Zweiter Waldtrek für Jugendliche aus Vallendar
Mit Salamandern wandern
Vallendar. Zwei Tage und Nächte im Wald mit minimaler Ausrüstung haben 21 junge Leute im Alter zwischen zwölf und 23 Jahren kürzlich beim Waldtrek der ev. Jugend Vallendar verbracht.
Für die Kooperationsveranstaltung mit dem Forstrevier der Stadt hatten die Jugendlichen Material und Verpflegung selbstständig zusammengestellt. Was fehlte, wurde unterwegs ergänzt und improvisiert. Vom ev. Gemeindezentrum auf dem Mallendarer Berg aus führte der Weg über das Kalterbachtal zur Montabaurer Höhe und zurück über den Pedel. Die Teilnehmenden schliefen in der ersten Nacht unter freiem Himmel, in der zweiten bei Starkregen in einer Schutzhütte. Gemeinsam zerlegten und grillten sie ein Reh und mehrere Forellen. Dazu gab es Wasser aus Quellbächen. „An einer Stelle mussten wir sehr vorsichtig schöpfen, weil dort junge Feuersalamander ihr Zuhause haben“, erinnert sich eine der Teilnehmerinnen. Ein ausgewachsenes Exemplar entdeckten die jungen Leute im nahe gelegenen Wald und beobachten es eingehend. Unterwegs verdeutlichte Achim Kern ökologische Zusammenhänge: „Sich selbst unter einfachsten Bedingungen beim Waldtrek zu erleben, ermöglicht jungen Leuten unmittelbare Eindrücke vom Wald. Die Jugendlichen wissen oft schon eine Menge und können dieses Wissen in konkreten Situationen anwenden. Langsam kann so Verständnis für die Bedeutung einer naturnahen Waldwirtschaft aufgebaut werden“, erläutert der Revierförster von Vallendar eine wesentliche Zielsetzung der Veranstaltung. Die von den Jugendlichen selbst getroffenen Entscheidungen und gewählten Herausforderungen dienten außerdem als Medium, die eigenen Grenzen und Bedürfnisse - und damit sich selbst - besser kennen zu lernen. Der Verzicht auf Errungenschaften der Zivilisation öffnete den Blick für wesentliche Bedürfnisse jenseits der alltäglichen konsumorientierten Lebenswelt und für die Schönheit der Natur. „Auf solchen Wanderungen merke ich, was ich wirklich brauche und was mir wirklich wichtig ist. Ich werde dadurch viel selbstbewusster“, schildert der 14-jährige Johannes Heyde diesen Vorgang. „Durch die Schulung und Intensivierung der Wahrnehmung lernt man, welche Fähigkeiten in einem schlummern, um mit unerwarteten, eventuell bedrohlichen Ereignissen und Begegnungen umzugehen. Man nimmt sich selbst als Teil eines Systems wahr. Dinge passieren und werden nicht mehr als Bedrohung interpretiert. Das Resultat dieser Entschleunigung ist Gelassenheit“, schildert Immo Meyer, Jugendleiter der ev. Kirchengemeinde Vallendar, Effekte dieses erlebnispädagogischen Konzeptes, mit dem Jugendliche und junge Erwachsene wieder in eine emotionale Beziehung mit der sie umgebenden Schöpfung gebracht werden sollen. „Langfristig geht es darum, das Denken in komplexen ökologischen Zusammenhängen und globales Verantwortungsgefühl zu fördern.“
Der zweite Waldtrek war die erste Fortsetzungsveranstaltung der 2012 begonnenen Kooperation von ev. Kirchengemeinde und Forstrevier Vallendar, der sich ein fünftägiges Camp für Architektur-Studierende der RWTH Aachen angeschlossen hat.
Ein „Survival“ für Ehrenamtliche der ev. Jugend Vallendar und Sinzig folgt. Für Kinder von sechs bis zwölf Jahren bietet das Forstrevier Vallendar von Montag, 8., bis Freitag, 12. Juli, wieder die „Waldferienspiele“ an. InfoInformationen auf Anfrage bei Achim Kern, E-Mail: Achim.Kern@wald-rlp.de.
Fotos: privat
