Bischof Ackermann diskutiert über Kirche und geistliche Bewegungen
„Was erwarten die Menschen von der Kirche?“
Vallendar. Vallendar-Schönstatt - „Geistliche Bewegungen bereichern die katholische Kirche. Sie sind oft die Antwort auf eine tiefe Sehnsucht der Menschen nach Spiritualität“ - Das hat der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann bei einem Podiumsgespräch am 20. Oktober in Vallendar-Schönstatt gesagt. Die Diskussion stand unter dem Motto „Was suchen die Menschen in der Kirche heute und was können die geistlichen Bewegungen dazu beitragen?“ Sie war Teil des Auftaktes zum Jubiläumsjahr 2014, in dem die Schönstatt-Bewegung ihren 100. Geburtstag feiert. Moderiert wurde die Veranstaltung von Generaldirektor Dr. Peter Wolf. Im voll besetzten Saal des Pater Kentenich Hauses betonte Ackermann, für ihn als Bischof sei es wichtig, die Belange aller Katholiken im Bistum im Auge zu behalten. „Ob Familien, Jugendliche, Senioren, Haupt- oder Ehrenamtliche – sie alle haben unterschiedliche Erwartungen an die Kirche, an das Bistum. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, mit einer Synode in den kommenden Jahren einen großen Gesprächsprozess in Gang zu bringen.“
Finanzen und Strukturen
Finanzielle und strukturelle Fragen hätten in den letzten Jahren oft im Vordergrund gestanden, jetzt solle es vor allem um Inhalte gehen. „Welche Weichen möchten wir für die Zukunft stellen, wie wollen wir Probleme gemeinsam lösen? Dazu sammeln wir momentan überall im Bistum bei Diskussions- und Informationsabenden die Meinungen der Gläubigen. Die Synode soll die Erwartungen aufzeigen“, erklärte Ackermann weiter.
Papst Franziskus ist authentisch
Auf die Frage aus dem Publikum, was die Menschen an Papst Franziskus so fasziniere und warum er anscheinend den Erwartungen vieler Menschen an die Kirche und ihr „Personal“ entspreche, antwortete Ackermann: „Zum einen glaube ich, dass der Papst mit dem Thema der Barmherzigkeit auch über die Kirche hinaus Menschen anspricht. Er steht mit seinen Aussagen über die Armen und Ausgegrenzten ganz einfach für eine große Humanität. Und zum anderen ist er authentisch und lebt das vor, was er predigt.“ Aus ihrer täglichen Arbeit mit jungen Menschen und von deren Erwartungen an die Kirche erzählten Kaplan Norbert Becker, Mitglied der Schönstatt-Bewegung, und Valerian Grupp vom Christlichen Verein junger Männer (CVJM) Esslingen. Für Jugendliche seien etwa das Gemeinschaftsgefühl und die Möglichkeit wichtig, über Sinnfragen zu reden, sagte Grupp. Die Franziskanerin Sr. Paulin Fuchs vom Kloster Sießen fügte an, Jugendliche und junge Familien wollten vor allem Kirche aktiv mitgestalten. Das erlebe sie immer wieder bei den beiden jährlich vom Kloster gestalteten Franziskusfesten, bei denen seit 37 Jahren immer rund 3.000 Familien und Jugendliche teilnahmen. Udo Knöfel von der evangelischen Freikirche Sohland sagte, in den Gebieten der ehemaligen DDR versuche seine Freikirche vor allem, den Menschen eine Oase zu bieten, wo sie über Gott und das eigene Leben nachdenken können. Und Professor Joachim Schmiedl von der Philosophisch Theologischen Hochschule Vallendar erläuterte in einem historischen Überblick, dass geistliche Bewegungen und Orden oftmals aus Notlagen im karitativen oder Bildungsbereich heraus entstünden. „Die geistlichen Bewegungen sind wichtig für die Kirche. Sie zeigen, was die Menschen gerade bewegt und geben neue spirituelle Impulse“, sagte Bischof Ackermann abschließend.
Pressemitteilung der
Bischöflichen Pressestelle Trier, Redaktion Koblenz
