Allgemeine Berichte | 21.01.2014

Pallottiner Vallendar

Reinkarnation oder Auferstehung

Zweiter Akademietag befasst sich mit der Frage, ob der Tod Neuanfang oder Endpunkt darstellt

Andreas Wiegand

Vallendar. Das Thema „Reinkarnation oder Auferstehung? Hoffnung auf ein besseres Leben“ stand beim Akademietag der Pallottiner Vallendar im Fokus.

Ist der Tod Neuanfang oder Endpunkt? Der in der Bevölkerung der westlichen Länder zunehmende Anteil von Anhängern des Glaubens an eine Wiedergeburt fordert den christlichen Glauben an die Auferstehung der Toten zur Antwort heraus. Obwohl das Christentum eine Wiedergeburt verneint, lotete Professor Dr. Bertram Stubenrauch, Dogmatiker an der Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, am zweiten Akademietag auch Verständnisbrücken zwischen beiden Überzeugungen aus. Matthias Neff, Referent für Weltanschauungsfragen im Bistum Trier, ging den Gründen für die Anziehungskraft der Reinkarnationslehren nach.

„Die Wiedergeburt widerspricht der christlichen Auffassung“, sagte Professor Stubenrauch in seinem Fachvortrag. „Der Tod ist nach christlicher Auffassung das Ende der irdischen Pilgerschaft.“ In der Seelenwanderungslehre stelle der Tod dagegen eine Zwischenstation vor einem kompletten Neuanfang dar, denn die Seele verbindet sich mit einer anderen leiblichen Existenz. Professor Stubenrauch kommt zu dem Schluss, dass der Tod hier nicht den Ernst hat wie im christlichen Glauben. Während im christlichen Glauben nach dem Tod die Seele zur Begegnung mit Gott geführt wird, gelangt sie bei der Wiedergeburtslehre nach einer Art Zwischenstadium zu neuem irdischen Leben. Dabei gibt Professor Stubenrauch zu bedenken, dass die Identität des jeweiligen Menschen im Reinkarnationsprozess völlig verloren gehe.

Dieser Weg ist im Unterschied zum Christentum ein sehr einsamer. Man bleibe auf sich selbst gestellt, es finde eine Selbsterlösung quasi durch eine Reihe von „zweiten Chancen“ statt. Im Vergleich zur christlichen Auffassung von Tod als radikales Ende hiesiger Existenz dreht sich das Rad der Wiedergeburt unendlich weiter und der Tod kann zum Mittel werden, um dem jetzigen Leben zu entkommen. Wenn der Tod verzweckt wird, wird die Idee wichtiger als die Realität des Sterbens.

Gemeinsam haben laut Professor Stubenrauch beide Auffassungen, dass sie auf eine positive Veränderung der Welt hoffen. Zudem stellen sie beide die Frage nach der Gerechtigkeit im Leben und hoffen auf Erlösung.

Zum Abschluss fragte der Münchner Dogmatiker kritisch: „Wer ist es, der wandert? Wer ist der, der geboren wird? Hat das etwas mit mir zu tun?“ Auf die Frage, wer sich reinkarniert, gibt die Reinkarnationslehre keine Antwort, wie Matthias Neff in dem folgenden Fachvortrag aufzeigte.

Neff ging mit kritischem Blick auf die westlich-esoterisch-geprägte Reinkarnationsvorstellung ein, die seiner Ansicht nach seit rund vierzig Jahren breiten Eingang in viele Bereiche der heutigen Lebenswelt und Gesellschaft gefunden hat. Insbesondere zeigte er auf, was die Gründe für die außergewöhnliche Attraktivität dieser Vorstellung – auch unter Christen – in unserer Gesellschaft sind, beziehungsweise was dieses Deutungsmuster für viele Menschen interessant macht. Dazu gab er umfassende Einblicke in die sehr vielfältigen Angebote auf dem „Markt der Religionen“, die eine Mischung aus Religion, Wellness, Lifestyle, Unterhaltung, Erlebnis und Therapie seien.

Esoteriker seien sich aufgrund des Zusammenhanges von menschlichem Tun und seinen Auswirkungen (Karma) einig, so Neff, dass es Reinkarnation gebe.

„Ohne Karma ist Reinkarnation uninteressant“, erklärte Neff und legte dar, dass es nicht die eine Reinkarnationsvorstellung gebe, sondern nach Sinn und Ziel unterschiedliche.

Als Gründe für die Popularität der westlichen Reinkarnationsvorstellung nannte Neff „das Werden und Vergehen“ als Modell für die Antwort auf die Frage: „Was kommt nach dem Tod?“ Hinzu kommen das religiös motivierte Fortschritts- und Leistungsdenken und damit die angestrebte menschliche Perfektionierung über das einzelne Leben hinaus.

Weiterhin sind zu nennen die Vermittlung von Identität aufgrund vielfacher Rollenerfahrungen sowie die Betonung des Individuums, welche prägend für die heutige Zeit sei. Zudem sei die Reinkarnationsvorstellung ein universales Deutungs- und Erklärungsmodell zur Auflösung von Schicksal und Ungerechtigkeit.

Bei der anschließenden Diskussionsrunde gab es Fragen und Rückfragen an die Referenten, es wurde von persönlichen Nahtoderlebnissen berichtet und Begriffe wie Trauma-Seelsorge, genetisches Erbe der Menschheit und Träume angesprochen.

Reinkarnation oder Auferstehung

Fotos: Andreas Wiegand

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