Allgemeine Berichte | 27.05.2015

Amt für Natur- und Landschaftsschutz des Rhein-Sieg-Kreises gibt Tipps zum Artenschutz

Die Blatthornkäfer mit großem Appetit

Rhein-Sieg-Kreis. „Essensgeruch“ zieht sie magisch an: Mit über 50.000 Sinneszellen auf ihren kammartigen Fühlern riechen die Männchen sofort, wenn es irgendwo etwas zu „futtern“ gibt. Sobald sie angefressene Blätter wahrnehmen, sind sie nicht mehr zu bremsen. Die Maikäfer gehören zu den etwa 76.000 Tier- und Pflanzenarten in Deutschland, von denen annähernd die Hälfte in ihrem Bestand gefährdet ist.

Die Blatthornkäfer in braunem Gewand gibt es gleich in dreifacher Ausfertigung: Als zwei bis drei Zentimeter große Feldmaikäfer (Melolontha melolontha), den etwas kleineren Waldmaikäfer (M. hippocastani) und den seltenen Melolontha pectoralis, für den es keinen deutschen Namen gibt. Jetzt im Mai ist ihre Hauptschlüpfzeit, abhängig von den Außentemperaturen können Maikäfer aber auch bereits im April oder erst im Juni schlüpfen. Paarungsbereite Weibchen finden die Männchen übrigens auch, indem sie dem Geruch der frisch „angeknabberten“ Blätter folgen – das Lockparfüm der weiblichen Vertreterinnen der Spezies ist nämlich nur schwach ausgeprägt und daher erst in der Nähe wahrnehmbar. Die Eier der Maikäfer werden im Feld beziehungsweise beim Waldmaikäfer in der Nähe der Nahrungsbäume im Boden abgelegt – dazu gehören Eiche, Buche, Ahorn und Hasel, aber auch Obstbäume. Dort fressen die Engerlinge genannten Larven drei bis vier Jahre an den Wurzeln. Aber auch andere Pflanzen verschmähen sie nicht. Im letzten Jahr sind sie dann fünf bis sieben Zentimeter groß, verpuppen sich und schlüpfen im Spätsommer. Den folgenden Winter verbringen sie allerdings in etwa einem Meter Tiefe. Bei Temperaturen um die 20 Grad Celsius graben sich die gefräßigen Käfer dann im kommenden Jahr nach oben und schwärmen in der Dämmerung zu den Nahrungsbäumen aus. Dort verursachen sie gelegentlich durch ihren Kahlfraß großen Schaden. Meist schlagen die Bäume jedoch wieder aus. Die Maikäfer stehen zwar unter Schutz, sind aber – überwiegend durch den Pestizideinsatz gegen die Engerlinge – europaweit seltener geworden. Darüber können auch die regional gelegentlich auftretenden Massenvermehrungen nicht hinwegtäuschen. Und wer glaubt, im Juni oder Juli noch kleine Maikäfer zu sehen, ist der Natur „auf den Leim gegangen“: Dann fliegen nämlich die Juni- und die Julikäfer, kleinere Verwandte des Maikäfers. Die Experten vom Amt für Natur- und Landschaftsschutz des Rhein-Sieg-Kreises empfehlen, zum Schutz des Maikäfers auf den Einsatz von Pestiziden im Garten zu verzichten.

Übrigens: Wer einen großen Engerling im Garten findet, kann durch einen Bewegungstest herausfinden, ob es sich tatsächlich um einen Käfer der Gattung Melolontha handelt. Probiert der Engerling seitlings weg zu krabbeln, ist es ein Maikäfer. Rosen- und Nashornkäfer, die man gelegentlich im Komposthaufen findet, versuchen sich nämlich eher rücklings oder bäuchlings wieder einzugraben.

Nähere Auskünfte rund um das Thema Maikäfer erteilen gerne die Fachleute am Umwelttelefon des Rhein-Sieg-Kreises unter Tel. (0 22 41) 13 22 00. Weitere Tipps zum Artenschutz finden Interessierte auch unter www.rhein-sieg-kreis.de/artenschutztipps.

Pressemitteilung des

Rhein-Sieg-Kreises

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