Pilgerzentrale Schönstatt
Worauf ich mich verlassen kann
Vallendar. „Ich fühle mich, als wäre Herbst um mich herum. Mit einem Fahrrad könnte ich wegfahren, mich auf den Weg machen, neue Wege gehen“, so eine Frau, deren Mann sich vor zwei Jahren von ihr getrennt hat. Als Einstiegsbild hat sie für die Ende März stattfindenden Besinnungstage in Schönstatt eine von Herbstlaub bedeckte Mauer gewählt, an der ein altes Fahrrad steht.
D. nimmt sich für die Vorstellrunde das Bild eines Mädchens, das Ranken aufbindet. Sie hatte Eltern, auf die sie sich ein Leben lang verlassen konnte. Jetzt, ausgerechnet nach dem Zusammenbruch ihrer Ehe, brauchen auch sie zunehmend ihre Hilfe. D. findet es schrecklich, dass sich dieses Verhältnis umkehrt. Und sie wünscht sich die Verlässlichkeit ihren Töchtern geben zu können, die sie zeitlebens vonseiten ihrer Eltern erfuhr. Im Moment kann sie das nicht so gut. Die Trennungssituation kostet sie viel Kraft.
Für die 22 Frauen, die sich in Vallendar-Schönstatt zu Besinnungstagen trafen, sind die Tage wie ein Nachhausekommen. Die Besinnungstage sind ausgeschrieben für Frauen nach Trennung oder Scheidung, die schon einmal an einer Veranstaltung teilgenommen haben. Sie wissen bereits, welche Schwerpunkte in den thematischen Impulsen gesetzt werden und kennen sich untereinander. Das schafft von Anfang an ein verständnisvolles und gutes Klima. Und das ist es auch, was die Frauen brauchen.
Das Thema passt: Worauf ich mich verlassen kann. Im Austausch wird deutlich, wie bedeutsam es ist, selbst Persönlichkeiten zu werden, die vertrauenswürdig und verlässlich sind. Anstöße zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit geben die Wegweisungen von Pater Josef Kentenich, einem anerkannten Pädagogen und Gründer und Schönstattbewegung.
Jede der Teilnehmerinnen nimmt sich die Anregungen mit, die sie als Perspektive für sich selbst braucht und die ihr hilft, ein verlässlicher Mensch zu sein:
S. formuliert für sich als Fazit am Ende dieser Tage: „Ich habe einen Wert - unabhängig von Leistung und Erfolg. Das hilft mir vielleicht zu ein wenig mehr Toleranz in Begegnungen. Ich möchte lernen, mich auf das Positive zu konzentrieren.“
M. stellt voller Dankbarkeit fest: „Früher hatte ich gedacht, ich habe ein Konzept, nach dem läuft alles. Doch durch die Trennung ist alles zerstört. Jetzt habe ich ganz viele Antworten auf meine Fragen bekommen. Für mich ist ganz wichtig, dass ich jetzt verbindliche Grundsätze formuliere. Ich habe viel mitgeschrieben. Das werde ich bearbeiten. Ich möchte ganz tief danke sagen.“
Die von Jahr zu Jahr gestiegene Trennungs- und Scheidungsrate in Deutschland und die damit oft verbundene innere und äußere Notsituation hat 2002 zum Zusammenschluss eines Teams geführt, das anderen Frauen in Trennungssituationen hilft. Selbst Betroffene haben den direkten Zugang zu Frauen, die oft ihre Lebensperspektive durch die Trennung von ihrem Lebenspartner verlieren, so die Erfahrung dieses Teams. Ihr Ziel: angstfrei neue Hoffnung zu vermitteln für den künftigen Lebensweg, „damit die Seele nicht auf der Strecke bleibt“.
Durch den Einsatz von Luise Wolking, Luise Halbig, Petra Maiworm, Karin Abel und Gertrud Schwarberg wurden Schönstatt und andere Schönstattzentren in Deutschland zu einer guten Adresse für diese Gruppe von Frauen.
Das nächste Seminar für Frauen nach Trennung oder Scheidung ist in der Bildungsstätte Marienland, Vallendar, von Freitag, 24., bis Sonntag, 26. Mai. Kinder sind willkommen.
Nähere Informationen gibt es unter: www.nach-trennung-scheidung.de, www.wallfahrt-schoenstatt.de oder direkt: E-Mail sr.anne-meike@schoenstatt-info.de, abel.vallendar@gmx.de.
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