Allgemeine Berichte | 13.01.2016

Die Gemeinde Wachtberg informiert

Flüchtlingshilfe in Wachtberg

Wer, was, wo, wie viele – aktuelle Infos

Die Hilfsbereitschaft ist groß. Mit Interesse verfolgten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger die Infos zur Flüchtlingssituation in Wachtberg.Gemeinde Wachtberg/mm

Wachtberg-Berkum. Das Interesse der Bürgerinnen und Bürger an den Flüchtlingen in Wachtberg ist groß. So waren über hundert Zuhörer ins Rathaus gekommen, als Bürgermeisterin Renate Offergeld kurz vor Jahresende noch zu einer Bürgerinfoveranstaltung eingeladen hatte, um über die aktuelle Situation zu berichten.

Dass das Thema umfassend und vielschichtig ist, zeigt sich schnell. Schon alleine die Begrifflichkeiten Flüchtling und Asylbewerber, die Offergeld kurz erläuterte, machen die Komplexität deutlich.

Flüchtlingshilfe in Wachtberg - ein Drei-Säulen-Modell

So nahmen an der Runde auch Vertreter aller drei Säulen teil, auf denen die Flüchtlingshilfe in der Gemeinde Wachtberg aufgebaut ist: aus der Gemeindeverwaltung neben der Bürgermeisterin und Beigeordnetem Jörg Ostermann auch Fachbereichsleiter Alfons Engels und die Mitarbeiter Hans-Bernd Sonntag und Christoph Heinrich, vom DRK Ortsverein Wachtberg Geschäftsführer Michael Bau, vom Ökumenischen Arbeitskreis der Vorsitzende Kurt Zimmermann sowie die erst jüngst ernannte Ehrenamtskoordinatorin Andrea Walter.

Wie viele Flüchtlinge leben aktuell im Ländchen?

In der Gemeinde Wachtberg waren zu Jahresbeginn 2015 lediglich 100 Asylsuchende registriert. Durch den unerwarteten Flüchtlingsstrom im Herbst ist diese Zahl bis zum Jahresende 2015 rasant auf 377 angestiegen. Knapp ein Drittel sind Kinder: 45 im Kindergarten- und 64 im schulpflichtigen Alter, Letztere gehen inzwischen alle hier auch schon zur Schule. Für die Zeit zwischen den Weihnachtsfeiertagen bis nach Neujahr waren keine weiteren Zuweisungen von Flüchtlingen vorgesehen, so Alfons Engels. Aktuell werden jetzt, in der ersten Januarhälfte, nur drei Neuzugänge erwartet, sodass sich die Zahl aktuell auf 380 belaufen wird. Aus 26 Nationen kommen die Asylsuchenden. Darunter Afghanistan, Albanien, Eritrea, Irak, Iran, Kosovo, Marokko, Serbien und Syrien, wobei die Zahl der Flüchtlinge aus Syrien zuletzt am stärksten gestiegen ist, die Zahl der Balkanflüchtlingehingegen gesunken. Prognosen über die künftige Entwicklung, darin sind sich alle einig, könne niemand geben. Konkrete Meldungen liegen noch nicht vor, sicher ist aber auch in 2016 mit der Aufnahme weiterer Asylsuchender zu rechnen.

Wo sind die Flüchtlinge untergebracht?

Untergebracht sind sie weitestgehend in angemieteten Wohnungen und Häusern. Die beiden gemeindlichen Übergangsheime in Werthhoven und Fritzdorf dienen zumeist als erste Unterbringungsmöglichkeit, bis passender Wohnraum bereitsteht. Seit kurzem wird auch das ehemalige Hotel Wiesenau als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Und die alte Schule in Berkum, in der bisher die Turm-Galerie zu Hause war, ist inzwischen auch zu einer Unterkunft umgebaut worden. Auf die Wachtberger Ortschaften sind die 377 bisher registrierten Flüchtlinge wie folgt verteilt: Adendorf (23), Berkum (2), Fritzdorf (64/inkl. 36 Übergangsheim), Gimmersdorf (10), Holzem (7), Ließem (19), Niederbachem (32), Oberbachem (17), Pech (100/inkl. 69 Wiesenau), Villip (23) und Werthhoven (80/inkl. 45 Übergangsheim). Im ersten Quartal 2016 kann die Gemeindeverwaltung noch auf Unterkunftsmöglichkeiten für rund 90 weitere Flüchtlinge zurückgreifen. Der private Wohnungsmarkt, so Engels, ist dann in Wachtberg jedoch weitestgehend erschöpft. „Bei weiteren Zuweisungen werden wir wohl nicht umhin kommen, auch die Belegung von Dorfsälen oder Turnhallen bis hin zum Bau von neuen Unterkünften ins Auge zu fassen.“ Großen Dank richtet er an die Wachtberger Wohnraum-Anbieter: „Das hat bisher toll geklappt!“ Und wer jetzt doch noch Wohnraum anzubieten habe, möge sich bitte melden.

Wer betreut und versorgt die Flüchtlinge?

Die Betreuung der Asylsuchenden hat die Gemeinde Wachtberg schon früh in die erfahrenen Hände des Wachtberger DRK-Ortsvereins gelegt. Anfang Juli 2015, als das DRK mit der Gemeinde Wachtberg den Kooperationsvertrag schloss, waren hier 150 Flüchtlinge registriert, berichtete Michael Bau. Die in der zweiten Jahreshälfte dann immer kurzfristiger angekündigte und stetig zugenommene Zahl von Flüchtlingen habe für das Team eine große Herausforderung bedeutet. Da die ursprünglich vorhandenen Räumlichkeiten zur Unterbringung rasch belegt waren, bestimmen seitdem die Suche sowie das Her- und Einrichten von Wohnraum den DRK-Tagesablauf. Auch bei der Materialbeschaffung gibt es zunehmend Engpässe, zum Teil bundesweit. „Da muss man direkt und auf Vorrat kaufen, solange es noch erhältlich ist“, beschrieb Bau beispielhaft eine Kauf-Aktion, zu der er Mitarbeiter bis ins Ruhrgebiet fahren ließ, weil dort noch Metall-Betten in größerer Menge vorrätig waren. An erster Stelle steht immer die Unterbringung der Flüchtlinge. Nachdem sie im Rathaus angekommen sind, werden sie dort registriert und erste Formalitäten erledigt. Dann werden sie den DRK-Mitarbeitern übergeben, die sie zu den Unterkünften fahren. Diese sind da bereits vom DRK mit allem Nötigen bestückt. Anschließend begleiten sie die Neuankömmlinge auf deren ersten Einkauf zum nächstgelegenen Supermarkt, erklären ihnen die örtlichen Gegebenheiten und helfen Ihnen, falls nötig, in einer der beiden Kleiderstuben mit Kleidung aus. Angesichts dieser Erstversorgung, mit der das Team vorrangig ausgelastet ist, bat Bau um Verständnis, dass es nicht immer möglich sei, Bürgeranfragen zeitnah zu beantworten. Auch Bau dankte für die große Hilfsbereitschaft, der er tagtäglich in Wachtbergs Bürgerschaft begegne.

Wer hilft den Flüchtlingen bei der Integration?

In enger Kooperation arbeitet das DRK nicht nur Hand in Hand mit der Gemeindeverwaltung, sondern auch mit dem Ökumenischen Arbeitskreis Wachtberg zusammen. Der kann auf langjährige Erfahrungen mit der Integration von Aussiedlern und Flüchtlingen zurückgreifen und verfügt über ein weites Netzwerk zu diversen Institutionen. Hilfen beginnen von Anfang an, unabhängig vom jeweiligen Status. Mit Kleidung und anderen Dingen des täglichen Lebens hilft der Kleiderpavillon des Ökumenischen Arbeitskreises in Ließem aus, ebenso die erst kürzlich in Pech eingerichtete DRK-Kleidersammelstelle. Auch die Zugabe in Berkum von der Katholischen Kirchengemeinde sei mit der Ausgabe von Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs eine große Hilfe. Am wichtigsten aber, betonte Kurt Zimmermann, seien Sprachkurse. Schon drei solcher Deutschkurse konnten mit der VHS realisiert werden. Sie finden derzeit in der Wiesenau in Pech, im Köllenhof in Ließem und im Henseler Hof in Niederbachem statt. Flüchtlinge mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit, zum Beispiel aus Eritrea, Iran, Irak und Syrien, können sofort mit den Kursen beginnen. Daneben gibt es aber auch für Flüchtlinge, die noch keinen Anspruch darauf haben, Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene – zurzeit insgesamt fünf Kurse. Circa 30 bis 40 Helfer stehen im Ökumenischen Arbeitskreis zudem den Flüchtlingen bei Behördengängen, Arztterminen, Schulbesuchen unter anderem hilfreich begleitend zur Seite. Stolz ist Zimmermann auch auf den Samstagstreff im Katholischen Familienzentrum Berkum. Dorthin können Flüchtlinge mit ihren Kindern im Kindergarten- und Schulalter kommen. In unterschiedlichen Gruppen wird dort spielerisch Deutsch gelernt, oft in Rollenspielen, immer aber mit viel Spaß. Und am Ende wird gemeinsam gekocht, auch das fördert das Miteinander. Das Interesse ist groß, die Teilnehmerzahl wächst ständig, sodass ein zweiter Samstagstreff in Kürze startet. Übrigens: Für die Hausaufgabenbetreuung von Schulkindern sucht Zimmermann noch Verstärkung.

Wie kann ich mich in der Flüchtlingshilfe engagieren?

Ein großes Lob bescheinigten alle Beteiligten den Wachtberger Bürgerinnen und Bürgern. „Die Hilfsbereitschaft in Wachtberg ist überwältigend“, zeigt sich Andrea Walter hoch erfreut. Die Zahl derjenigen, die helfen möchten, übersteigt derzeit allerdings die tatsächlichen Einsatzmöglichkeiten. Das DRK-Team ist mit der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge vollends ausgelastet. So ist Walter seit Kurzem für die Koordination der zahlreichen Angebote ehrenamtlichen Engagements im Einsatz. Sie ist Ansprechpartnerin für alle an der Flüchtlingshilfe Interessierten und sammelt die Meldungen von freiwilligen Helfern. Zurzeit werden verschiedene Projekte erarbeitet, in denen sich Mitbürger auf unterschiedliche Weise einbringen können. Sobald die jeweiligen Aktionen an den Start gehen und konkreter Hilfebedarf ansteht, werden die hierfür eingetragenen Personen informiert und die weitere Zusammenarbeit näher abgestimmt. Erstes Projekt ist der zweite Samstagstreff - in Pech in der Wiesenau. Hierfür werden noch Helfer gesucht, vor allem fürs Spielen mit Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter.

Ideen, Anregungen, die Hilfsbereitschaft in Wachtberg ist groß

Dass die Flüchtlinge vor Ort die Wachtberger Bürgerinnen und Bürgerinnen beschäftigt, zeigte sich auch an der Vielzahl der Anregungen zur Verbesserung der aktuellen Situation der Asylsuchenden. Viele große und kleine Ideen zur schnelleren Integration wurden genannt: Gemeinsame Aktionen wie im Verein Sport treiben, zusammen basteln, nähen oder einfach nur Kaffee trinken, Praktika vermitteln, Jobs anbieten und so weiter. Oft sind es ganz einfache Dinge, die helfen, wie zum Beispiel Fahrräder. So sucht die Pecher DRK-Sammelstelle dringend fahrtüchtige Fahrräder für Erwachsene. Auf der Warteliste stehen bereits 16 Personen. Und wer für einen Flüchtling oder eine Flüchtlingsfamilie gar eine Patenschaft übernehmen möchte, der kann sich bei Andrea Walter melden.

Pressemitteilung der

Gemeinde Wachtberg

Die Hilfsbereitschaft ist groß. Mit Interesse verfolgten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger die Infos zur Flüchtlingssituation in Wachtberg.Gemeinde Wachtberg/mm
DRK-Geschäftsführer Michael Bau (vorne) schilderte anschaulich, welche Herausforderungen er und sein Team bei der Flüchtlingsbetreuung zu meistern haben.

DRK-Geschäftsführer Michael Bau (vorne) schilderte anschaulich, welche Herausforderungen er und sein Team bei der Flüchtlingsbetreuung zu meistern haben.

Bürgermeisterin Renate Offergeld hatte zu einer Bürgerinformationsveranstaltung ins Rathaus eingeladen.
Flüchtlingshilfe in Wachtberg

Die Hilfsbereitschaft ist groß. Mit Interesse verfolgten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger die Infos zur Flüchtlingssituation in Wachtberg.Fotos: Gemeinde Wachtberg/mm

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