Allgemeine Berichte | 18.10.2013, 21:40 Uhr

Altbürgermeister Paul Giersberg erntet in Kürrighoven 120 Liter Traubensaft von 99 Regent-Reben

Erste Weinlese in Wachtberg seit 1215 Jahren

„2013er Kürrighovener Cäciliengarten“ soll trocken ausgebaut werden - alles für den Hausgebrauch

Wachtbergs Altbürgermeister Paul Giersberg hat seinen Spaß: Den Ruhestand nutzt der ehemalige Schreinermeister, um erstmals nach 1215 Jahren wieder Wein im Drachenfelser Ländchen anzubauen. 99 Rebstöcke mit Regent-Trauben hat er im vergangenen Jahr gepflanzt, jetzt erntete er daraus 120 Liter Traubensaft, der zu einem trockenen Rotwein ausgebaut werden soll. VJ
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Kürrighoven. 1215 Jahre ist es her, dass ein gewisser Hirpingus dem Gründer des Bistums Münster, dem Abt Ludgerius, einen Weinberg in Bacheim am Melenbach verkaufte. Eine Urkunde vom 19. Juni 798 belegt, dass es damals Weinbau in der heutigen Gemeinde Wachtberg gegeben hat, vermutlich in der Gemarkung Oberbachem-Kürrighoven. Jetzt wurde erstmals nach so langer Zeit wieder Wein in Kürrighoven gelesen, und das gleich in ordentlicher Menge. Und das ist Wachtbergs Altbürgermeister Paul Giersberg zu verdanken.

„40 Jahre lang habe ich Kommunalpolitik gemacht und mein Leben nach dem Rathaus-Terminkalender ausgerichtet“, sagt er. Doch das sei nun vorbei, nachdem er zum Ende der vergangenen Legislaturperiode alle seine Ämter niedergelegt hatte. „Ich mache jetzt nur noch das, was mir Spaß macht – und einer dieser Späße wurde am 14. April 2012 Wirklichkeit.“ Damals fing der ehemalige Schreinermeister  nämlich an, sich als Hobbywinzer zu versuchen.

Ein Wunder der Natur

In der Gemarkung „Auf dem Lömmerich“ in Kürrighoven pflanzte er eigenhändig 99 Regent-Pfropfreben auf einer ehemaligen Wiese.  „Ich wollte einfach einmal sehen, was daraus wird. Dass ich jetzt, nur anderthalb Jahre später, meine erste Weinlese machen kann, grenzt für mich an ein Wunder der Natur“, zeigt er sich vom erstaunlichen Erfolg berührt und beeindruckt. In der Tat hängen die 99 Reben über und über voll mit den dunkelroten Regent-Trauben, dass es eine wahre Pracht ist. Dabei hat Giersberg gar nicht viel dafür getan, sondern der Natur überwiegend freien Lauf gelassen. Nur einmal hat er die sechs Rebzeilen mit Asche gedüngt von den Bäumen, die er auf dem gleichen Grundstück kurz zuvor gefällt hatte. Nie im Leben hätte er es für möglich gehalten, dass er schon nach anderthalb Jahren die ersten vollreifen, gesunden Trauben ernten  kann. Es hat sich wohl bezahlt gemacht, dass er auf die resistente Rebsorte Regent setzte.

Durch und durch

gesunde Beeren

Immerhin 65 Oechslegrade bringen die durch und durch gesunden Beeren auf den Refraktometer, mit dem der Zuckergehalt des Traubensaft gemessen wird. Das ist guter Durchschnitt für diese Rebsorte in der hiesigen Region, weiß ein befreundeter Winzer von der Ahr. Natürlich lässt es sich Paul Giersberg nicht nehmen, die erste Weinlese höchstpersönlich durchzuführen, wobei ihm allerdings eine Hand voll enger Freunde gerne zur Hand gehen. Schließlich hat er zur Feier des Tages jede Menge Federroten mitgebracht, und seine Frau Ingrid hat ein riesiges Blech Zwiebelkuchen gebacken.

Zum Glück steht auch ein kleines Zelt mit Bierzeltgarnituren bereit, denn kaum zückt Giersberg die Weinbergschere, fängt es auch schon an zu regnen. Doch davon lässt sich der junggebliebene Rentner natürlich nicht beirren und schneidet in einem Rutsch sämtliche Trauben mit zunehmend fachmännischerem Bewegungsablauf von den Rebstöcken. Sie werden zunächst in knallorangen Kisten gesammelt und am Abend von einem befreundeten Winzer abgeholt.

Eigentlich mag er süßen Wein

Stolze 120 Liter Traubensaft werden am nächsten Tag in der Kelterei in Muffendorf aus den Trauben gepresst, das reicht wahrscheinlich für 150 Flaschen Rotwein, die in einem eigene Fässchen ausgebaut werden sollen. „Die Menge reicht gerade für den Hausgebrauch“, schmunzelt Giersberg, der regelmäßig den edlen Rebensaft zu den Mahlzeiten genießt. Nur ein kleines Problem gibt es: „Ich mag ja eigentlich lieber den süßen Wein“, gibt er zu,  doch der sei schwieriger auszubauen, so dass er den ersten Wachtberger Rotwein wohl trocken ausarbeiten lassen werde. Das mache aber nichts, denn der eigene Wein von den eigenen Reben schmecke ohnehin immer am besten, „da kann er noch so trocken sein“.  Doch zunächst muss die Traubenmaische mindestens drei Wochen lang in einem Bottich vergären, bevor sie dann in das eigens angeschaffte Holzfass umgefüllt werden kann. Nächstes Jahr im Frühling soll der Wein dann auf Flaschen gezogen werden, und zur nächsten Weinlese im Herbst 2014 will Paul Giersberg seinen Freuden schon den eigenen Schoppen kredenzen. Denn natürlich sind alle wahnsinnig gespannt, wie der „2013er Kürrighovener Cäciliengarten“ wohl schmecken wird.  

Wachtbergs Altbürgermeister Paul Giersberg hat seinen Spaß: Den Ruhestand nutzt der ehemalige Schreinermeister, um erstmals nach 1215 Jahren wieder Wein im Drachenfelser Ländchen anzubauen. 99 Rebstöcke mit Regent-Trauben hat er im vergangenen Jahr gepflanzt, jetzt erntete er daraus 120 Liter Traubensaft, der zu einem trockenen Rotwein ausgebaut werden soll. Foto: VJ

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