Nach mehr als 50 Jahren der Diskussion und Planung brauche die Region eine verlässliche Perspektive, betont die Kammer.
IHK streitet sich mit BUND um Lückenschluss der A1
Trier/Rheinland-Pfalz. In einem offenen Brief appelliert die Industrie- und Handelskammer Trier an den BUND Rheinland-Pfalz, den weiteren Ausbau der A1 zu ermöglichen. Die Kammer verweist auf die Bedeutung der Verbindung für Menschen und Unternehmen in der Eifel sowie auf mögliche Entlastungen für Umwelt und Ortschaften. Die Industrie- und Handelskammer Trier hat sich mit einem offenen Brief an die BUND-Landesvorsitzende Sabine Yacoub und die Mitglieder des Umweltverbandes in Rheinland-Pfalz gewandt. Darin fordert sie den Verband auf, seine Verfassungsbeschwerde im Zusammenhang mit dem A1-Lückenschluss zurückzuziehen. Nach mehr als 50 Jahren der Diskussion und Planung brauche die Region eine verlässliche Perspektive, betont die Kammer.
Anlass des Schreibens ist die nach Angaben der IHK am 7. Oktober 2026 eingelegte Verfassungsbeschwerde des BUND. Zuvor habe das Bundesverwaltungsgericht die Klage des Verbandes am 18. November 2025 abgewiesen und im August 2026 auch dessen Anhörungsrüge zurückgewiesen. Die Fortsetzung der juristischen Auseinandersetzung bedeute für Menschen und Unternehmen in der Region weitere Unsicherheit, kritisiert die IHK.
Zugleich erkennt die Kammer das Engagement des BUND für Natur- und Artenschutz ausdrücklich an. Auch das Verbandsklagerecht sei ein wichtiger Bestandteil des Rechtsstaates. Dennoch müssten neben den rechtlichen Möglichkeiten auch die Folgen ihrer Ausschöpfung für die betroffenen Regionen berücksichtigt werden. Die IHK stellt deshalb die Frage, ob die Fortsetzung des Rechtsstreits angesichts der bisherigen Gerichtsentscheidungen noch in einem angemessenen Verhältnis zu den Belastungen für die Eifel stehe.
Für den vollständigen Lückenschluss fehlen dem Schreiben zufolge noch rund 25 Kilometer Autobahn. Die unvollständige Nord-Süd-Verbindung führe für zahlreiche Unternehmen zu längeren Transportwegen, höheren Kosten und Standortnachteilen. Besonders betroffen seien mittelständische Betriebe, die Arbeits- und Ausbildungsplätze sicherten und wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung der Eifel beitrügen. Für die Bevölkerung gehe es zudem um eine bessere Erreichbarkeit und weniger Verkehr in den Ortschaften.
Die Bedeutung der A1 reiche dabei über wirtschaftliche Interessen hinaus, argumentiert die Kammer. Eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur sei auch für die Versorgung der Bevölkerung, verlässliche Lieferketten und die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft wichtig. Als Bestandteil des transeuropäischen Verkehrsnetzes habe die Autobahn darüber hinaus eine überregionale Funktion.
Auch mögliche Umweltentlastungen müssten nach Auffassung der IHK in die Bewertung einfließen. Die Kammer verweist auf Berechnungen aus dem Planfeststellungsverfahren, wonach durch die vollständige Verbindung jährlich rund 66,5 Millionen Fahrkilometer, 1,5 Millionen Fahrstunden und etwa 3.000 Tonnen Treibstoff eingespart werden könnten. Hinzu kämen mögliche Entlastungen durch weniger Ausweichverkehr, Lärm und Abgase in den betroffenen Orten.
Dass der Autobahnbau erhebliche Eingriffe in Natur und Landschaft mit sich bringen könne, räumt die IHK ein. Der Schutz von Lebensräumen und Arten müsse deshalb ein wichtiger Bestandteil der Planung bleiben. Gleichzeitig seien die langfristigen Folgen einer fehlenden Verkehrsanbindung für Menschen, Unternehmen und Umwelt zu berücksichtigen. Ziel müsse eine ausgewogene Gesamtbetrachtung sein.
Mit ihrem Schreiben richtet sich die Kammer ausdrücklich auch an die ehrenamtlich engagierten BUND-Mitglieder. Sie bittet diese, die Perspektive der Menschen und Unternehmen in der Eifel in die verbandsinterne Diskussion einzubeziehen und die Entscheidung für die Verfassungsbeschwerde kritisch zu hinterfragen. Auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten einer Region gehörten zu einer umfassenden Betrachtung von Nachhaltigkeit. rob
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Die A1 ist eine wichtige Verkehrsachse - doch schon seit Jahrzehnten wird auf den Lückenschluss in der Eifel gewartet. Foto: pixabay.com