Kita St. Elisabeth in St. Sebastian
Den Leidensweg Jesu erlebt und kindgerecht gestaltet
St. Sebastian. Die Karwoche ist in der katholischen Kita St. Elisabeth in St. Sebastian in jedem Jahr die intensivste Zeit religionspädagogischer Impulse. Jesus, der das ganze Jahr über durch verschiedene Symbole und Geschichten in der Kita präsent ist, erlebt an Ostern besondere Aufmerksamkeit, da doch in diesem Fest das Christentum begründet liegt. Sowohl christliche Riten als auch die Leidensweggeschichte Jesu mit der Auferstehung am Osterfest werden mit den Kindern erarbeitet und das Team geht gemeinsam mit den Kindern den Weg durch schwierige Fragen: Warum haben die Menschen Jesus so schrecklich wehgetan und warum hat der liebe Gott seinen Sohn geopfert? Michael Erbar, der pastorale Begleiter der Rheindörfer-Kitas, war in diesem Jahr in der Karwoche komplett in der Kita vertreten und gestaltete thematische Einheiten gemeinsam mit den Kindern und Kollegen aus dem Kitateam. Bereits zu Palmsonntag wurde der Einzug Jesu in Jerusalem durch Rollenspiele mit den Kindern besonders intensiv erfahrbar gemacht. Die Kinder konnten sich in der Rolle des Jesus, aber auch der jubelnden Menge wiederfinden und nachempfinden, wie sich die Menschen damals gefühlt haben. „Jesus kommt nach Jerusalem“ war das Jubellied, das die Kinder am Montag nach Palmsonntag gemeinsam in der Turnhalle rechts und links des gelegten Weges laut schallend sangen, als der Einzug in Jerusalem nach gespielt wurde.
Die Palmen, die zuvor gemeinsam mit Eltern gebunden worden waren, wurden gesegnet und jedes Kind konnte diese mit nach Hause nehmen. Durch eigene Legemethoden wurde in der Karwoche parallel zum wiederkehrenden Vorlesen aus der Kinderbibel eine etwas andere Art eines Kreuzwegs großzügig in einzelnen Stationen dargestellt. Den Einzug Jesu in Jerusalem symbolisierten die Palmzweige zu Beginn des Weges. Das letzte Abendmahl, bei dem Jesus sich von all seinen engen Freunden verabschiedete, bekam in der Kita schon am Dienstag eine besondere Bedeutung. Die Kinder lebten zusammen dieses festliche Essen nach, indem sie sich in Kleingruppen in der Turnhalle versammelten und „Wein“ in Form von Traubensaft geteilt wurde. Brot, das miteinander gebrochen wurde, schmeckte in der Gemeinschaft dann auf einmal besonders gut. Daher stellten die Kinder auf diese Station des Kreuzweges Brotstücke. Jesus ging anschließend in den Garten Getsemani, um zu beten. Um den Garten darzustellen, belegten die Kinder ein grünes Tuch mit einem Hügel und einem Bild mit betenden Händen. Als die Soldaten kamen, um Jesus festzunehmen, wollten die Kinder Jesus am liebsten beschützen und verteidigen ihn wie einer seiner Jünger damals. Sie legten Seile als Symbol für die Fesseln auf den Boden. Auch das Verhör machte die Kinder betroffen, schließlich hatte Jesus nichts Unrechtes getan, sondern anderen Menschen nur geholfen und sie geheilt. Von dem Richter Pilatus wurde Jesus trotzdem verurteilt und von den Soldaten auf dem schweren Weg nach Golgota verspottet und verletzt. Die Dornenkrone und der rote Mantel wurden als Symbol auf den schweren Kreuzweg gelegt. Ein Stein und ein gelegtes Kreuz symbolisierten den Beginn des Leidens Jesu. Mit kleinen Steinen zu einem Stück Weg gelegt und einem Bild von dem helfenden Simon wurde der erste Sturz Jesu dargestellt. Unterwegs auf seinem Weg traf Jesus verschiedene Menschen: Maria, vier weinende Frauen und Veronika. Die Kinder legten ein Bild der traurigen Maria und ein weißes Tuch, auf dem ein Gesicht zu sehen war, auf den Weg. Als die Geschichte weiter erzählt wurde, hörten die Kinder von der Kreuzigung Jesu. Auf dem Berg Golgota wird Jesus am Kreuz aufgerichtet und stirbt. Betroffenheit erfüllte den Raum und es war unbegreiflich, wie Menschen einem anderen Menschen so Grausames zufügen konnten. Die Kinder stellten ein kleines Kreuz mit Korpus in Knete gesteckt auf. Die Kinder hörten, dass Maria ihren toten Sohn in Leinentücher gehüllt in ein Felsengrab gelegt hat. Sie wickelten das Kreuz in weiße Tücher und legten es in eine symbolische Grabhöhle und rollten einen schweren Stein davor.
Zum Abschluss, am letzten Kindergartentag vor den Kar- und Ostertagen feierten alle Kinder gemeinsam eine Auferstehungsfeier. Sie staunten, dass das Grab offen war und statt des Kreuzes die Osterkerze in weißen Tüchern darin lag. Die Osterkerze, die jede Gruppe im kommenden Jahr durch Freude und Leid begleiten wird, und die allen Christen als Symbol für die Menschwerdung Gottes durch seinen Sohn Jesus Kraft schenken kann. Jedes Kind hatte im Vorfeld eine eigene Kerze gebastelt, die nun gesegnet wurde und mit nach Hause in die Familien genommen werden darf. Nach dem gemeinsamen Gottesdienst trafen sich alle Gruppen zu einem Festfrühstück mit Osterzopf und die erlebte Karwoche wurde nochmals zum Gesprächsthema am Tisch. Das Osterfest feiern die Kinder zu Hause mit ihren Familien oftmals weit weg von seiner eigentlichen Bedeutung, der Auferstehungsfeier - dennoch zeigt die Karwoche in der katholischen Kita jedes Jahr aufs Neue auf besondere Weise, wie spannend der christliche Glaube für die Kinder ist, und wie wertvoll die Zeit ist, in der man mit Kindern Raum zum Lesen und Erklären biblischer Geschichten findet.
