Allgemeine Berichte | 30.01.2016

Rund 250 Besucher beim dritten Akademietag der Pallottiner Vallendar

„Martin Luther verstehen“

Geballte Kompetenz (von links): Verena Hammes (DBK), Prof. Dr. Paul Rheinbay SAC (PTHV), Sr. Dr. Nichole Grochowina (Evangelilsche Communität Christusbruderschaft, Selbitz), Pfarrer Gerd Götz (Vallendar) und Prof. em. Dr. Alfred Schuchart SAC (PTHV).privat

Vallendar. Zum dritten und letzten Akademietag in diesem Jahr zum Thema „Martin Luther verstehen - Ökumene heute leben“ sind rund 250 Gäste in die Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar (PTHV) gekommen. Prof. em. Dr. Alfred Schuchart SAC, Organisator der Akademietage der Pallottiner Vallendar, machte in seiner Einführungsrede darauf aufmerksam, dass sich das Verständnis Martin Luthers geändert habe: „Die katholische Theologie sieht Luther nicht mehr als Ketzer oder kirchlichen Revolutionär, sondern als Gott-Sucher und einen wirkmächtigen Zeugen Jesu Christi.“

Die erste Referentin des Tages, Sr. Dr. Nicole Grochowina, Mitglied der Evangelischen Communität Christusbruderschaft (Selbitz), näherte sich in ihrem Anliegen, Martin Luther verstehbar zu machen, aus historischer Sicht. Die Reformation dürfe nicht auf Luther reduziert werden, doch käme der Lutherzentrierung in Anbetracht des Reformationsjubiläums eine besondere Bedeutung zu. Ausgehend von den Charakterisierungen der aktuellen Biografien (Luther als Rebell, als einer, der die Freiheit missverstanden hat, als einer, der bewegender Teil einer langjährigen Transformationsgeschichte ist), hat Sr. Dr. Grochowina darauf verwiesen, wie fremd Luther und das 16. Jahrhundert sind - und wie gut dieses zugleich sei, da es vor Vereinnahmungen schütze. Wenn es also darum gehe, Luther verstehen zu wollen, gelte es, sich zunächst durch ein Dickicht von „mystischen Bildern“ zu schlagen und sich mit den unterschiedlichsten Deutungsmustern auseinanderzusetzen, die sowohl von Gesellschaft und Kirche als auch von der Reformationsforschung angeboten werden. Entlang der Idee von Fremdheit beziehungsweise Besonderheiten der Zeit hat Sr. Dr. Grochowina einen neuen Denk- und Handlungshorizont Luthers erschlossen.

Luther verstehen heiße also, die spätmittelalterliche Kultur verstärkt in den Blick zu nehmen, um auf diese Weise zu erkennen, wo die reformatorische Theologie, aber auch ihre soziale Praxis ihren Ursprung hatte. Vor diesem Hintergrund sei dem Autor Volker Leppin zuzustimmen, dass die reformatorische Theologie „im strengsten Sinn Verstärkung der vorhandenen mittelalterlichen Tendenzen“ sei. Dass Voraussetzungen, gegebene Kontextbedingungen und Anliegen Luthers in eine dynamische Spannung eingebunden waren, zeigte die Referentin an zwei Beispielen auf, in denen Luthers Grundgedanken, aber auch seine ambivalente Haltung aufleuchten: der Umgang mit den Ketzern sowie mit dem Freiheitsverständnis der Bauern seiner Zeit. Sr. Dr. Grochowina machte deutlich, dass „zwei Naturen“ in Martin Luther schlummerten: die kontemplativ-grüblerische und die offen-kommunikative, engagiert im reformatorischen Tagesgeschäft. Diese „zwei Naturen“ können als Bild dienen, die die Fremdheit Luthers und des 16. Jahrhunderts aufschlüsseln und gleichzeitig ein Verständnis dafür entstehen lassen, wie ambivalent er auch in seinem Denken war: „Wie sich sein Denken bisweilen auch umkehren konnte, wenn die Umstände oder der innere Erregungsgrad dies erforderten“, so die Referentin. Deutlich werde dies etwa bei seiner Sicht auf die Täufer vor und nach dem Täuferreich von Münster 1534/1535. „Die Einheit der Kirche, die nicht von Ketzern herausgefordert werden durfte, und die Stabilisierung der Obrigkeit waren zwei wesentliche Elemente, die Luther dazu führten, in seinem Denken über sogenannte Ketzer eine ambivalente Haltung einzunehmen“, sagte Sr. Dr. Grochowina.

Die Forderung der Bauern nach der Befreiung von der Leibeigenschaft entsprach dem Freiheitsideal Luthers, trotzdem wandte er sich, als die Bauernunruhen seinem Aufenthaltsort näherrückten, gegen sie.

Die zweite Tagesreferentin, Verena Hammes, Projektreferentin im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn, hat sich in ihrem Vortrag ergänzend zu ihrer Vorrednerin mit dem Zugehen auf 2017 beschäftigt. „Das Verständnis des Reformators Martin Luther hat sich in der katholischen Kirche grundlegend gewandelt, von einem Mann mit sieben Köpfen zu einem Zeugen des Evangeliums“, so Hammes. „Damit wurde der Weg für eine ökumenische Verständigung geebnet, die im Zugehen auf den 500. Jahrestag des Beginns der Reformation neue Aktualität erhält.“

Verschiedene Sichtweisen

Auch wenn katholische und evangelische Christen verschiedene Sichtweisen auf die Geschehnisse des 16. Jahrhunderts haben, so bestehe doch auf der Grundlage eines über 50-jährigen intensiven Austausches von beiden Seiten der Vorsatz, 2017 in ökumenischer Verbundenheit zu begehen. „Ökumene heute leben heißt im Blick auf 2017, gemeinsam ein Christusfest zu feiern“, hielt Verena Hammes fest.

Ihren Vortrag begann sie mit einer Skizzierung der Person Luthers aus katholischer Sicht. Sie zeigte auf, dass sich das Lutherbild der katholischen Kirche grundlegend gewandelt habe: Hat Johannes Cochläus Luther noch als Zerstörer der Einheit deklassiert, so wird er heute bisweilen als „Reformkatholik“ bezeichnet, der in vielen seiner Ansichten in einer spätmittelalterlichen Theologie verwurzelt war, Einsichten der Mystik aufgegriffen hat und durch seine mönchische Herkunft geprägt war. „Damit steht er umfassender in einer katholischen Tradition, als vielleicht manch einer denkt“, so Verena Hammes.

Veränderte Bedingungen

Im zweiten Teil ihres Vortrags zeigte die Referentin auf, vor welche Herausforderungen uns das Jahr 2017 stellt und welche Schritte bisher gegangen worden sind. Dabei skizzierte sie zunächst, welche veränderten Bedingungen in diesem Reformationsgedenken im Vergleich zu den vergangenen vier Jahrhunderten vorliegen: 1. die Globalisierung, 2. die zunehmende Säkularisierung und 3. das ökumenische Zeitalter. „Allein in diesen drei Bezügen unterscheidet sich das Reformationsgedenken 2017 grundsätzlich von den anderen vorausgegangenen, weil alle vorangegangenen Jahrhundertfeiern in erheblichem Maß politisch oder kirchlich motiviert waren“, erklärte Verena Hammes. Anschließend zeigte sie sechs Initiativen auf, die zur Ausgestaltung des Christusfestes beitragen sollten, unter anderem ein großer ökumenischer Versöhnungsgottesdienst und eine gemeinsame Pilgerreise von katholischen und evangelischen Bischöfen nach Israel.

Bei der sich anschließenden Diskussion diskutierten mit den Besuchern des Akademietages neben den Referentinnen des Tages Pfarrer Gerd Götz aus Vallendar sowie Prof. Dr. Paul Rheinbay SAC, Rektor der PTHV, als Moderator. Fragen nach einer lebbaren Ökumene und Erwartungen an die Zeit nach dem Reformationsgedenken wurden ebenso gestellt wie Überlegungen zu den Fragen: Was sind die heutigen Verdunklungen? Wo wollen wir hin in der Ökumene? Die Akademietage der Pallottiner Vallendar werden in Zusammenarbeit mit der Fachstelle der Katholischen Erwachsenenbildung Koblenz und der Katholischen Erwachsenenbildung Westerwald-Rhein-Lahn veranstaltet und fanden in diesem Jahr zum 40. Mal statt.

Geballte Kompetenz (von links): Verena Hammes (DBK), Prof. Dr. Paul Rheinbay SAC (PTHV), Sr. Dr. Nichole Grochowina (Evangelilsche Communität Christusbruderschaft, Selbitz), Pfarrer Gerd Götz (Vallendar) und Prof. em. Dr. Alfred Schuchart SAC (PTHV).Foto: privat

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