Lothringen. Fort Hackenberg ist eine der größten Bunkeranlagen der französischen Maginot-Linie, die sich von der belgischen Grenze bis zum Mittelmeer erstreckt.
Das sehr gut befestigte Fort hatte eine Besatzung von 1.000 Mann und 43 Offizieren. Eine elektrische Schmalspur-Bahn verband die mehrstöckigen Bunkeranlagen. Ein großes Kraftwerk, eine Großküche und ein Lazarett machten die Anlage fast autark. Nur Wasser musste mit Kesselwagen angeliefert werden. Wegen der Umgehung der Maginot-Linie durch die deutschen Kampfverbände kam es am Fort Hackenberg bei der Besetzung Frankreichs zu keinen Kämpfen. Als die Wehrmacht Paris besetzt hatte, übergaben die französischen Verteidiger die Festungsanlage kampflos.
Die deutschen Besatzungstruppen nutzten das Stollensystem für die Einrichtung unterirdischer Fabriken. Hier wurden Industrieprodukte produziert, aber keine Waffen. Erst 1944, beim Rückzug der deutschen Wehrmacht aus Frankreich, besetzte ein deutscher Trupp den Block Nr. 8 und beschoss mit der Artillerie von dort ohne nennenswerten Erfolg die Alliierten Truppen.
Einblick in das tägliche Leben der Festungsbesatzung
Seit 1975 macht der Verein „AMIFORT“ die Anlage der Öffentlichkeit zugänglich. Im Inneren wird ein kleines Militärmuseum betrieben. Während der Führung erhält man einen Einblick in das tägliche Leben der Besatzung; Großküche, Maschinenraum, Hospital sowie das Museum sind Bestandteil der Führung. Man fährt mit der Schmalspur-Bahn und bekommt die Funktionsweise eines Panzerdrehturms vorgeführt. Der Turm ist gewartet worden und kann gedreht, gesenkt und gehoben werden.
Auch ein Aufzug ist in Betrieb.
Nach diesem Rückblick in die Geschichte ließen es sich die Sangesfreunde in einem Landgasthof mit einem ausgedehnten französischen déjeuner gut gehen.
Anschließend wurde die Heimreise angetreten, und gegen 18 Uhr kam man wohlbehalten wieder in Vallendar an. Ein besonderer Dank gilt den beiden Fahrern Willi und Rudolf. Die Beiden haben außerdem die Fahrt geplant und organisiert.
Der letzte Tag führte die Teilnehmer der Herrentour nach Frankreich.
Die Festung Hackenberg bei Veckring in Lothringen war Teil der Maginot-Linie.
