Müllemer Fasenacht endet mit der Nubbel-Verbrennung
Der Nubbel ist tot! - es lebe der Nubbel!
Mülheim-Kärlich. Traditionell legen in Müllem Prinz und Hofstaat am Veilchendienstagabend zum Ende der Fastnacht ihre Kappen ab, die dann ’eingemottet‘ und erst zu Beginn der neuen Session wieder aufgesetzt werden. Einen Prinzen gab es im letzten Jahr in der Müllemer Fastnacht nicht. - Eine „Prinzenvakanz“ sozusagen. Um trotz dieses Umstandes auch die Session 2014/15 würdig beenden zu können, hat man sich in der Prinz-Ludwig-Garde der Mülheimer Karnevalsgesellschaft an einen alten rheinischen Karnevalsbrauch erinnert, der nicht nur im Kölner Raum alljährlich den Karneval beendet: die Nubbel-Verbrennung. Der Nubbel, eine angekleidete Strohpuppe, ist die Figur des Sündenbocks im rheinischen Karneval. Der Nubbel wird in der letzten Karnevalsnacht verbrannt. Nubbel ist ein kölscher Begriff, der schon im 18. Jahrhundert im Sprachgebrauch war. Er wird benutzt, wenn man keine näheren Angaben machen kann oder will. Vor der eigentlichen Verbrennung vor dem Hotel Grüters wurde die Anklageschrift vorgetragen. Der Ankläger war der Chef der Garde. Zunächst verteidigten die anwesenden Karnevalisten den Nubbel, am Ende waren sie von seiner Schuld überzeugt und forderten Rache. Die Anklage gipfelte dann in rhetorischen Fragen wie: „Wer hat Schuld, dass wir unser ganzes Geld versoffen haben? Wer hat Schuld, dass wir keinen Prinzen hatten?“. Die Menge antwortete dem Redner mit einem lauten „Dat wor der Nubbel!“. Zur Strafe wurde der Nubbel anschließend unter dem Beifall der Anwesenden verbrannt.
