Allgemeine Berichte | 09.12.2014, 11:04 Uhr

Ungewöhnliche Ausstellung mit großer Resonanz in Niederbachem

Mein letztes Hemd

Denkanstöße über das Leben und den Tod gaben elf Künstler mit ihrer ungewöhnlichen Ausstellung „Mein letztes Hemd“ im Evangelischen Gemeindehaus in Niederbachem. privat
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Wachtberg-Niederbachem. Am Totensonntag, auch Ewigkeitssonntag, fand eine ungewöhnliche Ausstellung ihr vorläufiges Ende. Über zwei Wochen zeigten elf Künstler ihre Arbeiten zum Thema „Mein letztes Hemd“ im Evangelischen Gemeindehaus in Niederbachem. Die Ausstellung, vor einem Jahr von der Bestatterin Ute Bockshecker in Unkel konzipiert, war hierzu von dieser in Zusammenarbeit mit der Wachtberger Künstlerin Monika Clever neu zusammengestellt worden. Zahlreiche Besucher sahen die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Tod.

Weiße Sterbehemden

So Tabu besetzt sich das Thema für viele anfänglich auch darstellte, so sehr nahmen die Exponate sie schließlich doch gefangen. Auf Leinwänden der Größe 40x80cm waren jeweils weiße Sterbehemden auf ganz unterschiedliche Art und Weise arrangiert worden. So eröffneten sie den Betrachtern vielfältige neue Betrachtungsweisen über die Endlichkeit des irdischen Lebens.

Die Sicht einer Zehnjährigen

Die Arbeit von Yalda Salehi, einem zehnjährigen Mädchen, berührte durch die lebendige Art, wie sich diese die Zeit nach ihrem Tod vorstellt. Sie sah ihre Katze mit ihren Gedanken und Ideen spielen, die sie in Form von selbst geschriebenen Texten wie kleine Fliegen an Drähten aufgehängt über ihr Bild kreisen ließ.

„... sterben musst du eh“

Anna Berghoff-Gryscheck setzte einem vergoldeten Sterbehemd ein Säuglingshemd gegenüber, und Bangbutz beruhigte den Betrachter mit seiner Arbeit „... sterben musst du eh“, in dem er das Hamsterrad des Lebens zeigte. Gabriele Geiers Arbeit beschäftigte sich mit dem Gedanken des „Ausruhen Könnens nach dem Tode“. Ein Paradekissen mit den eingestickten Worten „Müde bin ich geh zur Ruh… „ verdeutlichte diese Idee. Der Spruch „Das letzte Hemd hat keine Taschen“ war die Grundidee des Bildes von Ute Bockshecker, bei dem die angesammelten Schätzte eines Lebens als Erinnerungen schließlich doch hier verbleiben müssen.

„Was ist das Leben?“

Dieser Gedanke spielte auch bei dem Triptychon „Ausgetanzt“ von Monika Clever eine Rolle, bei dem das Totenhemd zu einem Tanzkleid verarbeitet wurde, das als „irdisches Gewand“ aber zurückbleiben muss. Die Frage „Was ist der Tod?" beziehungsweise „Was ist das Leben?“ fand in dem „universellen Gleichnis“ über das Salzmännchen, das sich das Meer vorzustellen versucht, seine Entsprechung in der Arbeit von Angelika Krohne und auch in dem großen Fragezeichen, das Anja Rihm aus dem Sterbehemd geformt hatte.

Kommerzialisierung des Todes

Die Kommerzialisierung des Todes war das Thema der Arbeit von Christian Rosenzweig, der seine Arbeit vielsagend „Lebensschlussverkauf “ genannt hatte. Die Exponate von Rudolf Zimmerman und Sabina Ramershoven hatten den ewigen Kreislauf von Leben und Tod zum Thema und zeigten den weißen Stoff, der sich in einem Wirbel aufzulösen schien. Pfarrer Schmitz-Valadier griff die Ausstellung in einem Gottesdienst auf und ließ diesen mit den Exponaten in einen geistigen Dialog treten. So ermöglichte er den interessierten Besuchern, sich den Zugang zu der Ausstellung zu erschließen.

Werte und Fragen

Dabei half auch die fundierte Einführung durch Dr. Dieter Braun. In seinen Worten nahm er die Scheu vor dem teilweise angstbesetzten Thema Tod. Schließlich forderte er die Besucher auf, sich ein Bild von ihrem eigenen letzten Hemd zu machen. Er brachte dabei seine Hoffnung zum Ausdruck, dass das Hemd dann nicht nur mit Geldscheinen bestückt sein möge, sondern darin auch andere Werte und Fragestellungen ihren Ausdruck finden werden.

Über Hoffnung und Angst

Bei den Rundgängen kam es zu vielen sehr persönlichen Gesprächen, wusste Monika Clever zu berichten. „Die Offenheit, mit der die Besucher über ihre Hoffnungen und auch Ängste sprachen, war genauso berührend wie die erleichterte Aussage einer älteren Dame beim Hinausgehen: „Es war gar nicht so schlimm.“

Denkanstöße über das Leben und den Tod gaben elf Künstler mit ihrer ungewöhnlichen Ausstellung „Mein letztes Hemd“ im Evangelischen Gemeindehaus in Niederbachem. Foto: privat

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